Kunstkurse des Gymnasiums Wolbeck stellen zum dritten Mal im Angelmodder Gallitzinhaus aus
Münster-Angelmodde (agh). Voll sind die Wände und im Obergeschoss zum Teil der Boden – seit Montag stellen Kunstkurse des Gymnasiums Wolbeck im Gallitzinhaus in Angelmodde aus. Bei dieser dritten Ausgabe der Reihe „Einblicke“ ist die Einladungskarte mit dem passenden Thema Porträts Selbst, haben die Kurse selbst ausgewählt – etwa ein Drittel ihrer Werke aus Kursen der Stufen 5, 6, 8, 10, EF und Q1 – und die Kurse Wahlpflichtfach 9 und 10 haben am letzten Donnerstag dank viel Vorarbeit in nur vier Stunden alles gehängt und gestellt. In der Vielzahl der Bilder und Objekte mussten sie hoch hinaus an die Wände. Häufig geht es um Selbst-Porträts, in „drei verschiedenen Herangehensweisen“, wie die Lehrerin Annika Berghammer sagte.
Dabei hängten die Schüler einiges bewusst nebeneinander, was vollständig anders aussieht und doch eng verwandt ist: So machte eine Druckpresse (der Förderkreis des Gymnasiums machte es möglich) aus bunten Collagen eine auf Blau reduzierte Variante. Die Namen William Cantridge, John Hartfield und Hanna Höch fallen, Dadaismus und das Hinterfragen von Wahrnehmung und Verhältnissen. Auch Inspiration durch andere große Künstler sticht ins Auge, etwa Dalis Art der Porträt-Reduktion oder Kompositionen des Surrealisten René Magritte – denen hier der berühmte Apfel fehlt. Selma Stallmeyer aus der Q1 dankte für die Möglichkeiten der kreativen Freiheit.
Für die Direktorin Dr. Désirée Bourger bietet die Ausstellung „Einblicke in die Themen, zu denen gearbeitet wird und vor allem in die Vorstellungskraft, die künstlerischen Fähigkeiten und die Kreativität“.
Die Kunst-Aktivität am Gymnasium zieht immer weitere Kreise, seit sie um das Jahr 2005 begann: Nachdem Schüler Klassenzimmer und Flure künstlerisch gestaltet hatten, gab es Presse-Berichte von den sonst eher verborgenen Werken. Inspiratoren und Triebkraft dahinter waren die Kusntpädagogen Gaby und Peter Reuter, die wiederum eine Schüler-Idee aus der Schüler-Zeitung „Rostlaube“ aufgegriffen hatten. Bei den Heimatfreunden griff man dies 2024 als Gelegenheit auf, Jugend in das Gallitzin-Haus zu bringen, das Anliegen reicht ebenfalls zurück. Lange wurde wenig daraus, ein Konzert von Schülern der Musikschule war eine Seltenheit. Dann übernahm Hans-Georg Dornhege die Aufgabe des Kurators bei den Heimatfreunden und so wird inzwischen, wie der Vorsitzende seines Vereins es ausdrückte, „auch der Öffentlichkeit schulisches Wirken gezeigt“. „Und das ist, ich glaube, heutzutage ganz wichtig, dass auch die Eltern und Bekannte mal sehen, was Sie in der Schule so leisten“, sagte Engelbert Honkomp. Umgekehrt besuchte 2025 ein Kunstkurs den im Gallitzinhaus ausstellenden Künstler Andreas Rosenthal für zwei konzentrierte Stunden. Der habe zu allen Fragen der aufmerksamen Schüler Rede und Antwort gestanden, so die Lehrerin Gabriele Krafeld. Und Rosenthal kam zur Vernissage der Schüler, so wie Gaby Reuter. Ebenfalls dabei war ein Vermittler auf Stadtebene, Karsten Bölling, Vorsitzender des Stadtheimatbundes Münster und seit drei Monaten Stadtheimatpfleger. Er fand die Ausstellung („Das hier ist eine Wonne“) und die Kooperation gelungen und möchte Vernetzungen wie diese auch an anderen Teilen Münsters sehen.
Gern erklärten sie etwas zu ihren Werken, versprach die Schülerin Nathalie Heising bei der Vernissage – vielleicht treffen Besucher zu den Öffnungszeiten im Gallitzinhaus in Angelmodde beteiligte Schüler an (15.06. bis 05.07., geöffnet samstags und sonntags von 16 bis 18 Uhr).
Noch mehr Schüler als bei vorigen Einblicke-Ausstellungen erlebten ihre Vernissage im Gallitzin-Haus. Foto: A. Hasenkamp.
Kurzdarstellungen der im Artikel genannten Künstler, ihrer Stilrichtungen und Absichten
John Heartfield Der Künstler, gebürtig Helmut Herzfeld, steht im Artikel stellvertretend für den Dadaismus, der traditionelle Kunstformen radikal ablehnt. Seine Absicht liegt im Hinterfragen von gesellschaftlichen Verhältnissen und gewohnten Wahrnehmungen. Er nutzt die Technik der Collage und Fotomontage, um politische und soziale Realitäten kritisch zu entlarven. In der Ausstellung spiegelt sich dieser Ansatz in den Schülerarbeiten wider, die bunte Collagen und Drucktechniken nutzen, um Porträts zu verfremden.
Hannah Höch Als zentrale Pionierin des Dadaismus revolutionierte sie die Kunstwelt durch gesellschaftskritische Collagen. Sie beabsichtigte, bestehende Rollenbilder und tradierte Wahrnehmungsmuster aufzubrechen und zu hinterfragen. Ihre Werke setzen sich oft fragmentarisch aus vorgefundenen Bildelementen und Texten zusammen. Die Schülerkurse greifen diese Methode auf, indem sie im Gallitzinhaus vielschichtige Porträts präsentieren, die mittels einer Druckpresse farblich reduziert und neu interpretiert wurden.
Salvador Dalí Er gehört zu den bekanntesten Vertretern des Surrealismus, der die Grenzen der Logik durch Traumwelten und das Unbewusste erweitert. Seine Absicht ist es, die vertraute Realität zu verzerren und den Betrachter mit dem Paradoxen zu konfrontieren. Der Artikel hebt speziell seine Methodik der Porträt-Reduktion hervor, bei der Gesichter auf das Wesentliche minimiert werden. Die Schüler ließen sich von dieser Inspiration leiten, um in ihren Selbstporträts neue, unkonventionelle Herangehensweisen auszuprobieren.
René Magritte Dieser Maler des Surrealismus hinterfragt in seinen Werken die Beziehung zwischen der Realität und ihrer Abbildung. Seine Absicht ist es, den Betrachter durch die Verfremdung von Alltagsgegenständen und die Irritation von Sehgewohnheiten zum Nachdenken zu bringen. Bekannt ist er für Kompositionen, die vertraute Motive wie den berühmten Apfel vor dem Gesicht zeigen. Die Wolbecker Schüler nutzen seine Kompositionsideen als Inspiration für ihre Porträts, lassen den Apfel hier jedoch bewusst fehlen.
Andreas Rosenthal Er vertritt eine zeitgenössische Kunstrichtung, die sich intensiv mit dem physischen Raum und der künstlerischen Praxis auseinandersetzt. Seine Absicht im Kontext dieser Kooperation ist der direkte, authentische Dialog und die Weitergabe von Impulsen an die nächste Generation. Im Jahr 2025 öffnete er seine eigene Ausstellung im Gallitzinhaus für einen zweistündigen, konzentrierten Austausch mit einem Kunstkurs. Durch seinen Besuch der Schüler-Vernissage schließt sich der Kreis dieser kreativen Vernetzung in Münster-Angelmodde.
