Von Bürgerwehr bis zum Skandal-Direktor im Amt Wolbeck

Münster-Wolbeck. Er referierte kenntnisreich über „Bedeutende Ereignisse aus der Geschichte des Amtes Wolbeck von 1914 bis 1946“, stammt aber weder aus Wolbeck noch aus dem benachbarten Angelmodde, wo er wohnt: der Sauerländer Wolf Lammers bekannte am Donnerstagabend im Rittersaal des Drostenhofs, er habe sich immer für die Geschichte „meines zweiten Heimatortes“ interessiert und so eines Tages Notizen seiner Archivarbeit zu Wolbeck gebündelt – daraus wurde Heft 21 der Chronik der Heimatfreunde Angelmodde.

Wolf Lammers lässt Geschehnisse aus dem Amt Wolbeck 1914-1946 aufleben

 Im Stadtarchiv liege viel über Wolbeck, man müsse aber „langwöchiger Gast“ dort sein, „einmal im im Monat reicht nicht“. Die Wolbecker lud er ein, „ein ganzes Batallion“ dorthin zu schicken. Dann berichtete er von der Wolbecker Bürgerwehr nach dem I. Weltkrieg, ihrer Be- und schließlich Entwaffnung mit englischen Karabinern und französischer Munition, vom verdienstvollen und konfliktreichen Bau des Bezirksverwaltungsgebäudes, dem Freiwilligen Arbeitsdienst auf dem Gelände der Alten Molkerei und der Entlassung der Wolbecker Amtsspitzen durch die Nationalsozialisten. Josef Leifert, Vorsitzender des einladenden Heimatvereins Wolbeck, gebürtiger Sauerländer wie Lammers, zeigte sich im knapp halbvollen Saal froh, dass mit der „Josephs-Geschichte“ um den skandalträchtigen ersten Amtsdirektor des Amts Wolbeck nach 1945 nicht er gemeint war. Die Wolbecker könnten neidisch auf die Angelmodder Chronik schauen. Dabei, so Lammers, hätten vier Autoren viel von der Wolbecker Geschichte festgehalten, nämlich Ferdinant Zumsuch, Heinrich Schmeken, Dietrich Graf von Merveldt und Heinrich Füser. Lammers überließ dem Heimatverein einige Dokumente und Drucksachen, Leifert bedankte sich mit einem guten Tropfen beim eloquenten Angelmodder.

Am 14. April sind im Drostenhof „Wolbecker Geschichte und Geschichten“ zu hören – Tönne Vormann, Heinrich Füser und Illa Andreae sind Programm. Einer Radtour „An Wolbecks Grenzen“ am 15. Mai folgt am 28. Mai ein Gottesdienst in plattdeutscher Sprache mit Predigt in Oldenburger Platt von Pfarrer Franz Westerkamp und am 15. Juli ein "Volkssingen für Alle", das in diesem Jahr diesmal tatsächlich unter freiem Himmel stattfinden soll.

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