Virtuoser Restaurator spielt Klavichord: Konzert auf zartem Instrument füllt das Danzig-Zimmer im D

Münster-Wolbeck. Er trägt die schwarze Handwerker-Hose, hat einen Doktor-Titel und spielt ein historisches Tasteninstrument: Dr. Ryszard Moroz gab am Donnerstagabend ein Konzert auf dem Klavichord.

Das lockte 30 Zuhörer in das Danzig-Zimmer des Westpreußischen Landesmuseums im Drostenhof in Wolbeck. Er sei kein Virtuose, sagte der freundliche, bescheidene Moroz, der beim Landschaftsverband Westfalen Lippe Referent für die restauratorische Beratung ist. Er baut und spielt Klavichorde: „Wenn man es nicht selber spielt, kann man es auch nicht selber bauen“. Sprachs und zückte Noten der Familie J. S. Bach, von Johann Adolf Hasse, Frescobaldi und Pachelbel, verglich auch die Variationen Bachs und Händels zu Telemann.
Die Technik des Klavichors geht zurück auf Pythagoras, erläuterte Moroz, der harmonische Intervalle entdeckte: „die Sprache der Götter“. Auch die Orgel entstand daraus. Das Klavichord dagegen äußerst leise – schon im kleinen Danzig-Zimmer war Stille gefragt. Er habe aber im Artus-Saal in Thorn schon vor 300 Menschen gespielt und jeder habe gut hören können, fügte Moroz hinzu. Im Drostenhof wählte er spontan das kleine Danzig-Zimmer mit den historischen Möbeln.
Moroz garnierte das Konzert mit Anekdoten wie dem Skandal um die zwei Primadonnen, die sich einst am Hofe in die Haare gerieten, bis die Perücken flogen. Nicht zuletzt konnten sich die aufmerksamen Zuhörer dann das Klavichord aus der Nähe anschauen und daneben dieTeile zu einem weiteren. Ebenfalls mitgebracht hatte Moroz drei Tasten und weitere Überreste jenes Klavichords, das sein Vater in seiner Kindheit verbrannt hatte – er hatte kein Verständnis für diesen Berufsweg. Moroz blieb dabei: „Das war immer mein Traum.“ Das Publikum war vom leisen, zarten Klang ergriffen – „darf man denn auch klatschen?“, fragte schließlich eine Zuhörerin. Das taten die Gäste dann reichlich. Und manches Gesicht wirkte fröhlich-entzückt.
Magdalena Oxfort, Kulturreferentin für Westpreußen, Posener Land, Mittelpolen, Wolhynien und Galizien, hatte Moroz über Nacht für den Auftritt gewinnen können – die vorgesehene aus Polen eingeladene Klavichord-Solistin Maria Erdman sollte an diesem Abend Musikstücke
aus den polnischen Tabulaturen aus dem 16. und 17. Jahrhundert spielen, war aber an einer Lungenentzündung erkrankt.

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