Ungebremste Kraft der Komposition: Internationales Jazz-Quartett adelt Haus Siekmann

Sendenhorst. Wild stampfen die Füße des Pianisten auf die Tenne, ungebremst hat sich seine Energie in die gerade nicht beschäftigten Beine fortgesetzt. Die klassische Klavier-Ausbildung, das Kompositions-Lernen, sie scheinen diese Dynamik eher gefördert zu haben, denn hinter solcher Dynamik steckt der Wille zur Aussage.

Und den lässt beim Konzert des „east-west quartett“ in Haus Siekmann nicht nur Pianist und Komponist Vadim Neselovsky heraus. Auch Dmitrij Telmanov, ebenso aus Odessa, ebenso Student der Folkwang-Schule, zeigt am Samstag sein Können als Komponist und virtuoser Trompeter. Kontrabassist Uli Bär aus Unna, zugleich organisatorischer Kopf, einfach „Zaubermann“, wie Neselovsky sagt, zaubert als bezeichnende Zugabe ein Solo zu Bach auf die Tenne, die Melodie von „Ich steh an Deiner Krippe hier“. Mit Text von Paul Gerhard, weil doch Paul-Gerhard-Jahr ist.Eindruck hinterlässt auch der Schlagzeuger Benny Mokross aus Hemer. Nicht nur für fesselnde Soli ist er gut, schon in der Begleitung fällt die fein abgestufte Dynamik auf, mit der er die jeweilige Leitstimme unterstreicht. Ganz nebenbei zeigt er, wie man mit der Trommelkante eine Nuance setzen, mit dem stärkeren Spannen der Trommeldecke einen Effekt ähnlich wie bei Saiteninstrumenten hervorbringen kann. Auch der ungewohnte Klang hat nicht nur bei ihm seinen Platz.

Pianist  Neselovsky mit Melodika

Wo der Tonumfang des Flügels nicht mehr reicht für die Aussage, da nimmt Neselovsky eine Melodika zur Hand, den zweiten Part des langen Abends eröffnet er mit einer Variation in g-Moll zu Bach. Dafür hätte man ihn früher wohl aus der Schule geworfen, meint der derzeit in New Orleans und New York beheimatete Neselovsky zu seiner Interpretation. Aber wäre Bach einmal in einen Jazz-Club gegangen …

Freude am Jazz

Dem Mienenspiel der Musiker sieht man ihre Freude an. Die Reaktion des Publikums feuere an, meint Neselovsky, der durch den Abend führt. Ein vor wenigen Wochen entstandenes Stück sei ein Fragment, mit dem er dem regellosen Verkehr in New Orleans Ausdruck geben will. „Die Tempi wechseln, die Polizei kommt.“ Hier hat er viel zu erzählen, ein Motiv im langen Präludium des Piano setzt sich in der Trompete fort, durchquert den Kontrabass, findet im Schlagzeug wiederum zu einem eigenen Element. Die Klasse dieser Musiker zeigt sich in ihrem harmonischen Zusammenspiel, war doch vor der kleinen Tournee kaum Zeit zum gemeinsamen Üben.

Bald mehr Jazz in Haus Siekmann?

Glücklich ist auch Jürgen Krass über dieses Event, er sieht die Chance auf einen festen Platz für Jazz in Sendenhorst. Der Ort, die Besucher aus Sendenhorst, Rheine, Dortmund, Münster, ihnen haben die exzellenten Musiker des  „east-west quartett“ gern ein Prädikats-Zeugnis ausgestellt. Mit ihnen, so charmant Neselovsky, sei man ein Quintett.

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Im neuen Jahr führt die Tournee die Weltbürger des Jazz neben Sendenhorst noch nach Haus Opherdicke in Holzwickede (2.1.2008), nach Soest (3.1.2008),  Föndenberg (5.1.2008) und Bönen (6.1.2008).

 

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