Trends am Lebensmittelmarkt: Renaissance für die Landwirtschaft

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Der Agrarsektor erlebt durch den weltweit steigenden Nahrungsmittelkonsum und Flächenknappheit eine Renaissance, so die Landwirtschaftskammer Münster in ihrem aktuellen Newsletter. Bei den Verbrauchern gibt es qualitätsorientierte und eher preisorientierte Kunden. Für den Kunden sind die Ausgangsprodukte der Landwirte im Sortiment eines Supermarktes kaum erkennbar und häufig tritt bei der Kaufentscheidung die Qualität der Rohstoffe in den Hintergrund, zugunsten anderer Kriterien.

So lautet das Resümee der Ernährungsfachtagung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen "Verbraucher zwischen Schnäppchenjagd und Premiumprodukten", die am Mittwoch in Münster stattfand.

Wie Landwirtschaftskammer-Präsident Johannes Frizen erklärte, erfüllten die Landwirte komplexe Umwelt- und Produktionsstandards, damit sie qualitativ hochwertige und sichere Lebensmittel erzeugen. Dabei stehe die Landwirtschaftskammer den Betrieben beratend zur Seite.
Über aktuelle Trends und Qualitätsansprüche in der Lebensmittelwirtschaft referierte Professor Holger Buxel vom Fachbereich Oecotrophologie an der Fachhochschule Münster. Er sieht eine deutliche Verschiebung der Marktstrukturen hin zu Lebensmittel im Premium- und im Billigmarkt. Das mittlere Marktsegment verliere immer mehr Marktanteile. Die Ausrichtung auf qualitativ hochwertige Produkte, die den Gesundheitsaspekt in den Vordergrund rücken, und auf Bio-Lebensmittel würde künftig weitere Bedeutung erlangen. Gleichzeitig greife der Verbraucher vermehrt zu vorgefertigten Produkten – Convenience genannt – und zu Sparprodukten. Buxel sagte voraus: "Der Gesundheitsmarkt gehört neben dem Convenience-Markt zu den wichtigsten Wachstumssegmenten im gesamten Lebensmittelmarkt."
Viele Verbraucher-Befürchtungen basierten auf einem unspezifischen Misstrauen gegenüber der Land- und Ernährungswirtschaft, da die Kunden keinen Bezug mehr zur Produktion hätten. Deshalb müsse die Ernährungswirtschaft den Spagat zu den unterschiedlichen Forderungen der Konsumenten ermöglichen, forderte  Helmut Steinkamp vom Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik in Quakenbrück. "Es wird eine Diskussion geben, was Verbraucher und Lebensmittelindustrie unter Qualität verstehen, was als Qualität am Markt bezahlt wird und was die Ernährungswirtschaft an Qualität produzieren kann."
Professor Achim Spiller von der Universität in Göttingen untersuchte die Rolle der Landwirtschaft in der Nahrungsmittelproduktion. Die Gründe für die Dominanz des Massenmarktes sieht er beim Verbraucherverhalten. Er unterscheidet zwischen etwa 40 Prozent qualitätsorientierten Kunden und 60 Prozent eher preisorientierten oder nicht besonders an Lebensmitteln interessierten Kunden. Spiller: "Es gibt eine große Gruppe preisorientierter Kunden. Aber auf der anderen Seite viel mehr Qualitätskäufer, als es der geringe Marktanteil von Hochpreisprodukten erwarten lässt." Hier lägen noch ungenutzte Potenziale.