Noch während Orkan „Kyrill“ über Münster fegte, rückte der Löschzug Wolbeck der Freiwilligen Feuerwehr aus, um zwei umgestürzte Tannen am Kellingholt zu zersägen und von der Straße zu räumen. Es war einer von 40 Einsätzen in dieser Nacht, Löschwagen und Drehleiter waren bis in die frühen Morgenstunden unterwegs. Eine Woche später zeigt sich beim Rundgang mit Förster Lothar Wermter: Die Sturmschäden im Tiergarten Wolbeck halten sich in Grenzen – dank eines robusten, überwiegend standortgerechten Baumbestands.
Einzelne Bäume statt großer Flächen
Auf Luftbildern werde vom Sturm kaum etwas zu erkennen sein, schätzt Wermter: Einzelne Bäume sind gefallen, ganze Flächen nicht. Prominentestes Opfer ist ein Ast der rund 400 Jahre alten Donnereiche, der sich gute dreißig Zentimeter in den feuchten Boden gebohrt hat. Ein Specht hatte zuvor im Ast genistet und damit die Substanz vorgeschädigt – ein Detail, das Wermter trotz insgesamt robuster Eiche nicht entgangen ist, denn solche Vorschäden erkennt der Förster nicht immer auf den ersten Blick. Auch Forstwirt Antonius Markfort musste im Tiergarten zehn Bäume beseitigen; noch am dritten Tag nach dem Sturm fielen weitere um, mancher Spaziergänger ignorierte die Warnungen der Feuerwehr und wollte die Gefahren-Einschätzung nicht ohne Weiteres teilen. Bei Markfort am Wildhüters Kotten zerschlugen zwei Tannen immerhin nur die Zäune, nicht mehr.
Wurzelteller, Wassergraben und ein zerrissener Stamm
Wenige Dutzend Meter weiter hat eine gesunde, schon stattliche Eiche beim Umstürzen eine kleinere Eiche und eine Buche zerschmettert. Am Hauptweg liegt eine Lärche über Douglaskiefern. An einer Esche am Wassergraben zeigt sich ein besonders heikler Fall: Der Stamm ist innen verfault, vermutlich nach Verletzungen bei früheren Grabenarbeiten, und in der Mitte auseinandergerissen, aber nicht durchgebrochen – die Fasern haben sich unter hoher Spannung verdreht und tragen den gestürzten Baum weiterhin. Hier mahnt Wermter die Waldarbeiter zu äußerster Vorsicht beim Abtransport. Eine Buche in der Nähe hat ihr flaches Wurzelwerk mit zweieinhalb Metern Durchmesser komplett aus dem Boden gehebelt: Bei dem sehr hohen Grundwasserspiegel kommen Buchenwurzeln nicht so tief wie die einer Eiche und halten Stürmen entsprechend weniger entgegen – die dreißig Zentimeter Wurzeln im sandigen Lehm hielten „Kyrill“ nicht stand.
Warum der Tiergarten glimpflich davonkam
Vorwiegend Nadelbäume hat „Kyrill“ umgelegt – und davon gibt es im Tiergarten kaum welche. Die meist laubtragenden, standortgerechten Bäume boten im blattlosen Winterzustand wenig Angriffsfläche; bei Sommerstürmen sähe das angesichts der Zunahme von Wetter-Extremen anders aus, ergänzt Wermter. Auch am Wall, der den Tiergarten umschließt, hat der Sturm Bäume samt Wurzelwerk ausgehebelt, darunter eine Fichte am Eingang gegenüber der Bahnlinie, die im Kern faul war und in der auch Wildbienen Unterschlupf gefunden hatten; mit Winden wurden die Wurzelteller zurückgekippt, um Erosion zu vermeiden. Am Feuchtbiotop störten Wermters geschultes Auge vor allem einige Enten, die das Gewässer eutrophieren und Fischlaich einschleppen können – eine Gefahr für die Amphibien dort. Wegen der insgesamt geringen Sturmschäden im Tiergarten plant Wermter keine zusätzlichen Aufforstungen – die Forstwirtschaft nutzt lediglich die beschädigten Bäume, ein weiterer Einschlag ist für das Jahr nicht vorgesehen. Deutlich schlimmer traf es Gebiete außerhalb des Tiergartens: Im benachbarten Grafenbusch mit seinen vielen Nadelbäumen und Richtung Albersloh, etwa am Eingang zu Gut Berl, registrierte Wermter massive Schäden.
Fazit
Trotz spektakulärer Einzelschäden zeigt der Rundgang mit Förster Wermter: Der Tiergarten hat „Kyrill“ vergleichsweise gut überstanden. Abseits der Wege bleibt es vorerst gefährlich, denn lose Bruchstücke können jederzeit herunterfallen – ein guter Grund, im FFH-Gebiet Tiergarten auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben, wie Wermter eindringlich rät. Mehr zu Natur und Forstwirtschaft rund um Wolbeck gibt es auf wolbeck-muenster.de.
Weiterführender Link: https://wolbeck-muenster.de/wolbeck/

- Förster Lothar Wermter bei der Begutachtung des abgebrochenen Astes an der Donnereiche
- Die entwurzelte Buche mit freiliegendem Wurzelteller, im Hintergrund die zerrissene Esche
- Detailaufnahme der verdrehten, zerrissenen Eschenfasern am Wassergraben
- Umgestürzte Bäume am Wall des Tiergartens
- Feuerwehrleute bei der Zersägung umgestürzter Tannen am Kellingholt, falls Bildmaterial vorhanden