Studie zu Unternehmensnetzwerken in der EUREGIO

Enschede/Osnabrück, 18. Februar 2019 – Auch 60 Jahre nach Gründung der EUREGIO lassen deutsche und niederländische Unternehmen die Möglichkeiten einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit noch immer häufig ungenutzt. Das ergibt eine Studie der Unversität Osnabrück zu Unternehmensnetzwerken im Auftrag der Wirtschaftsförderungen aus den großen EUREGIO-Städten Enschede, Münster und Osnabrück. „Viele schauen lieber 100 km ins Landesinnere als 50 km über die Grenze”, sagt Philip Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geographie an der Uni Osnabrück. Die aktuelle Forschungsarbeit wurde nun den Vertretern der Städte überreicht.

„Die Studie zeigt uns, dass die Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Unternehmen aus Deutschland und den Niederlanden längst nicht ausgeschöpft sind”, sagt Peter Schildkamp, Projektleiter vom Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Enschede. Sein Münsteraner Kollege Günter Klemm, bei der Wirtschaftsförderung zuständig für Fördermittel sowie Regional- und Europafragen, hebt die mögliche Signalwirkung erfolgreicher deutsch-niederländische Leuchtturm-Projekte hervor. „Wir erleben ein großes Interesse auf beiden Seiten der Grenze für eine Zusammenarbeit. Häufig fehlt dann aber der letzte Anstoß zum Gelingen”, sagt Klemm.

Laut der nun vorgelegten Studie liegen die Hindernisse für eine Zusammenarbeit von Unternehmen trotz aller Annäherung vor allem an Unterschieden in deutscher und niederländischer Arbeitskultur. Philip Müller und Kollegen führten für die qualitative Studie Gespräche mit Vertretern von Unternehmensnetzwerken und Unternehmen aus Deutschland und den Niederlanden. Insgesamt wurden neben einer intensiven Literaturanalyse elf Gesprächspartner befragt. „Einfach gesagt ist es so, dass Niederländer schnell beginnen und loslegen möchten. Auf deutscher Seite wird dagegen eher streng nach Fahrplan gearbeitet und erstmal geschaut, ob vertraglich alles abgesichert ist”, sagt Müller. Zudem seien die Unternehmen und Arbeitnehmer in den Niederlanden eher kreativer und weniger klar strukturell organisiert als in Deutschland. Letztlich könne auch die Sprache ein Hinderniss sein, wenn es um Detailarbeit geht.

Weniger entscheidend für das Entstehen oder den Erfolg eines Unternehmensnetzwerkes ist dagegen das Geld. Denn laut Philip Müller sei nur selten die Höhe der Fördermittel entscheidend, vielmehr komme es auf eine Verstetigung der Strukturen an. So müsse es zum Beispiel auch auf Seiten der Akteure grenzüberschreitender Zusammenarbeit personelle Ressourcen über bestimmte Projektzeiträume hinaus geben. „Außerdem empfehlen wir einen gezielten Abbau von Informationsdefiziten und eine stärkere Unterstützung von Unternehmen bei der Suche nach potenziellen Kooperationspartnern”, sagt Müller.

Aufgezeigt werden in der Arbeit auch Leuchtturmprojekte und Vorzeigebeispiele für Unternehmensnetzwerke oder -kooperationen in der EUREGIO. Hervorzuheben sind beispielsweise erfolgreiche Kooperationen, die auf das EU-Förderprogramm Interreg zurückgehen, wie das Rocket-Programm. Dabei werden Schlüsseltechnologien in den Bereichen Gesundheit, Energie und Produktion gefördert. Zahlreiche kleine mittelständische Unternehmen sind beteiligt und profitieren vom entstandenen Netzwerk durch Wissenstransfer. „Dieser führt letztlich zu Wachstum und gegebenenfalls Arbeitsplätzen in der EUREGIO”, sagt Müller.

Auch für Günter Klemm liegen die Vorteile dieser Kooperationen auf der Hand: „Die Beteiligten profitieren vom Informationsaustausch über konkrete Hilfestellungen bis zu Kosteneinsparungen sowie der Sichtbarkeit ihres Unternehmens.” Für die Stadt Enschede sei dies auch eines der Motive für die Verabschiedung ihrer Deutschlandagenda gewesen, mit der länderübergreifende Kooperationen und Netzwerke in Wirtschaft und Arbeitsleben vorangetrieben werden, wie Peter Schildkamp erläutert.

Weitere Infos unter:

www.enschede.nl

www.wfm-muenster.de

www.wfo.de

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