Street-Photography: Einladung zu einem anderen Wahrnehmen

Reiner Schlag vor Fattmanns "Päuschen" und Udo Fattmann vor Schlags "Doggy Style on Prinzi". Foto:: A. Hasenkamp, Münster.

Münster-Hiltrup. „Wenn Fotografie erklärt werden muss …“, sagt einer der beiden Fotokünstler. Dennoch standen die beiden Foto-Künstler bei der Vernissage für die Ausstellung „Streetphotography Münster“ im Kulturbahnhof Hiltrup für Fragen bereit: Reiner Schlag und Udo Fattmann. Durchaus reizvoll ist es, die Orte zu identifizieren, die eine Rolle spielen in ihren Fotos, denn alle Exponate stammen aus Münster.
Wesentlich aber ist es nicht – es ist eher eine andere Art des Sehens der Dinge und Situationen dieser Welt, die hier geboten wird. Das tun die beiden, die ihre Streetphotography gemeinsam ausstellen, auf ihre jeweilige Weise. Beide erleichtern den Blickwechsel, indem sie nur Schwarz-Weiß-Abzüge benutzen.
Fattmann setzt Schatten als gestaltende Elemente ein, Schatten von Gebäuden oder auch von Menschen. Es sind häufig geometrische Muster, die sich dann abzeichnen. Ganz anders „Münster mit der Leeze“, das einen Radfahrer mit Baskenmütze auf dem Prinzipalmarkt zeigt. Auch hier tragen Schatten und Schwarz-Weiß-Reduktion zum Erkennen des Wesentlichen bei. Ein Gast war sich sicher, das Foto sei doch sehr alt – aber, so Fattmann, es stammt aus dem Jahr 2017. Dann wieder setzt Fattmann Schatten und Licht ein, um ein kleines Element der Aufnahme zu betonen, das Auge sicher zu ihm zu führen, zum “Pausierenden“. Vieles muss zusammenkommen, vieles nicht durch den Fotografen Beeinflussbare, damit ein solches Motiv abgelichtet werden kann. So ist auch verständlich, dass Fattmann sagt, dass er nicht von jeder der häufig mehrstündigen Touren überhaupt auch nur ein Foto mit nach Hause bringt. Anderes ergibt sich ganz natürlich-physikalisch, man muss „nur“ warten, bis die Schatten an der richtigen Stelle angekommen sind – falls denn die Sonne scheint.

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Street-Photography mit leitenden Schatten und zum Teil mit Menschen

Wesentlich mehr Menschen zeigen die Fotos von Reiner Schlag. Aber auch hier spielen Gesichter eine vernachlässigbare Rolle, sie gelangen mehr nebenbei ins Bild, wenn Schlag Situationen einfängt und über die Bildtitel eine Lesart anbietet. Bei Schlag muss die Geduld reichen, um etwa ein Liebespärchen an die richtige Stelle in einem Gebäude am Aasee zu führen.
Wie aus einem Mund klingt, was beide zum Umgang mit den Persönlichkeitsrechten der Menschen sagen. Nie komme eine entwürdigende Situation in Frage, keine „Negativsituation“. Man könne sich fragen, meint Fattmann, ob man denn selbst so abgebildet werden wolle.

Einladung zu einer anderen Art des Wahrnehmens: Eva-Maria (v.l.) eröffnete die Ausstellung von Udo Fattmann und Reiner Schlag im Kulturbahnhof. Fotograf: A. Hasenkamp, Münster.

Eröffnet wurde die Ausstellung „Streetphotography Münster“ von Eva-Maria Koch vom Ausstellungs-Ausschuss des Kulturbahnhof-Teams. Sie freute sich umso mehr, als sie selbst Fotografin ist. Ihr Vater brachte ihr den Umgang mit Blende, Zeit und Sucher bei, als sie sechs Jahre alt war.

Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 19.07.2019.

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