Stimmungsbarometer Mittelstand steigt rasant, sagt WGZ Bank

Düsseldorf, 14. Oktober 2010. Die Erholung der Stimmung mittelständischer Unternehmen setzt sich verstärkt fort. Der Index, den die WGZ BANK mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rheinland und in Westfalen halbjährlich ermittelt, klettert auf 111,3 Punkte (Frühjahr 2010: 99,4). Mit einem Plus von 11,9 Zählern ist die Dynamik des Anstiegs ausgeprägter als jemals zuvor. „Nicht nur das starke  Wachstum der Nachfrage aus dem Ausland auch die günstigere Binnenkonjunktur hat die Stimmung beflügelt“, so Thomas Löcker, Leiter des Bereichs Firmenkunden der WGZ BANK.

Die knapp 1.000 befragten mittelständischen Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen schätzen ihre aktuelle Geschäftslage deutlich besser ein als noch vor einem halben Jahr. So beurteilt eine Mehrheit der Mittelständler (54%) die Situation mit gut oder sehr gut (vormals: 36%), lediglich 8% sind unzufrieden (vormals: 22%). Auch die Geschäftsaussichten haben sich markant verbessert: Fast vier von zehn (39%) mittelständischen Unternehmern sehen der geschäftlichen Zukunft opti-mistisch entgegen. Vor sechs Monaten zählte lediglich jeder vierte Mittelständler zum Lager der Optimisten. Zudem ist die Zahl der Pessimisten von 13% auf nur noch 4% zurückgegangen. Insbesondere bei den Unternehmen mit 50 bis 99 Mitarbeitern ist der Anteil der Pessimisten mit nur noch 1% kaum mehr messbar. Im Handel, im sonstigen Dienstleitungsgewerbe sowie im Bausektor übertrifft die Stimmung bereits das Vorkrisenniveau. Lediglich im Verarbeitenden Gewerbe konnte noch nicht der Stand des Jahres 2007 erreicht werden.

Weiter rückläufige Arbeitslosigkeit

Angesichts der deutlich verbesserten Geschäftslage ist auf dem Arbeitsmarkt ein markanter Aufschwung feststellbar. Mehr als jeder vierte (28%) mittelständische Betrieb meldet Neueinstellungen, während lediglich jeder Siebte (13%) die Belegschaft reduzierte. Vor sechs Monaten hatte die Zahl der Betriebe mit einer abnehmenden Belegschaft noch die der Betriebe mit Neueinstellungen in den Schatten gestellt. Bei den Produzenten von Investitions- und Vorleistungsgütern erhöhte fast jeder dritte Betrieb (32%) die Zahl der Beschäftigten. Auch zukünftig wollen viele Unternehmen weitere Neueinstellungen vornehmen. So planen 16% der Mittelständler Neueinstellungen, während lediglich 7% eine sinkende Beschäftigtenzahl erwarten. Investitionsneigung nur leicht belebt
Parallel zu den verstärkten Neueinstellungen hat die Investitionstätigkeit der Unternehmen zugenommen. So erhöhte jeder vierte Unternehmer (26%) seine Investitionen, während lediglich 19% weniger investierten. In der letzten Befragung lagen die Werte noch bei 20% sowie 28%. Insbesondere die Hersteller von Vorleistungs- und Gebrauchsgütern zeigen eine höhere Investitionsneigung. Von den investierenden Unternehmen ersetzen zwei Drittel (67%) bestehende Anlagen. Der Anteil der Firmen mit Erweiterungsinvestitionen blieb unverändert bei 22%, während die Bedeutung der Rationalisierungsinvestitionen auf 11% (nach 14%) zurückging. Die Planungen für die kommenden Monate haben sich zwar gleichfalls etwas verbessert. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Investitionen erhöhen wollen (21%), übersteigt die Gruppe der Firmen mit rückläufigen Investitionsplanungen aber nur geringfügig. Löcker: „Vielen Unternehmern steckt der Schock der zurückliegenden Krise offenbar noch in den Gliedern und sie zögern deshalb noch bei möglichen Investitionsentscheidungen.“

Eigenkapitaldecke verbessert

Bemerkenswerterweise melden trotz der erst seit Kurzem überwundenen Krise 38% der Unternehmen (vormals 33%) ei-ne Eigenkapitalquote von über 30%. Zwei Drittel der größeren mittelständischen Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern berichten über eine solch komfortable Eigenkapitalausstattung. Mit einer Eigenkapitalquote von weniger als 10% müssen sich unverändert 22% der Befragten begnügen. Vor allem kleinere Unternehmen (29%) mit weniger als 20 Beschäftigten sind mit einer nur dünnen Eigenkapitaldecke ausgestattet.

Steigende Rohstoffpreise als Herausforderung

Viele Mittelständler (41%) beklagen einen hohen Konkurrenzdruck. Aufgrund des intensiven Wettbewerbs im Handel bezeichnen 55% der Handelsunternehmen den Konkurrenzdruck als problematisch. Steigende Rohstoffkosten sind für ein Drittel (34%) der mittelständischen Betriebe eine Herausforderung. Insbesondere für zwei Drittel der Hersteller von Vorleistungsprodukten (65%) sind steigende Einstandspreise der benötigten Rohstoffe problematisch. Schwierigkeiten mit der Bürokratie (31%) und eine hohe Steuerbelastung (29%) nennen zahlreiche Mittelständler als weitere belastende Faktoren. Insbesondere kleinere Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten empfinden die Steuerbelastung (37%) und bürokratische Hemmnisse (34%) als hinderlich.

Löcker: „Naturgemäß haben kleinere Unternehmen unter dem deutschen Regelungsdickicht besonders zu leiden. Sie müssen sich schließlich um ihr operatives Geschäft kümmern und können keine Stabsabteilungen unterhalten.“ Schwerer im Vergleich zur letzten Befragung wiegt nun der Facharbeitermangel: Fast jedes vierte Unternehmen (24%) beklagt einen Mangel an Fachkräften. Vor sechs Monaten hatte erst jedes siebte Unternehmen einen Engpass bei Fachkräften registriert.

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Zum Thema.:  Meilensteine auf 20 Seiten: WFM-Geschäftsbericht 2006
Über Andreas Hasenkamp 6368 Artikel
Journalist, Online-Redakteur und Event-Fotograf in Münster.

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