Stimm-Fülle mit virtuosen Instrumentalisten beim Passionskonzert in Albersloh

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Nikola Fischer-Orr vom Frauenchor Albersloh dankt Anja Hegemann (l.).Sendenhorst-Albersloh. Man wird in Sendenhorst und Umgebung einige Zeit davon reden und sich 2009, beim Jubiläum des Albersloher Frauenchores, lebhaft daran erinnern: Der Chor wagte sich am Freitag an ein anspruchsvolles und für viele Ohren auch ungewohntes Programm.

Angereichertes Passionskonzert

In St. Ludgerus gestaltete er gemeinsam mit dem Kammerchor Havixbeck und dem Kammerchor der Musikschule Steinfurt ein Passionskonzert mit zwei kurzen Werken von Bach – „Wohl mir, das ich Jesum habe“ und „Was Gott tut, das ist wohlgetan“  – und Josef Gabriel Rheinbergers „Wie lieblich sind deine Wohnungen“. Und zum Schluss das große, vom Frauenchor mit viel Mut angegangene Ereignis des Abends, das Requiem. Nicht von Bachs, Schütz, Fauré, Brahms, sondern vom postmodernen Zeitgenossen John Rutter.
Deutliche, klare Kontraste zwischen den Stimmen, guter Einklang von Sängerinnen und Sängern mit den Instrumentalisten ließen die ersten beiden Werke hören. Das versprach viel.

Soli mit Ibert, Piazolla und Ginastera

Schön, dass die exzellenten Instrumentalisten auch in interessanten Kombinationen solo zu hören waren. Zumal sie ungewohnte, anregende Klänge boten. In Jacques Iberts kurzem Entr’acte erstaunen Christoph Bumm-Dawin an der Querflöte und Brigitte Langnickel-Köhler mit dichter Fülle. Das lateinamerikanisch und vom Tango geprägte Oblivon und Libertango von Piazolla, sie haben ihre seine besinnlichen wie auch lebensfroh sprühenden Züge: Die Harfe und das von Reinhard Langnickel gespielte Orgel-Dispositiv überraschen in dieser eher seltenen Kombination und mit wiederum ungehörten Klang-Seiten insbesondere der Harfe. Virtuos und ausdrucksstark auch das dritte Duo. Oboist Jan Nieuwenhuis und Bumm-Dawin boten eine Sonate von Alberto Ginastera.
Dreifach mag der Zweck dieses instrumentalen Mittelteils gewesen sein: Gelegenheit zu bieten, über das Gesungene nachzudenken; virtuose Instrumentalkunst genießen zu lassen; mit Ungewohnten auf das Requiem vorzubereiten. Auch das gelang.

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Rutters Requiem

Dann setzte das Requiem mit seinem weiten Bogen zur Leidensgeschichte Jesu den Höhepunkt dieses rundum gelungenen Passionskonzerts, dessen Gesamtleitung Johannes Krabbe hatte.
Intensiv ist dank auch hier schön abgesetzter Stimmen das Gebet für die Menschheit. Dem Psalm „Aus der Tiefe“ verleiht das hier führende Cello den Rahmen, dem persönlichen Gebet eine Einzelstimme, Anja Hegemanns schöner Sopran. Ein Aufschrei dann im zentralen Sanctus: Chöre und Musiker haben eine bewegende Szenerie entstehen lassen, die das Herz anspricht. Sie setzen es fort in einem bedrückenden Agnus Dei, im Psalm mit prägenden Eindrücken aus Männerstimmen, Oboe und Harfe.

"Ungewohnt und wunderbar"

Viel Applaus gab es in der diesmal nicht ganz vollen Kirche und viele persönliche Glückwünsche für die Ausführenden. „Ungewohnt und wunderbar“, meinte ein Gast.
Zu hoffen ist, dass solche Projekte finanziell möglich bleiben. Dass es künstlerisch gelingen kann, stimmig und fesselnd, hat dieser Freitag bewiesen.