Stille Bilder und laute Schrift: Kulturakzente rücken die Innenstadt ins neue Licht

Stille Bilder und laute Schrift: Kulturakzente rücken die Innenstadt ins neue Licht
Onkel Willi auf der Salzstraße - aufgenommen im Mai 1979. | Foto: Berthold Socha / Sammlung Stadtmuseum Münster

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Münster Marketing, Stadtmuseum, Kulturamt, Wirtschaftsförderung und ISI schaffen kreative Räume

Münster (SMS) All die leeren Gassen, geschlossene Geschäfte und Restaurants, diese ungewohnte Ruhe mitten im Corona-Sturm, der den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt doch so viel abverlangt – dieses Bild kann und sollte sich nicht dauerhaft in den Köpfen einprägen. Um gegenzusteuern, rücken jetzt zahlreiche Akteurinnen und Akteure ihre Innenstadt in ein neues Licht und schaffen ebenda kreative Räume. „Und wir sind bester Dinge, dass dies bei den Menschen in unserer Stadt gut ankommen wird“, sagt Bernadette Spinnen, Leiterin von Münster Marketing.

Steigerung der Innenstadt-Attraktivität Münsters

Kurz umrissen: Zahlreiche Veränderungen im Besatz der Geschäfte, aber auch Geschäftsaufgaben sind schon jetzt im Stadtzentrum sichtbar. Parallel steigt die Sorge, dass Nachvermietungen auch in zentralen Lagen nicht den hohen Ansprüchen genügen und damit die Qualität des Standortes gefährdet ist – die Herausforderungen für die Stadt Münster sind enorm. Deshalb setzt sie auf eine enge Kooperation mit der Wirtschaftsförderung sowie den Innenstadtakteuren aus Handel, Gastronomie und Immobilieneigentümern, nicht zuletzt den beiden wichtigen Bündnissen Initiative starke Innenstadt (ISI) Münster und Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Bahnhofsviertel Münster.

Seit Jahren arbeiten das Citymanagement bei Münster Marketing und die privaten Partner an einer stetigen Steigerung der Innenstadt-Attraktivität. Gerade mit Beginn des Lockdowns wurden diese Gespräche noch einmal intensiviert. Diese Arbeit soll alsbald in die Form eines „Zentrenmanagements“ und somit in wirkungsvolle Ergebnisse überführt werden.

Großformatige Münster-Bilder

Am Freitagmorgen wurden die ersten großformatigen Bilder von Berthold Socha angebracht. | Foto: Stadt Münster
Am Freitagmorgen wurden die ersten großformatigen Bilder von Berthold Socha angebracht. | Foto: Stadt Münster

Der Auftakt für eine neue Wahrnehmung der Einkaufsmeile erfolgt bereits an diesem Freitag: An einer derzeit leerstehenden Bäckereifiliale an der Salzstraße – gegenüber des Erbdrostenhofs – werden großformatige Münster-Bilder aus dem rund 160 000 Fotografien umfassenden Werk des „Stadtfotografen“ Berthold Socha angebracht. Dr. Axel Schollmeier, stellvertretender Leiter des nah gelegenen Stadtmuseums, ist begeistert: „Die Größe der Bilder ermöglicht eine ganz neue Sicht auf die Aufnahmen – es wurden Fotos ausgewählt, die einen inhaltlichen Zusammenhang mit der räumlichen Umgebung der Schaufenster aufweisen oder einen besonderen Themenkomplex aus unserer Ausstellung illustrieren.“

Sochas Bilder sind seit dem vergangenen Herbst im Stadtmuseum ausgestellt – nur konnten sie wegen des Lockdowns noch nicht viele Menschen sehen. Umso begrüßenswerter also die gemeinschaftliche Aktion, großformatige Ausdrucke dieser spannenden Dokumente aus Münsters Geschichte öffentlich zu präsentieren. Die ersten Motive sind bereits in der Salzstraße zu sehen, weitere Fotografien werden in den kommenden Wochen an anderen aktuell nicht genutzten Schaufenstern folgen, so beispielsweise in der Königs- und Ludgeristraße.

Klangkunst-Performance live im Web

Die nächste Marke setzt am Mittwoch, 10. März, das „duo.freiheraus“ (Mirijam Streibl und Brigitte Borchers) mit seinem „Kaufhaussound“. Dabei handelt es sich um eine 15-minütige Klangkunst-Performance hinter den geschlossenen Türen einzelner Geschäfte, während der dann passende Schriftkunstwerke auf den Schaufenstern entstehen. Mirijam Streibls elektronische Musik wird auf der Schaufensterscheibe von Brigitte Borchers visualisiert, ja vielmehr in Worte und Schriftzeichen umgesetzt. „Die Sound-Schrift-Performance reflektiert künstlerisch diese irren Zeiten, die Orte der Innenstadt werden belebt und neu beleuchtet, am Ende gilt es zu berühren und Lichtblicke zu schicken“, so Borchers. Und: „Der Sound ist der Weg zum Herzen, und die Schrift ist die Essenz des wahren Kerns der Sache.“ Der besondere Clou: Die Aktionen – gleich sechs Termine sind geplant – werden live im Web gestreamt.

Münster Marketing, Stadtmuseum, Kulturamt, Wirtschaftsförderung und ISI erhoffen sich als Paten dieser ersten Ausrufezeichen viel Zuversicht und auch Begeisterung in der Bevölkerung für das „Abenteuer Innenstadt“. Denn klar ist, dass mittel- wie langfristig noch viele weitere Aktionen, Maßnahmen, Projekte und auch die ein oder andere Überraschung folgen werden.

TERMINE

Kaufhaussound

Die Klangkunst-Performance von „duo.freiheraus“ findet an sechs Terminen im März statt und kann nur im Stream angeschaut werden. Am 10., 11., 12., 17., 18. und 19. März – jeweils um 20 Uhr – ist die Übertragung dann auf www.kaufhaussound.de zu hören und zu sehen.

Ausstellung Berthold Socha
Aufgrund der pandemischen Lage ist das Stadtmuseum bereits seit einigen Monaten geschlossen. Um möglichst vielen Menschen einen Einblick in das Schaffen Berthold Sochas, aber auch in die jüngere Geschichte Münsters zu ermöglichen, wurde die Ausstellung „Auf Münster fixiert. Fotografien von Berthold Socha 1970-2020“ nun bis zum 1. August verlängert. Weitere Infos:
https://www.stadt-muenster.de/museum/ausstellungen/auf-muenster-fixiert-fotografien-von-berthold-socha-1970-2020

Portrait Berthold Socha. | Foto: Uschi Socha
Portrait Berthold Socha. | Foto: Uschi Socha

ZITATE

Bernadette Spinnen
Leiterin Münster Marketing
„Wir starten mit zwei Kulturprojekten – gemeinsam mit allen Innenstadtakteuren – in einen sicher länger dauernden Prozess des Wandels in unserer Stadt. Und das ist kein Zufall: Kultur bringt Menschen zusammen – und unsere Innenstadt wird dann eine gute Zukunft haben, wenn sie nicht nur ein Handelsraum bleibt, sondern den Menschen Angebote zum Austausch und zur Kommunikation machen kann.“

Robin Denstorff
Stadtbaurat Stadt Münster
„Die Zukunft der Innenstadt ist allen Akteuren – egal ob privat oder öffentlich – und den Bürgerinnen wie Bürgern ein Herzensanliegen. Sie steht weit oben auf der Agenda der Stadt. Wir sind froh, dass wir über gute Netzwerke verfügen und über eine große Einigkeit aller Partner, aber auch von Politik und Verwaltung in dieser Frage. Ich bin sicher, wir können mit einer positiven und zukunftsgerichteten Vision unserer Innenstadt und starker Stadtteilzentren den bevorstehenden Wandel bestmöglich gestalten und stark daraus hervorgehen.“

Andreas Kall
Geschäftsführer der Stiftung Rudolph von der Tinnen / Eigentümerin Gebäude „Backwerk“
„Wir sind guter Dinge, unser Ladenlokal an der Salzstraße in den nächsten Monaten einer nachhaltigen Nachnutzung zuführen zu können. Bis dies gelingt, freuen wir uns über das kulturelle Engagement, das zur Attraktivität der Innenstadt und insbesondere der Salzstraße beiträgt.“

Andreas Weitkamp
Vorstand der ISI – Initiative starke Innenstadt
„Unabhängig davon, ob unsere Türen geschlossen oder offen sind, sind wir erreichbar und überraschend. Wir stehen für Veränderungen und freuen uns, mit dieser Aktion einen Blick in die Zukunft unserer Innenstadt zu geben“.

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