Stefan Zweig in Brief, Gedicht und Leben Marion und Markus von Hagen präsentieren den Schriftsteller aus Wien

Stefan Zweig in Brief, Gedicht und Leben Marion und Markus von Hagen präsentieren den Schriftsteller aus Wien
Vieles ist ernst und tragisch bei Stefan Zweig, manches amüsant: Marion und Markus von Hagen präsentierten den bekanntesten Schriftsteller seiner Zeit besonders im deutschsprachigen Gebiet. Foto: A. Hasenkamp.

Zuletzt aktualisiert 9. April 2019 (zuerst 7. April 2019).

Münster-Hiltrup. „Literatur für Liebhaber“ stand am Sonntagnachmittag im Kulturbahnhof Hiltrup auf dem Programm, und Liebhaber fanden sich eine ganze Menge für Stefan Zweig. Den 1881 in eine großbürgerliche Familie in Wien Hineingeborenen stellten Marion und Markus von Hagen vor, als materiell gut Situierten, an Neuem und Neuigkeiten Interessierten, vielfältig literarisch Tätigen in einer Welt, die zunächst hoffnungsfroh dem Fortschritts-Glauben anhängt, auf mehr Frieden vertraut – und dann hinabgestoßen wird in 30 Jahre unmenschlichen, industriell-mechanisiert tötenden Krieges- und Zwischenkrieges. Wie so viele Künstler begrüßte Zweig zunächst den Ersten Weltkrieg, auch das merken Marion und Markus von Hagen in ihrer differenzierten Vorstellung an. Marion von Hagen führt konzentriert und gut verständlich durch die Biografie, ihr Mann übernimmt es, die verschiedensten Textsorten vorzutragen.

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Vieles ist ernst und tragisch bei Stefan Zweig, manches amüsant: Marion und Markus von Hagen präsentierten den bekanntesten Schriftsteller seiner Zeit besonders im deutschsprachigen Gebiet. Foto: A. Hasenkamp.

Die können die Besucher, 60 etwa an der Zahl, auch daheim noch einmal nachlesen, dank des umfänglichen Textheftes: Ein Brief an Hermann Hesse, ein Auszug aus „die Liebe der Erika Ewald“, aus dem späten, bekannten, nach Wissen dürstenden Werk „Die Schachnovelle“, dann Zweigs Übersetzung eines Gedichts von Arthur Rimbaud und schließlich Zweig letztes Gedicht vor seinem Selbstmord: „Nie liebt man das Leben treuer / Als im Schatten des Verzichts“. Heiter wird es, wenn Zweigs „Glockenlied des Kapitän Morosus“ plastisch und atmosphärisch dicht erklingt: „Die Großen, die schweren, die donnern und dröhnen, die kleinen, die dünnen, die plärren und stöhnen“.

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