Stadtmuseum Münster zeigt das älteste jüdische Grabsteinfragment Westfalens

Stadtmuseum Münster zeigt das älteste jüdische Grabsteinfragment Westfalens
Das älteste jüdische Grabsteinfragment Westfalens seht im Mittelpunkt einer kleinen Ausstellung auf der Galerie des Stadtmuseums.

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Spurensuche durch die Jahrhunderte / Zum Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

Münster (SMS) Spuren und Hinterlassenschaften jüdischen Lebens aus dem Mittelalter sind nicht nur in Westfalen, sondern in ganz Deutschland ausgesprochen selten. Umso begeisterter sind Archäologinnen und Archäologen über den Neufund, der 2016 bei einer Ausgrabung der Stadtarchäologie Münster mitten in der Stadt an der Jüdefelderstraße entdeckt wurde.

Zum Jubiläum „2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ präsentiert das Stadtmuseum Münster die Ausstellung „Gestorben Anno 1313/1314 – Das älteste jüdische Grabsteinfragment aus Westfalen“ mit dem Fundstück aus der Innenstadt und erzählt die Geschichte des Steinfragmentes. „Mit diesem frühen Fund kann das Stadtmuseum Münster einen wichtigen Beitrag zum Jubiläum leisten“, so die Beigeordnete für Kultur, Frau Cornelia Wilkens. „Vor 1700 Jahren erließ Kaiser Konstatin ein Edikt, wonach Juden in Ämter der Kurie und der Stadtverwaltung berufen werden konnten. Dieses Dekret aus dem Jahr 321 gilt als der älteste Beleg für die Existenz jüdischer Gemeinden auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands.“

Das Fundstück bildet den Ausgangspunkt für eine Spurensuche, die sich mit den wenigen überlieferten authentischen Zeugnissen in Münster aus der Zeit vor dem ersten großen Judenpogrom in Westfalen im Jahr 1350 beschäftigt:

Bei der Untersuchung von Fundamenten einiger erst im frühen 19. Jahrhundert errichteter und im Zweiten Weltkrieg zerstörter Häuser im Überwasserviertel traten Baufragmente zutage, die vom Abbruch der alten, 1821 eingestürzten, Aegidiikirche stammten. An einem halbrunden Fragment wurde der Rest einer hebräischen Inschrift entdeckt, der von einem Grabstein der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde in Münster stammt. Der oder die Verstorbene wurde im Jahr 74 der Zählung des sechsten Jahrtausends bestattet, also im Jahr 5074 des jüdischen Kalenders. Diese dauerte von September 1313 bis September 1314.

In Zusammenarbeit mit dem „Verein zur Förderung des Jüdischen Friedhofs“ werden als Begleitprogramm Führungen und Vorträge zum historischen Jüdischen Friedhof oder zur Synagoge, aber auch zum modernen jüdischen Bestattungsbrauchtum sowie zum Umgang mit den historischen jüdischen Kulturdenkmälern des Mittelalters im Laufe der Jahrhunderte in Münster angeboten.

Die kleine Präsentation im Stadtmuseum Münster zeigt neben dem Originalfundstück didaktische Illustrationen zur Lage der jüdischen Einrichtungen in Münster im Mittelalter sowie die späteren Fundstellen der Grabsteine vom ehemaligen jüdischen Friedhof in der Stadt.

Die Präsentation kann bis zum 15. August besucht werden. Das Stadtmuseum öffnet aktuell unter geänderten Öffnungszeiten: Am Dienstag, Donnerstag und Freitag von 13 bis 17 Uhr, am Mittwoch, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Für den Besuch ist eine Anmeldung erforderlich. Diese kann innerhalb der Öffnungszeiten telefonisch (02 51/4 92-45 03), per E-Mail (museum-info@stadt-muenster.de) und im Museumsshop vor Ort erfolgen. Für das Betreten des Stadtmuseums ist das Tragen einer medizinischen Maske und das Hinterlassen von Kontaktdaten notwendig. Sofern die Besucherhöchstzahl es zulässt, ist auch ein sofortiger Zugang zum Stadtmuseum möglich. Die üblichen AHA-Regeln sind einzuhalten. Der Eintritt ist zu allen Ausstellungen frei.

Das älteste jüdische Grabsteinfragment Westfalens seht im Mittelpunkt einer kleinen Ausstellung auf der Galerie des Stadtmuseums.
Das älteste jüdische Grabsteinfragment Westfalens seht im Mittelpunkt einer kleinen Ausstellung auf der Galerie des Stadtmuseums.