St. Bernhard pflegt den Dialog: Positionen zur Gestaltung von Kirche und Gemeindeleben

Münster-Angelmodde. Dialog ist aufgewertet in der katholischen Kirche – wie aber ist der Stand des Dialogs? Dieser Frage widmete sich am Donnerstagabend eine Gruppe von  20 Gläubigen, meist Ältere aus St. Bernhard, im dortigen Pfarrzentrum. Pfarrer Klaus Wirth
Vieles werde ganz woanders besprochen als in den Gemeinden, so eine Feststellung von Wirth. Zum Beispiel Reaktionen auf die rechtsextremistische Demonstration in Rumphorst in Münster.

Ein Mann merkte an, es fehle heute die Generation der um die Vierzigjährigen: Zu seiner Zeit hätten die agiert, heute fehlten sie. Wirth erinnerte an die von jungen Erwachsenen der Gemeinde herausgegebene Zeitschrift „Kobold“, die in den 80er Jahren in St. Bernhard erschien und für manchen Aufruhr sorgte. Die Orte des Dialogs hätten sich wohl verlagert, nicht zuletzt ins Internet.
Gemeinsam besprach man Punkte aus dem Entwurf für einen Diözesanpastoralplan für das Bistum Münster vom Dezember 2011.
Wie gehe das zusammen, so eine Frau im Blick auf die Pfarreien-Zusammenführung in Münsters Südosten am Pfingstsamstag, 27. Mai? Erst „alles zusammenhauen“, dann die Gemeinde vor Ort stärken wollen, aber „die besten Leute zum Dom holen“. Man hätte die Dinge so lassen sollen, so ein Mann. Das sei Augenwischerei, erwiderte einer, „wir lügen uns was in die Tasche“. In zehn Jahren werde die Kirche nicht mehr in der Lage sein, so viele Priesterstellen zu besetzen wie heute. Die missionarische Arbeit sei vorbei, so der früherere Missionar Pater Theo Vogelpoth, „weil die Missionare aussterben“.
Pfarrer Wirth stellte klar,  Rom  halte an der Priesterzentrierung fest, auch am Stellenwert der Eucharistie durch einen Priester.
Eine Frau forderte, den Pflicht-Zölibat abzuschaffen. Das Problem liege tiefer, so ein Mann, nämlich im Glaubensschwund. Die evangelischen Kirchen hätten zwar vieles Geforderte, wie etwa keinen Zölibat, die Austrittszahlen seien hier dennoch höher. Ähnlich negativ sei es beim Gottesdienstbesuch. Man müsse Schlüsse ziehen für die Glaubensunterweisung. Besonders im Blick auf die Kommunionkinder – „wie binden wir sich an die Gemeinde?“ Auch Wirth treibt das Anliegen um, sie nicht erst zur Trauung wieder in der Kirche zu sehen. Die kirchliche Jugendarbeit sei eine Chimäre, viele Verbände bröckelten. Bei der Versetzung von Pfarrer Mensinck, so eine Frau, seien viele „auf die Barrikaden“ gegangen, ja, auch und gerade die Jugendlichen.
Eine Mutter warb für Langmut: Ihre Kinder hätten sich zwar abgewandt, aber jetzt, wo sie in den Dreißigern seien, merke sie: Es war nicht umsonst.
Wirth gab zu bedenken: „Es fällt nicht leicht über den eigenen Glauben zu reden. Oft ziehe ich das Schweigen vor.“ Man solle sich fragen: „Wie leben wir selbst aus unserem Glauben und was können wir davon ehrlichen Herzens anderen anbieten?“

Am kommenden Donnerstag lädt Pastoralreferent Sebastian Reimann ein zur letzten Veranstaltung der Reihe „Dialog in der Kirche“ ein zum Thema „Deine Linke soll nicht wissen was deine Rechte tut“. Dabei geht es auch um seine Erfahrungen von einer Reise nach Südamerika und eine weitere Sicht auf die Welt.

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