Sklavin, bevor es Sklaven gab

Teilen heißt kümmern!

Zuletzt aktualisiert 15. Januar 2021 (zuerst 6. März 2014).

Bedrückende Zitaten-Schau aus Männerköpfen zum Frauentag

Von Andreas Hasenkamp
Münster-Wolbeck. „Es ist nicht mehr auszuhalten“, sagt nach einer Dreiviertelstunde eine von knapp zwanzig Frauen. Und verlässt den stillen Kreis.

Von der „Frauenunterdrückung in patriarchalischen Gesellschaften“ handelte der Vortrag Rainer Scheppers am Donnerstag im AWO-Themenkreis zum Internationalen Frauentag. Was Männer aus Judentum, Christentum und Islam für ein Bild von „der Frau“ für angemessen und angenehm hielten, hatte Schepper gesammelt und zitierte unverblümt.

Starker Tobak“, meinte nach dem Vortrag Ingrid Brock-Gerhardt, Organisatorin des Themenkreises. Dabei hatte Schepper aus Zeitgründen Schopenhauer und Kant aus seiner dichten Beschreibung ausgeklammert. Was für Ideen und Praktiken: Die Frau als Besitz, sie wurde „Sklavin bevor der Sklave existierte“, teilte „wohl des Mannes Bett, aber nicht seinen Tisch“, galt als, wie Schepper Thomas von Aquin zitierte, „schnell wachsendes Unkraut“, ein „auf den Mann hin erschaffenes Wesen“: „Das Haupt für die Frau ist der Mann“. Plato sah es als eine von acht Wohltaten, dass er nicht als Frau geboren worden war. Und wer ließ sich im Paradies verführen, verführte wen und brachte wen um das Paradies? Es sind Geschichten aus Männerköpfen, die die monotheistischen Religionen prägen, so Schepper.

Er schälte auch Unterschiede im Denken heraus und mit ihnen eine mögliche Ursache für männliche Unterdrückung: das Unvermögen, Frauen zu verstehen, führe zu Furcht.
„Sind da denn auch positive Dinge enthalten, Herr Schepper?“, fragte Brock-Gerhardt. „Warten Sie mal ab?“, antwortete der und fuhr mit dem Koran fort. Lang sei der Weg vom Gattungswesen zur Persönlichkeit gewesen. Dem Referat folgte, wie Brock-Gerhardt schildete, ein Erlebnis- und Gedankenaustausch, an dem sich viele beteiligten.

Rainer Schepper, katholisch erzogen, hatte sich näher mit dem Thema befasst, als er Widersprüchliches in der Religion entdeckte. 2003 publizierte er die Grundlage des Referats als „Frauenunterdrückung in patriarchalischen Gesellschaften“ in der Zeitschrift Aufklärung und Kritik“. Der 1927 geborene Rezitator aus Münster ist Autor verschiedener Bücher, darunter „Gott beim Wort genommen. Das Alte Testament auf dem ethischen Prüfstand“, „Das ist Christentum. Informationen aus zweitausend Jahren Geschichte“ und „Plattdeutsche Märchen der Brüder Grimm“.
()
Bedrückendes zu Männersichten auf Frauen hat Rainer Schepper gesammelt, der den bis Ende März reichenden Kalender von Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag präsentiert. Foto: A. Hasenkamp iVb.