Schwierige Situation für Münsters Einzelhandel

Oberbürgermeister und Stadtbaurat luden zum „Innenstadtaustausch“ ein

Münster (SMS) Per Videokonferenz trafen sich auf Einladung von Oberbürgermeister Markus Lewe und Stadtbaurat Robin Denstorff am Freitag (4. Dezember) Vertreter und Vertreterinnen des lokalen Einzelhandels zum Austausch über die schwierige aktuelle Situation des stationären Handels.

Anders als im Fall der Gastronomie, der die Stadt mit Verzicht auf Gebühren und Unterstützung der Außenbewirtung auch im Winter helfen kann, sind die Spielräume beim Handel eng. Oberbürgermeister Lewe und Stadtbaurat Denstorff nahmen die Schilderungen der Einzelhändler mit großer Besorgnis zur Kenntnis und teilten die Befürchtung der Handelsvertreter, dass Münsters Innenstadt ihre traditionell starke Position als Einkaufsstadt mit hoher Attraktivität verlieren könnte.

Für die Unternehmen in der Innenstadt ist es „nicht fünf vor, sondern bereits fünf nach zwölf“, so ein Vertreter des Handels in dem Gespräch. In einigen Unternehmen reiche es schon jetzt nicht mehr aus, alle nur möglichen Kostenreduzierungen vorzunehmen. Es müssten bereits betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden, damit Insolvenzen verhindert werden können.

Oberbürgermeister Markus Lewe sieht die Dramatik, die für das Oberzentrum Münster sogar noch ausgeprägter ist als in Klein-und Mittelstädten im ländlichen Raum. Er versprach neben der kommunalen Unterstützung auch seine Funktion als Vizepräsident des Deutschen Städtetages zu nutzen. “Ich werde mich im engen Austausch mit der Bundes- und Landesregierung dafür einsetzen, dass konkrete Hilfsmaßnahmen für den lokalen Einzelhandel entwickelt werden.“, so der Oberbürgermeister.

Große Einigkeit herrschte unter den Teilnehmern über die auch in diesen Zeiten hervorragende Zusammenarbeit und Nähe zwischen der Stadt und den Innenstadtakteuren, die eine gute Basis für das Krisenmanagement und die bevorstehende Aufbauarbeit sind. Die Innenstadtakteure aus Handel und Gastronomie ließen aber keine Zweifel daran aufkommen, dass in der nächsten Zukunft Marketingmaßnahmen in erheblichem Umfang erforderlich sein werden, um die Attraktivität des Oberzentrums wieder ins Bewusstsein auch der Gäste aus dem Umland zu rücken.

„Auch jetzt schon arbeiten wir in unserer Stadt mit vereinten Kräften daran, dass Münsters Innenstadt attraktiv bleibt und ihre Stärke nicht verliert“, berichtete die Leiterin von Münster Marketing, Bernadette Spinnen. So ist beispielsweise für Anfang 2021 auch gemeinsam mit dem Handelsverband eine Sonderaktion für den „Münster-Gutschein“ geplant. „Die Weihnachtsaktionen von ISI und Münster Marketing verfolgen diesen Zweck ebenso wie das Maßnahmenpaket für die Gastronomie, über das der Rat am 9. Dezember entscheidet. Es enthält den Verzicht der Stadt auf Gebühren für die Außengastronomie bis Ende 2021 und Unterstützung bei allen Maßnahmen, die eine Außenbewirtung im Winter erleichtern.“

Tobias Viehoff, Sprecher der Initiative Starke Innenstadt (ISI), plädierte für Maßnahmen, die dem Handel direkt helfen und ihn über die „Durststrecke“ bringen. Er bat zu prüfen, ob auch Unterstützung bei Mietzahlungen für Einzelhandelsunternehmen möglich sein könnten. Im Namen aller Akteure bedankte er sich für die sehr gute und enge Zusammenarbeit mit der Stadt und sagte seitens des Innenstadt-Einzelhandels zu, sich partnerschaftlich in allen Belangen einzubringen.

Mittel- und langfristig wird sich nach Einschätzung von Stadtbaurat Robin Denstorff die Innenstadt verändern: „Corona hat diesen Trend dramatisch beschleunigt. Dieser Prozess muss seitens der Stadt gut begleitet werden“, betonte der Dezernent für Planung, Bau und Wirtschaft. Der Rat der Stadt hat dazu bereits ein Paket beschlossen, dass ein Innenstadtentwicklungskonzept für die nächsten Jahre, die Entwicklung des Martiniviertels und die Einrichtung eines Zentrenmanagements enthält. „Damit werden wir ganz systematisch gemeinsam mit den Innenstadtakteuren, allen voran mit der Initiative Starke Innenstadt hoffentlich in der Lage sein, die Zukunft unserer Innenstadt zu gestalten und nicht nur auf Entwicklungen zu reagieren“, so Robin Denstorff.

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