Rudifredlinkegalerie zeigt ab 31. August „Siegfried Zademack – Phantastischer Realismus“

Wolbeck – "Der nackte Engel ist zum Greifen nah. Die geheimnisvolle Figur möchte man berühren, so realistisch erscheint sie vor uns auf der Leinwand. Das virtuose Spiel mit Licht und Schatten läßt sie beinahe plastisch hervortreten." So beginnt die Pressemitteilung, mit der die Rudi-Fred-Linke-Galerie aus Münster-Wolbeck zur Vernissage von Siegfried Zademack einlädt – sie ist zugleich ein Teil der "Nacht der Galerien".

Rudifredlinkegalerie zeigt ab 31. August bis zum 10. November: „Siegfried Zademack – Phantastischer Realismus“ – Vernissage zur „Nacht der Museen und Galerien“

Die auf Leinwand gebannte Wirklichkeit hat eine Schärfe und Brillanz, die schon jenseits aller Wirklichkeit ist, weil sie diese buchstäblich hinter sich läßt. Die Gemälde verblüffen durch ihre Tiefe und ihre Intensität, sie verstören durch ihre rätselhaften Kompositionen. In der RUDIFREDLINKEGALERIE werden vom 31. August bis zum 10. November 60 Gemälde des Malers Siegfried Zademack gezeigt. Es ist dies die größte Einzelausstellung des phantastischen Realisten – einer der bekanntesten Vertreter der Künstlergruppe die „Neuen Meister“.

Unendliche Landschaften wie von einem anderen Stern, kryptische Zeichen sowie eine mystische Symbolik, die mit unseren Sehgewohnheiten bricht und mit bekannten Metaphern spielt. In den Ölgemälden tauchen neben klassischen Symbolen wie Kreuz, Kerze oder Totenkopf viele eigene Kreationen auf. Zu ihnen gehören die mit weissen Tüchern verhüllten Figuren, Engel, die nicht fliegen können, gesichtslose Gliederpuppen als Synonym für seelenlose Wesen und immer wieder rostige Gewichtstücke, die die Schwerkraft symbolisieren.

Es sind phantastische, ja surrealistische Szenen, die den Maler aus Bremen antreiben. Sie erinnern frappierend an Salvador Dali und doch strahlen sie eine entschlossene Eigenständigkeit aus, ja sie scheinen sich dem Vorbild des großen Katalanen widersetzen und abgrenzen zu wollen, so als wollten sie ihn als übermächtigen Übervater des Surrealismus einfach abschütteln.

Die Gemälde von Zademack sind kunstvoll arrangiert, artifiziell und akribisch auf Leinwand oder Holz gebracht. Der mühevolle und überaus zeitaufwendige Malprozess springt einem unmittelbar ins Auge. In dem Schaffensprozess vereinigen sich in der Selbsteinschätzung des Künstlers „eine kritische Mischung aus einem perfektionistischen Arbeiter und hysterischer Kreativität.“

Die sorgsam komponierten Figuren und Accessoires könnten einem Traum entsprungen sein. Dabei interessieren Zademack vor allem: Gefühle und Wirkungen. Hinter seiner Bildsprache steckt kein intellektuelles Kalkül, wiewohl wiederkehrende Zeichen und Requisiten auf ein solches zu verweisen scheinen.

Zademack möchte sich beim Malen vor aller Rationalität von tieferen Schichten seines Bewußtseins berühren und führen lassen. Ähnlich wie der Maler Edgar Ende, Vater des Bestsellerautors Michael Ende, den Zademack zu seinen großen Vorbildern zählt, lässt er sich alleine von seinem Unbewußten, seiner Fantasie und seinen Stimmungen leiten. Immer wieder stolpert er schließlich am Ende des Prozesses selber über die Rätselhaftigkeit seiner Bilder als seien es Botschaften aus einer anderen Welt. Sie rühren ihn an, bewegen ihn und geben ihm zu denken. So wie der Betrachter im irritierenden Spiel der Personen und Requisiten auf den Gemälden einen tieferen Sinn sucht und sich von den seltsamen Stimmungen bewegen läßt.

Bevor Siegfried Zademack zu malen anfing, hatte er bereits Bilder im Kopf, die er nicht umzusetzen vermochte. Ihm fehlte schlichtweg die dafür notwendige Technik. „Ich habe mich in dieser Zeit immer wie ein Maler gefühlt, der nicht malen kann, auch wenn ich das natürlich niemals zugegeben hätte“, erinnert sich Zademack.

Der Besuch der Bremer Kunstschule überzeugte ihn allerdings schnell davon, dass er an der Akademie nicht lernen konnte, was er lernen wollte. So ging Zademack den Weg des Selbststudiums, besuchte Museen und Galerien, um sich in die Techniken der alten Meister zu vertiefen. Dabei fand er ganz offensichtlich auch den einen oder anderen Lehrmeister und erarbeitete sich das Wissen über Farben, Pigmente, Übergänge, Lösungsmittel, Mischungen so, wie das weiland die Alchimisten zu tun pflegten.

Die eigentlichen Lehrer von Siegfried Zademack sind die „Alten Meister“, also die Maler der holländischen und italienischen Früh- und Hochrenaissance wie van Eyck, Raffael, Vermeer oder Andrea del Satro, von denen er sich den Umgang mit Ölfarben und die Übersetzung von Licht und Schatten abgeschaut hat. „In dieser Zeit hat der Handwerker in mir sich herausgefordert gefühlt und ein unerklärlicher, starker Antrieb hat mich wie einen Besessenen zur Arbeit angetrieben“, sagt der Maler heute.

Siegfried Zadernack gehört zu den zeitgenössischen Künstlern, die sich entgegen dem vorherrschenden Mainstream, also jenseits aller Projekte, Installationen und Performances der gegenständlichen Kunst verpfichtet haben. Im doppelten Sinne arbeitet Zademack also „old fashioned“, wohltuend anders als die meisten seiner Kollegen. Eine große Sympathie hegt Zademack für die Wiener Schule der Phantastischen Realisten. Fast möchte man meinen, dass viele seiner Arbeiten bei Ernst Fuchs anknüpfen und Fabeln weiterspinnen, die dort einst grundgelegt worden sind.

Aus Sicht des Künstlers gibt es keine Kraft, mit der sich der Mensch Zeit seines Lebens so beständig und verhängnisvoll auseinandersetzen muss, wie mit der Schwerkraft. Sie ist jene Kraft, die dem Menschen die Leichtigkeit nimmt und ihn seinen Wunsch vom Fliegen nur träumen lässt. Wie eine Chiffre tauchen in seinen Bilder immer wieder Gewichtsstücke auf, die uns an diese Kraft gemahnen, ohne die unsere Welt nicht so aussähe wie sie uns jetzt erscheint und ohne die sie niemals so zusammenhielte wie wir uns auf sie verlassen können.

Die heile Welt sucht man in Siegfried Zademacks Bilduniversum vergebens. Doch obwohl in vielen Exponaten Trostlosigkeit, Einsamkeit, Gewalt, Ohnmacht, Enttäuschung, Ausweglosigkeit oder gar Endzeitstimmung herrschen, besticht und erfreut der Künstler unser Auge durch seine hyperrealistische, ja beinahe physisch fühlbare Malweise. An der möchte man sich einfach nicht sattsehen.

Die Vernissage findet am Samstag, den 31. August um 17.00 Uhr im Rahmen der „Nacht der Museen und Galerien“ statt.

Siegfried Zademack – Phantastischer Realismus – Ausstellung vom 31. August bis zum 10. November 2013

RUDIFREDLINKEGALERIE, Mühlendamm 1-3, 48167 Münster/Wolbeck
Telefon 0171-2849977, www.rudifredlinkegalerie.de
Öffnungszeiten: Sa/So von  12:00 – 17:00 Uhr

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