Religion und Musik: Texte fundieren außergewöhnliches Kammerkonzert in der Friedenskirche

Religion und Musik: Texte fundieren außergewöhnliches Kammerkonzert in der Friedenskirche
Rosen als Dank für ein außergewöhnliches Konzert: Namjeong Kim (v.l.), Magdalena Steiner, Elisabeth Fürniss und Stefan Marx mit der Klarinettistin Jutta Hollenberg. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Zuletzt aktualisiert 22. Februar 2016 (zuerst 19. Februar 2016).

Münster-Angelmodde. „Was haben Religion und Musik miteinander zu tun?“ Diese Frage leitete am Freitagabend durch das Kammerkonzert in der Friedenskirche. Pfarrer Hartmut Hawerkamp bettete die zwei von professionellen Musikern gespielten Werke in Texte ein; es spielte das Erato-Quartett Münster, bestehend aus Namjeong Kim und Stefan Marx, Violine, Magdalena Steiner, Viola, und Elisabeth Fürniss, Cello, verstärkt von der Klarinettistin Jutta Hollenberg. Sie kennen sich aus der Arbeit im Sinfonieorchester Münster und viele Kammerkonzerte.
Musik wie Religion berührten „den Lebensnerv“, sagte Hawerkamp: Den von Mozart berührte 1748 Musik im Wiener Burgtheater. Mit Tränen in den Augen habe er das Theater verlassen, beeindruckt vom Spiel eines Klarinettisten. Mozart komponierte als Freundschaftsgabe das Klarinettenquintett A-Dur, KV 581, geprägt „von Fröhlichkeit und Melancholie, Einfachheit und Tiefe, Heiterkeit und sanfter Trauer“, wie Hawerkamp die Empfindungen späterer Komponisten bündelte. Er lud die Hörer ein, sich berühren zu lassen.
„Unter die Haut geht auch das Leid, die Not die schreit, der Schmerz, der nicht vergeht“, so führte Hawerkamp zum zweiten Werk, 1960 „aus Not geboren“: Dimitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8, Opus 110. Dramatischer noch war sein Eindruck, in der Komposition, aber auch im Wissen der Hörer um den Hintergrund: Den Komponisten zwang der Kreml zum Komponieren und zum Eintritt in die Partei, das Thema war die Zerstörung   Dresdens in Bombenhagel und Feuersturm im II. Weltkrieg.
Hawerkamps Antwort auf die Leitfrage: „Musik berührt auf nicht sichtbare Art und Weise; das tut Religion, nicht jede, aber jede wahre Religion auch. Wer Musik hört, erfährt, dass das Leben nicht im Sichtbaren aufgeht.“
Das Versprechen von Kammermusik zu Thema Musik und Religiosität hatte gut 50 Gäste in die kleine Friedenskirche gezogen. Zu verdanken war das Konzert dem längeren Bemühen von Kim, die in Angelmodde lebt. Stark war der Beifall für die große Leistung der fünf Musiker und hielt an; so konnte Hawerkamp noch im Applaus den Künstlern Rosen überreichen. Danach waren alle zu einem kleinen Umtrunk eingeladen.

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