„Die Kerzen gehen aus“ – Unzufriedenheit mit den Fortschritten des Friedhofs Am Hohen Ufer

Zuletzt aktualisiert 30. Dezember 2015 (zuerst 22. September 2008).

Freien Durckblick und freien Durchzug gab es für die Besucher des ökumenischen Gottesdienstes mit den Pfarrern Klaus Wirth und Hartmut Hawerkamp (r.) am Tag des Friedhofs im Bewinkel 21. Münster-Angelmodde. Noch so eben sommerlich ist das Wetter, der Wind gemäßigt, und auch die Sonne lugt beim ökumenischen Gottesdienst am Friedhof „Am Hohen Ufer“ in Angelmodde wärmend hervor.

Friedhof Am Hohen Ufer: Pläne

„Unmöglich. Da muss was geschehen!“ sagen nachher dennoch zwei Ältere auf dem Weg zu Kaffee und Kuchen, der von Frauen der St. Bernhard-Gemeinde gestiftet in der Sonne wartet. Genau vor einem Jahr hatte, ebenfalls am Tag des Friedhofs, die Einweihung stattgefunden. Auch ein deutlich Jüngerer meint ungefragt, es sei doch auch mit Jacke recht frisch gewesen unter dem Schutzdach.

Dort steht, während die Musiker ihre Finger wärmen, noch eine ganze Weile Wilhelm Klönne vom Amt für Grünflächen und Naturschutz und erklärt zunächst die Pläne für die Ausbau-Optionen. Noch ist der Raum unter dem Schutzdach nach drei Seiten ganz offen, an der Schlagwetter-Seite steht eine Mauer, aber nach oben hin klafft eine breite Lücke. Die soll auf jeden Fall geschlossen werden. Offen ist, wie weit an den Längsseiten Fenster einen Abschluss schaffen sollen. Auf 60.000 Euro belaufen sich die berechneten Ausbaukosten für die kleinere der Lösungen. Damit wären von den Seiten des 13 mal 13 Meter großen Schutzdaches links etwa vier Meter geschlossen, rechts 6,5 Meter.

Briten schenkten Fenster

Zwei wichtige gestalterische Element gab es von den Briten geschenkt: Fenster aus der heutigen Friedenskapelle, die den Heiligen Bonifatius und Mutter Teresa zeigen. Dieses Geschenk der Briten, die nach dem Weltkrieg „dafür sorgten, dass wir in Frieden leben konnten“, solle die Stadt Münster würdigen – das ist eines der Argumente von Pfarrer Klaus Wirth von St. Bernhard, der mit Pfarrer Hartmut Hawerkamp den Gottesdienst hält. Vor allem geht es um die, die hier bei Begräbnissen zu jeder Jahreszeit Gottesdienste in Würde feiern können sollen. Lebende und Verstorbene gehörten zusammen; hier fehlten Schutz und Geborgenheit vor Regen und Kälte. „Sie sitzen alle im Durchzug, die Kerzen gehen aus.“ In der näheren Umgebung gebe es auch kein Café oder Ähnliches. Man solle nicht immer nach der billigsten Lösung suchen. Das gehöre auch zur „lebenswertesten Stadt der Welt“, appelliert Wirth.

Ein älterer Herr weist Klönne auf eine Möglichkeit hin, mit der die Stadt doch Geld sparen könne. Aber es sind zwei jüngere Ehepaar mit Kleinkind, mit denen Klönne am längsten spricht. Nicht über große Maßnahmen, sondern über viele lange fehlende kleine.Zwar weisen inzwischen Schilder darauf hin, dass es sich um einen Friedhof handelt. Aber die ersten Hinweise will Daniel Schumann als Privatmann aufgehängt haben. Nach längerem Warten. Nicht seine einzige Aktion; auch der Oberbürgermeister bekam einen Brief.

Durchaus reagiert hat die Stadt Münster in Gestalt von Ordnungsamt und Polizei auf Hinweise, dass sich der Platz zum Treff für Jugendliche entwickelte, die dann auch die Reste alkolischer Getränke hinterließen. Wasserhahn und Sitzbank hätten auch bis vor kurzem gefehlt; den ganzen Sommer über sei nichts passiert, meint eine junge Frau.Und auch ein Kreuz fehlt. „Es gibt überall auf den Friedhöfen ein Kreuz. Nur hier nicht“, meint der junge Familienvater kopfschüttelnd. Das Kreuz wollen die sechs Kirchengemeinden von Münster-Südost selber finanzieren. Modell steht das mehrfarbige Kreuz vom ökumenischen Kirchentag in Südost; ausgeführt in Metall, zum Schutz vor Feuchtigkeit, soll es auf den Friedhof. Aber auch davon, so die jungen Paare, sei ja schon eine ganze Weilte die Rede.

Eigendynamik beim Friedhof

Die Maßnahme hat gleich an mehreren Stellen eine Eigendynamik gewonnen, hinter der die Stadt Münster nun hinterherläuft. Pfarrer Wirth lobt die Weitsicht derer, die im April 2005 rechtzeitig vor der Erschöpfung der Kapazität des Friedhofs am Homansweg, der nicht vergrößert werden kann, für den Neubau stimmten. Den versteht die Stadt Münster, das macht Klönne klar, allerdings als Erweiterung des Alten. Und dort sei ja eben schon die gesamte Infrastruktur vorhanden. Ein frisch angelegter Friedhof werde üblicherweise auch nicht gleich genutzt, so Klönne, erst sollten die Pflanzen richtig anwachsen. Es solle ja nicht wie eine Wiese aussehen. Ein Ausbau werde sich auch in den Gebühren niederschlagen müssen; das bestimme das kommunale Abgabengesetz.Eigentlich nicht eingeplant waren die Kolumbarien, die nun Münsters einzige sind, wie Wilhelm Klönne vom Amt für Grünflächen und Naturschutz bestätigt. Sie wurden zügig aufgestellt und etliche werden schon genutzt. Doch den Hinterbliebenen fehlen Möglichkeiten, eine Kerze oder Blume aufzustellen. Woanders gib es dafür eine Art kleine Fensterbank; hier nicht.

Hinterbliebene unzufrieden

Der gepflasterte Weg vor der einen Reihe Kolumbarien ist recht schmal. Mehrfach betont Klönne, da und dort habe die Stadt schon Pläne. Den Hinterbliebenen ist das hörbar nicht genug.  Am meisten, sagt einer, fehlen ihnen klare Worte. Ein weiteres Wort zum neuen Friedhof wird in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Münster-Südost am 21. Oktober fallen. Dann steht ein Antrag auf einen Zuschuss von 10.000 Euro auf der Tagesordnung.

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