Psychiatrie und Gesellschaft: Geschichtsstudenten besuchten LWL-Klinik in Warstein

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Nicht der Hörsaal in Münster, sondern eine Klinik in Warstein (Kreis Soest) war kurz vor den Weihnachtsferien das Ziel von Geschichtsstudenten der Universität Münster. Im Rahmen der Lehrveranstaltung "Psychiatrie und Gesellschaft im 20. Jahrhundert" von Prof. Dr. Franz-Werner Kersting, Historiker am Institut für westfälische Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und am Historischen Seminar der WWU Münster, besuchten sie die LWL-Klinik, in der auch ein Psychiatriemuseum untergebracht ist.

"Psychiatrie ist oft normaler … "

"Psychiatrie ist oft normaler, und die Normalität oft psychiatrischer als viele glauben", mit diesen Worten begrüßte Dr. Josef Lessmann, leitender Arzt der LWL-Kliniken in Warstein und Lippstadt, die Besucher. Außerdem lernten die Exkursionsteilnehmer Andreas Müller-Andriessen, bis 1995 Verwaltungsleiter, und sein Team kennen. Sie haben zusammen mit anderen in ehrenamtlicher, jahrelanger Arbeit das Psychiatriemuseum aufgebaut und konzipiert.

 

Anfänge der Ausstellung

Wilfried Schalles berichtet über die Anfänge: "Eigentlich haben wir schon in den 70er Jahren angefangen zu sammeln, wir sind über die Dachböden und durch die Keller gegangen und haben so viel gefunden, dass wir nur einen kleinen Teil zeigen können."
Müller-Andriessen ergänzt: "Zunächst war es schwierig geeignete Räume zu finden, aber die Betriebsleitung zeigte sich nobel." Sie stellte für die Ausstellung eine etwa 500 Quadratmeter große Fläche im ehemaligen Küchengebäude zur Verfügung.

Deportationen und Tötungen im Rahmen des NS-"Euthanasie"-Programms

Die umfangreiche Ausstellung klammert dabei die Zeit zwischen 1933 und
1945 nicht aus: Den Deportationen und Tötungen im Rahmen des NS-"Euthanasie"-Programms ist auf dem Gelände eine eigene Gedenkkapelle gewidmet. Stefan Huhn, einer der Studierenden, resümiert am Ende des Tages: "Ein ausführlicher und ungewöhnlicher Einblick für den Rahmen eines Exkursions-Tages."

"Psychiatrie und Gesellschaft im 20. Jahrhundert"

"Psychiatrie und Gesellschaft im 20. Jahrhundert", dies ist der Titel einer Veranstaltung des Historischen Seminars der Universität Münster im aktuellen Semester. "Die Verhältnisse in den Psychiatrien als Spiegel des Wertegefüges einer Gesellschaft"
darzustellen ist das Ziel von Prof. Dr. Franz-Werner Kersting. Seit Oktober nehmen jede Woche etwa 90 Studierende im Fürstenberghaus an seinem Angebot teil. Das Thema, das sowohl geschichtlich wie ethisch Interessierte anspricht, lässt jede Woche aufs Neue anregende Diskussionen entstehen.
Link: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (http://www.lwl.org/LWL/portal)