Präses der Evangelischen Landeskirche besucht eine Außengruppe des Blaukreuzwäldchens

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Fragte nach und brachte Erfahrungen aus anderen Weihnachtsbesuchen mit: Der Präses der Evangelischen Landeskirche besuchte eine Außengruppe des „Blaukreuzwäldchens“ in Angelmodde.Münster-Angelmodde. Nicht lärmend geht es zu, eher unruhig im Gruppenbereich des Kinder- und Jugendheims Blaukreuzwäldchen. Das ist die Unruhe beim „Warten auf's Christkind“, meint schmunzelnd Andreas Herbst, der an diesem Vormittag von Heiligabend die Aufsicht führt.

Einige Kilometer weiter, auf der anderen Werse-Seite in einer Außengruppe des Heims in Alt-Angelmodde herrscht geschäftige Unruhe. Der Präses der Evangelischen Landeskirche Westfalen, Alfred Buß, spricht da mit Mitarbeitern des Heims, mit Lutz Selig, dem Leiter der Kinder- und Jugendhäuser der Diakonie in Münster, der Sozialpädagogin Babette Consten, der Erzieherin Maria Steiner und ihren Kollegen Carsten Wasmer und Klaus Schulze-Rötering sowie Praktikantin Caroline Kemper und der Presse. Die einzigen Fehlenden sind die Haushälterin Ingrid Hötte, in Abwesenheit gelobt, und die Jugendlichen selbst.

Der Präses fragt nach, auch wenn der Tisch schon längst festlich gedeckt ist, aus der Küche verlockender Duft herüberzieht. Und schließlich habe man ja das Wohnzimmer der Jugendlichen besetzt – wie die das denn fänden? Deren Interesse gelte im Moment vor allem dem Essen, beruhigt ein Mitarbeiter.

Seit 1979 gibt es die Außengruppe, so Selig. Drei Jungen und vier Mädchen wohnen dort in einem ganz normalen Reihenhaus in der Straße „Haus Angelmodde“.

Vormittags wirkt dort die Haushälterin mit, aber die Diakonie-Mitarbeiter legen Wert auf zunehmende Eigenständigkeit. Am Wochenende kochen die Bewohner selbst; einer der Jungen könne toll backen, meint Wasmer. Die Wäsche erledigen sie auch selbst. Über das Aufstehen und den Gang zur Schule wachen die Mitarbeiter. Das sei kein Problem, auch wenn es manche Kinder von zu Hause nicht kennten, dass jemand sie wecke und Erwachsene zur Arbeit gehen.

Spaß an der Arbeit solle man mitbringen, sagt Steiner, und die Ruhe bewahren.

Gewaltausbrüche gibt es, wenn auch selten, meinen Consten und Steiner. Gegen Sachen, untereinander oder gegen Erzieher. Man kenne aber meist den Hintergrund und könne darauf eingehen, beantwortet Consten eine Nachfrage des Präses. Der hat zuvor Münsters Taxifahrer besucht und von Einsamkeit und auch von zunehmender Gewalt erfahren. Die Gesellschaft drifte auseinander, meint Selig.

Im Blaukreuzwäldchen vermittele man: „Ich hab dich trotzdem gern“. Die Stelle der Eltern wolle man nicht ersetzten, so Selig: „Eltern sind nicht ersetzbar“. Echte, authentische Anteilnahme würden die jungen Leute treffsicher erkennen, hat Wasmer erfahren und bewundert das.

In der Nachbarschaft gebe es keine Probleme; das sei sei auch mal anders gewesen. Die Nachbarn hätten viel Verständnis, aber die Jugendlichen nähmen auch Rücksicht. Sie nutzen die lokalen Sportangebote, die Busverbindungen seien gut. Viel sei ja nicht los. Aber der „Schlecker“-Laden sei wichtig, auch als Treffpunkt, ebenso der kleine Wochenmarkt: „Es kennt sich jeder hier“.

Die Gruppe feiert Heiligabend bis in den Abend hinein gemeinsam. Das geht vor, betont Steiner, schließlich lebe man hier zusammen – auch vor dem Privatleben der Mitarbeiter oder dem Familienbesuch der Kinder. Dazu sei nachher Zeit.

 

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