Politisierung von Flüchtlingsarbeit „bitter notwendig“

Politisierung von Flüchtlingsarbeit „bitter notwendig“ 2
Widmeten sich nicht so offensichtlichen Zusammenhängen von Flucht: Judith Kopp mit Moderator Philipp Geitzhaus und Andreas Hellgermann, beide Interventionistische Linke Münster.

Münster. Der Andrang für ihr Thema war so groß, dass viele Interessierte nicht in den Lesesaal der Stadtbücherei Münster passten: „Fluchtursache Kapitalismus – ‚Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört’“.

Stark besuchte Diskussion zur „Fluchtursache Kapitalismus“ mit Pro Asyl

Vor drei Jahren habe man mit einem ähnlichen Thema „zu fünft“ gesprochen, sagte der Moderator, Philipp Geitzhaus von der Interventionistischen Linken Münster. Hauptrednerin war Judith Kopp vom Europareferat von Pro Asyl aus Frankfurt. Eingeladen hatte das Bündes gegen Abschiebungen Münster im Verbund mit   linksradikalen Gruppen: Interventionistische Linke Münster, Bündnis gegen Abschiebung, Institut für Theologie und Politik, Grenzfrei, Antirassistische Initiative Münster, SDS Münster.

Plastisch machte Kopp in der Stadtbücherei Münster die Versuche der EU, Flüchtlinge abzublocken: mit Zäunen bis in den globalisierten Süden hinein, mit „Hotspots und Relocation“. Dem „Zwangs-Umverteilungssystem“ von Dublin zum Trotz hätten sich flüchtende Menschen „ihr Recht genommen“. Wobei 86 Prozent der Flüchtlinge in den Entwicklungsländern seien.

„Fluchtursache Kapitalismus“?

Wo sei denn, fragte eine Frau,  bei Syrien, Irak und Afghanistan der Zusammenhang zum Thema, zu Kapitalismus als Ursache? „Direkt lässt es sich hier nicht übertragen“, sagte Kopp. Es blieb einer Vertreterin von “Münster gegen TTIP“ überlassen, auf den Film „Landraub“ hinzuweisen, der im „Cinema“ läuft; später fand sich die EU-Fischereipolitik erwähnt, die besonders in Westafrika Existenzen vernichte.

Zum Thema.:  „De-Mail“ beschleunigt Verwaltungswege in Münster

Das öffentliche Reden über Flüchtlinge und „Schlepper“ mache ein Sicherheitsproblem aus ihnen, sagte Kopp, es lenke ab von der Politik der Abgrenzung und davon, dass die wirklichen Ursachen nicht kurzfristig zu beseitigen seien. Es sei insofern Rhetorik. Pro Asyl werde eine Verfassungsklage anstrengen gegen die jüngsten Asylrechts-Beschlüsse der Großen Koalition.
„Man müsste mal die Systemfrage stellen“, sagte aus dem Publikum Klaus Blödow.

„Nützliche“ Flüchtlinge: Wirtschaftsorientierte Diskurse im Fadenkreuz

Das Reden über das Nützliche an Flüchtlingen nahm Andreas Hellgermann aufs Korn,  in Zitaten von Wirtschafts- und Regierungsvertretern. In seiner Rede „Unser Herz ist weit“ habe der Bundespräsident „gerechnet und kalkuliert“, „dieses Rechnen ist zutiefst inhuman“. Sehr störte Hellgermann eine Politiker-Äußerung, junge Flüchtlinge könnten „in 20 Jahren begeisterte Deutsche“ sein, und Flüchtlinge   „gut für die Wirtschaft sein“. Das sei patriotisches und nationales Denken im Verbund mit Verwertung. Die Wirtschaft freue sich auf verwertbare „High Potentials“, zumal auf unternehmerische Syrer.

Politisierung der Flüchtlingshilfe – für „Gerechtigkeit“

Der Willkommenskultur zollte er wie auch Kopp Respekt. Sie müsse aber „politisiert“ werden, so Hellgermann, ansonsten sei sie „eine Katastrophe“: Die Hilfe ziele dann nicht auf Gerechtigkeit.

Links:

http://www.cinema-muenster.de/menu/programm/aktuelle-filme/landraub.html

http://www.proasyl.de/

http://www.muenster-gegen-ttip.de/

(Visited 351 times, 1 visits today)
Please follow and like us:

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*