Ostereier muss man lesen können: Wolbeckerin kam durch Afrika-Hilfe zur Ostereier-Verzierung

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Überschüssige Farbe? Das kann beim Ostereier-Verzieren schon mal passierenMünster-Wolbeck. Schwarzer Qualm aus Bienenwachs steigt über dem Esslöffel auf, im rechten Winkel abgeknickt steckt sein Griff in einer Blechdose, deren Sandfüllung die Hitze aufnimmt. Das ist eines von vielen Hilfsmitteln, die Susanne Noltenius in ihrem Keller im Süden Wolbecks zum Verzieren von Ostereiern benutzt. Seit Januar schon steigt der Qualm, denn die Zeit bis Ostern ist kurz und viele Verwandte, Freunde, Helfer sollen ein Exemplar bekommen. 50 Eier im Jahr verziere sie, meint Noltenius.

Schwierige Handwerkskunst

Symmetrisch und mit regelmäßigen Formen präsentieren sich die meisten Eier. Eine große Leistung, denn Eier sind rund – und jedes etwas anders. Schablonen greifen nicht. Die Eiermaler haben Tricks: Ein Streifen kariertes Papier, ein Maßband, Gummiringe. Das gute Auge bleibt wichtig. Da komme ihr die Erfahrung als Innenarchitektin zugute, scherzt Noltenius. Ist die Viertelteilung geschafft, markiert der Bleistift die Segmente. Dessen Spuren sieht man nachher nicht.So ein ausgeblasenes Hühner-Ei ist empfindlich. Ein wenig Fett, ein wenig Wachs, irgendwo etwas weggekratzt – schon hält die Farbe nicht, wie sie sollte. Auch Stempel nach der Kennzeichnungspflicht stören – und die sind auf allen Eiern im Handel. Enteneier sind zu fettig, dagegen kann man Straußeneier noch bearbeiten. Auch die vom Wellensittich taugen im Prinzip.

Nach dem Färben muss das Wachs runter. Noltenius greift zu einer Kerze und einem Stück Papier. Aber nicht über die Kerze ist das Ei zu halten, sondern daneben. Andere greifen da zum Backofen. Man kann viel falsch machen und braucht Erfahrung, betont Noltenius.

Mit Oster-Eiern für Afrika gesammelt

Den Anstoß, sich intensiver mit Ostereier-Verzierung zu befassen, gab ihr und ihrer Freundin, mit der sie bis heute oft zusammen malt, eine Initiative des Ehepaars Metzger, das die Friedenskirchen-Gemeinde betreute. „Um Geld zu sammeln für Afrika“ organisierte eine Gruppe eine Ausstellung, zu der auch Ostereier gehörten. Die erste fand 1986 im Gemeindezentrum statt, die zweite im Kunsthaus Angelmodde. Bis 1998 setzte sich die Serie fort. Nach einer Ausstellung flossen 16 000 Mark nach Afrika. In Bussen kamen Besucher; teils mussten sie draußen Schlange stehen: Die Statik des Kunsthauses setzte dem Besucherstrom im ersten Stock Grenzen.
Seitdem schreibt und zeichnet Noltenius auf Eier. Die Methode des Ätzens sah sie bei ihrer Mutter, aber „das gelingt mir nicht“. Noltenius’ Freundin, die auch Porzellan bemalt, widmet sich besonders der Aquarell-Malerei auf Eiern. Die bietet feine Farbabstufungen und vielfältigere Formen. Blumen haben es ihr angetan.

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Ostereier: Symbolik will entschlüsselt sein

Viele Ostereier muss man lesen können. Texte sind einfach: „Christ ist auferstanden, ja er ist wahrhaftig auferstanden“. Aber meist sind Symbole zu kennen. Das Passions-Ei etwa zeigt einen Hahn (jenen der dreimal krähte), Marterwerkzeuge,  ein Hemd, einen Krug (der mit Essig), eine Leiter (zum Kreuz auf Golgatha), Kreuznägel und einen Dornenkranz. Es gibt Schwierigeres wie das Ei mit einem Lebensrad, auf dem die Tränen Marias erkennbar sein sollen: Auch dahinter steckt eine ganze Geschichte.

Das Interesse der Ostereier-Freundinnen reicht bis Indien und Malaysia. Volkskunde lässt sich so nebenbei betreiben: Bei einigen russischen Eiern, mehrfarbig und reich an Symbolik, mit Kreuz, Ähren, Rechen und mehr verziert, war es üblich, sie am Ostertag im Acker zu vergraben: Sie sollten eine gute Ernte begünstigen. Wer je ein Ei bemalt hat, weiß die Leistung zu würdigen: Jede Farbe bedeutet einen eigenen Arbeitsgang. Und zwischendurch kann einiges kaputt gehen. Darum der Spruch: „Ein Osterei geht schnell entzwei, die Osterfreude ewig sei.“