Orgel und Karneval in St. Nikolaus Wolbeck

Münster-Wolbeck. Wenn Prinzen und Prinzessinnen, Hippenmajore und Gardisten im Karneval schon die erste Geige spielen, dann muss die Königin der Instrumente sich nicht zurückhalten. So hatte der Organist von St. Nikolaus, Thorsten Schwarte, am Sonntagabend zu „närrischer Orgelmusik im Vorfeld von Zibomo und Karneval“ eingeladen. Pfarrer Franz Westerkamp plädierte dafür, sich eine solche Stunde zu gönnen und trug das Gedicht vom lärmgeplagten Holzwurm in der Orgel vor.

Schwartes Programm vereinte Verschiedenstes: Da intonierte er Nigel Ogdens Spielplatz der Pinguine, den er stark bevölkert spielte, einen Rag von Ralf Bölting und das Irrlicht in Gordon B. Nevins „Will O'The Wisp“ mit Zimbelstern. Neben dem „Festive March“ von Henry Smart, vielleicht eine Einladung zum Nachdenken über den Ziegenbocksmontags-Umzug, setzte er Eigenkompositionen wie das „Ave Maria zart“, das durch lange Spannungsbögen und virtuose Schnelligkeit bestach.

Rückwärts georgelt

Am schärfsten „rückwärts geritten“ war das Opus von „W.A. Plagiavsky Mozart“ namens „Vier Stücke für die Trompetenuhr“. Verbirgt sich dahinter ein verwandschaftsliebender Komponist mit Schwächen im Italienischen, wie es die Titel „Andante ma non troppo“ und „Anonkel ma non poco“ nahelegen? Oder ein Musiker mit Liebe zum inhärenten Widerspruch wie im „Largo ma non largo“, der einen Vogel wie das „Lercherl“ gern „un poco tolpaggiamente“ schweren Flügels flattern lässt? Mit weiteren deutlich plagiatverdächtigen Anleihen bei Mozart das „Rondo alla Turkey“ „molto penetrante“ gestaltet und in finaler Feierlichkeit enden lässt? Sicherlich etwas davon, aber der Autor ist der österreichische Komponist und Organist Peter Planyavsky. Die Zeichnung auf der Titelseite des Werkes liefert auch die Vorlage für die Gestaltung des Programmheftes.

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Die Zugabe nach stehendem, intensivem Applaus der zahlreichen Besucher war dann eine fulminante Interpretation des Kirchenliedes „Komm, Herr, segne uns“.

 

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