Organist aus Flensburg zu Gast an der Orgel von St. Nikolaus

Der Organist Professor Bernd Scherers vor der Wandelkrippe in St. Nikolaus. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf aus Münster.

Münster-Wolbeck. Einen weltweit gereisten Organisten hatte die Gemeinde St. Nikolaus Münster für das weihnachtliche Orgelkonzert am Sonntagabend gewinnen können: Bernd Scherers, Universitätsprofessor für Musik an der Universität Flensburg dort Direktor des Instituts für Ästhetisch-Kulturelle Bildung, Abteilung Musik.
Ein vorausweisender Barock-Block eröffnete das Konzert in Wolbeck. „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ – vor dunklem Weltenall-Hintergrund, mit langsamem Beginn, dann munter lässt Dietrich Buxtehude den Tag beginnen und Scherers das Konzert. „Nun komm, der Heiden Heiland“ des Barock-Meisters Bach ist ein Glanzlicht – doch damit es nicht zu Bach-lastig und choralverbunden wird, fügt Scherers als Kontrast den zumindest jenseits Deutschlands Norden selten gespielten Christoph Wolfgang Druckenmüller ein. Sein Concerto F-Dur, eines von vier überlieferten, bietet im Adagio Überraschendes, sphärische, modern wirkende Klänge im Rezitativ.
Die Brücke zur Moderne schlagen dann Anton Heillers Variationen zu „Nun komm, der Heiden Heiland“. Das dem Konzert den Namen gebende Werk arbeitet viel mit Wiederholungen, setzt kontraste, lässt die originale Melodie dennoch klar hindurchklingen. Später spielt Heiller mit Lentissimo und zügig gespielten Momenten, die Verfremdung nimmt zu, um im letzten Teil der Variationen dann mit Dissonanzen und Hall zu spielen.

Nach so viel Aktion setzt Scherers zwei kontemplative Stücke von Flor Peeters, Choralbearbeitungen von „Nun sei willkommen, Jesus, lieber Herr“ und „Maria sollte nach Bethlehem gehen“, verhalten und still. Da konnten im Orgelkonzert die Blicke der gut 40 Zuhörer schon zur Wandelkrippe schweifen. „La Crèche“, also: „die Krippe“ hieß das erste Stück von Alexandre Guilmant. Nicht zuletzt mit Elementen der Verzögerung setzte es neue Akzente. In der französischen Romantik blieben die weiteren Werke, ein Weihnachts-Stück aus dem Languedoc von Guilmant, ein Pastorale von Charles-Marie Widor, schließlich Variationen über das Weihnachtslied „Schlaf, meine Taube“ aus dem Elsass, komponiert vom Spätromantiker Pierre Camonin, die zweite „Ausgrabung“ des Musikwissenschaftlers Bernd Scherers.

Dem Gast zeigte sich die Orgel in St. Nikolaus nicht ganz ohne Tücken, zufrieden war er dennoch: Die Orgel sei „für den kleinen Ort grandios. Man kann eine Menge machen mit dieser Orgel.“ Die Einführung hielt Privatdozent Dr. Eberhard Hüppe.

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