Noch gibt es Zeitzeugen: Paten für weitere jüdische Familien aus Wolbeck gesucht

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Münster-Wolbeck. Vieles ist noch unklar in der Geschichte der Familie Heilbronn in Wolbeck. Während die Nachforschungen weiterlaufen, setzten Wolbecker Bürger am Mittwochabend vier Familienmitgliedern „Stolpersteine“. Die vier Erinnerungssteine aus Messing wurden am Mittwochabend im Pflaster vor dem Haus Münsterstraße 11 gesetzt.

"Die aus Beton gegossenen Steine tragen an der Oberfläche eine 10 mal 10 cm grosse Messingplatte, in die der Künstler mit Hammer und Schlagbuchstaben HIER WOHNTE / HIER LEBTE und darunter den Namen, den Jahrgang und das Schicksal jedes einzelnen Menschen einstanzt. Die Schrift bleibt unauslöschlich in das Metall geprägt", schreibt der Verein "Spuren finden" dazu auf seiner Website.

Während der Künstler und Ideengeber der Aktion, Gunter Demnig, noch den Platz für die Stolpersteine im Pflaster vor dem Zebrastreifen bearbeitete, erschien eine weitere Zeitzeugin, geboren 1923. Siegfried Heilbronn, so erzählte die Nachbarin, habe bei ihnen geholfen, wenn eine Kuh kalbte. Und sie hatte ebenfalls gesehen, wie die Heilbronns abgeholt wurden.„Die Zeit bewirkt noch etwas für die Gegenwart: Das gehört mit zur Ortsgeschichte“, sagte Peter Schilling vom Verein „Spuren finden“.

Die evangelische Gemeinde und ihr Presbyterium übernahmen Patenschaften für die Stolpersteine der Eltern, Selma und Siegfried Heilbronn. Susanne Walter-Fritzen vom Presbyterium dankte den Aktiven des ökumenischen Arbeitskreises „Stolpersteine“.

Heinrich Schwegmann kannte den 15 Jahre älteren Artur Heilbronn persönlich und übernahm als Pate seinen Stolperstein. Er freute sich über die rege Teilnahme an der Verlegung der Steine. Der Pfarrgemeinderat von St. Nikolaus trägt die Patenschaft für Marianne Heilbronn. Ulrike Pölling vom Pfarrgemeinderat sagte: „Mit diesen Steinen stehen wir zu unserer Schuld. Außerdem geben wir ihnen ein Stück ihrer Würde zurück.“

Schilling und Beckmann-Kircher interessieren sich besonders für Erinnerungen, die die Heilbronns betreffen. So fragte Beckmann-Kircher: „Durfte Siegfried noch mitkegeln, als die braune Zeit angebrochen war?“ Er war Mitglied im Kegelclub „Unne uss“.

Zeitzeugen oder Wolbecker, die Erinnerungen, Schriftstücke oder Fotos besitzen, können sich an Dr. Gudrun Beckmann-Kircher, Telefon 02506 85588, oder an Hans und Rosel Maass, Telefon 025060 1302, wenden.

Die ersten Wolbecker Stolpersteine wurden im Januar 2006 ebenfalls an der Münsterstraße verlegt. Sie erinnern an die Familie Pins. Es fehlen noch Stolpersteine für die Familien Marx und Philipps, sagte Schilling.

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Vor dem früheren Wohnhaus der Familie Heilbronn, später Bäckerei Linnemann, verlegt Gunter Demnig vier Stolpersteine für Selma, Siegfried, Marianne und Artur Heilbronn. Foto: -anh-.

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Sie sollen erinnern und den Wolbecker Bürgern ein Stück ihrer Würde zurückgeben: Die Stolpersteine für Selma, Siegfried, Marianne und Artur Heilbronn.

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