Niederdeutsche Bühne liest und spielt plattdeutsche Erzählungen im Kulturbahnhof Hiltrup

Münster-Hiltrup. Wenn Schauspieler der Niederdeutschen Bühne eine Lesung zum Thema „Up Reisen gaohn" bieten, dann wird schnell mehr draus als eine reine Lesung.
Ein „Programm“ gibt es nicht an diesem Freitagabend im Kulturbahnhof Hiltrup – aber einen „Fahrplan“ mit reichlich Stationen und Begegnungen: Mit Jungs, die beim Aufbruch zu einer Reise Unangenehmes erleben und die Lust am Reisen gründlich verlieren, sturen, cleveren, lustigen Westfalen, redseligen und arg wortkargen. „Schweigen und nachdenken hat noch keinem wehgetan“, so hört man da als Lebensweisheit, natürlich op Platt.

Mit Plattdeutsch durch Westfalen gedampft

Es lasen bzw. „et föhrden met“ durch Westfalen: Hannes Demming, Elisabeth Georges, Christina Reuter – ein Neuzugang bei der Niederdeutschen Bühne, Franz Strukamp und Uli Tarner.  Die fünf Leser  hatten Stücke verschiedenster Autoren mitgebracht, mit volksnahem oder gediegenem Platt: Brüder Grimm, Hannes Demming, Virginie Hölling mit Erlebtem aus Hiltrup, Anton Aulke über das Zusammenstoßen von moderner Bahn und lokalem Glauben – „mit der Bahn kommt nur der Unglaube“, fürchtet der Pfarrer. Nach einem „Zwischenhalt“ mit Verköstigung durch die Ehrenamtlichen des Weltladens „Solidario“, Sibylle Holzapfel, Bernd Kroos und Christine Finke konnte Illa Andreae den „Pängelanton“ tuckern lassen, von Ottilie Baranowski gab es dazu „De aolle Lok“ und ihr Vorleser Uli Tarner empfahl, doch auf dem Flohmarkt nach „fienen Bökers“ zu suchen. Heinrich Füser kam zu Wort und Augustin Wibbelt. Und zwar so lebendig und mit Verve gelesen, wie es besonders Schauspieler können. Obendrein hatten sie in die Requisiten-Kammer gegriffen: des Pastors Berett kam bei „Mamsel up Reisen“ ebenso zum Einsatz wie ein Spitzenhäubchen.  „Endstation“ war nach dem Lied „Wann m' weggeiht“, verfasst und an der Mundharmonika begleitet von Hannes Demming. Der Applaus von über siebzig Gästen sprach für eine gelungene plattdeutsche Lesereise.

Das Ambiente des ehemaligen Bahnhofs tat das seine dazu, diese Ansicht vertraten Marlies Kumpmann und auch Gisela und Bernhard Lechtermann. Akustik und Sicht seien gut gewesen. Im Heimatmuseum habe man bei Lesungen noch näher an den Vorlesern gesessen. Einige von ihnen kannten den Bahnhof noch aus dessen aktiven Zeiten – Lechtermann sogar das Stellwerk. Woher sie fast alles vom Platt verstünden? „Von den Eltern, nicht aus der Schule“.

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