Nicht nur Geschlechterrollen aufgelöst – Videospiel-Figuren stehen für Menschen in Gesellschaft

Nicht nur Geschlechterrollen aufgelöst – Videospiel-Figuren stehen für Menschen in Gesellschaft
Der Captain überreicht der Lady das Schwert: Sie soll kömpfen gegen den "Feind".

Theater Glux zeigt Eigenproduktion „Rosa Blau & Purpurschnecke“ in der „Meerwiese“

Münster. Dieses „Spiel“, dieses Videogame engt alle „Spieler“, sie mögen die Regeln nicht, sie folgen ihnen doch – müssen sie aber nicht. Und: das Spiel ähnelt der Gesellschaft.

Als Kindertheaterstück führte das „Theater Glux“ von Sonntag bis Dienstag seine Eigenproduktion „Rosa Blau & Purpurschnecke“ „zum Thema Mädchen sein, Junge sein, Vieles sein“ in der „Meerwiese“ auf.

„Ich bin lieb“ piepst Lady Sunshine, „ich pflege dich“ – die Ausrüstungskammer verwehrt ihr den Griff zum Schwert, das Kämpfen gegen den vorgegebenen Feind, die Purpurschnecke – der Versuch des Kämpfens liefert sie Gelächter aus, das Spiel lacht, ihr Mitspieler Captain Jack lacht – das Publikum auch. Das Spiel erzwingt Rollen. Doch in diesem Spiel können die Zwei Pausen einlegen, miteinander sprechen und mit dem Publikum, auch über Geschlechterrollen. Die Kinder sind um Meinungen nicht verlegen und regen emsig an.

Auch “Captain Jack“ ist gebunden, steckt in der Endlosschleife „Ich bin stark“ und abgehackten, monotonen Muskelprotz-Posen, und stellt schließlich fest „ich darf nicht zuhören, ich darf nicht danke sagen“ – und beide verweigern sich. Dann machen sie ihre eigenen Regeln, wählen eigene Kleider – und das Spiel wird bunt, lustig, ihre Sicht der Purpurschnecke dreht sich um. Das beflügelt die Figuren über das Spiel hinaus – „draußen ist viel mehr Platz“.
Die Rückmeldung der Kinder ist positiv: lustig, gar nicht langweilig. „So viele Fragen, Ideen und Vorschläge“, ist Franziska Lutz begeistert. Sie habe aber in der Premiere beobachtet, dass es auch die Älteren ansprach, sie „sich selbst entdeckt haben“. Peter Hägele, Leiter der Meerwiese, hatten die Erwachsenen am Sonntag auch echt Spaß“.
Die Aufführungen förderten das Kulturamt der Stadt Münster und der Fonds-Darstellende Künste.
Zur Premiere hatte das kleine Ensemble ein altersgemischtes Publikum begrüßt, es folgten dritte und vierte Schulklassen von Grundschulen, wie am Dienstag aus der Marienschule in Hiltrup.
Das „Theater glux“ nutzte gern die Technik und die breite Bühne der „Meerwiese“, ist aber auch mobil unterwegs bei interessierten Schulen. Und es ist mit „Rosa Blau & Purpurschnecke“ beim „Winterpunsch“ nochmals in der Meerwiese zu sehen.
Es spielten Franziska Lutz, Joscha Gingold, die Regie hatte Natascha Kalmbach assistiert von Stefanie Günther, für Kostüme und Bühnenbild sorgte Gaby Sogl, für Licht Marc Feld.

() Kostüme waren nicht der einzige Ausdruck von Geschlechterzwängen: Franziska Lutz und Joscha Gingold stecken im Videogame. Foto: anh.
() Viel Rat und Fragen für die Darsteller kamen von den Grundschulekindern. Foto: anh.
() Nach welchen Regeln spielen wir? Grundschulkinder hatten viele Ideen und Fragen für Franziska Lutz und Joscha Gingold. Foto: A. Hasenkamp.