Nicht die Originaltreue zählt: Musiker lassen in St. Bernhard antike Musik aufleben

Zuletzt aktualisiert 25. Februar 2016 (zuerst 7. Februar 2012).

Münster-Angelmodde. Wie das älteste bekannte Lied der Welt klang, wird man wohl nie erfahren. Einen Blick und ein „Ohr“ zurück werfen in die Zeit um 1500 v. Chr. konnte das Dutzend Gäste im Pfarrzentrum von St. Bernhard am Sonntag dennoch. Die Musiker Arne Tigges und Guido Neumann erschlossen ihnen „Die Musik der Hirten und die Musik des Pythagoras“.


Einiges weiß man über die Instrumente – aber schon da bleibt viel Raum für Interpretationen. Erst recht bei Melodie und Klang. Zu unterschiedlich sind die Lesarten, die Musikwissenschaftler nach jahrzehntelanger Forschung vorgelegt haben. Etwa über das Lied des Seikilos aus Kleinasien.
Diese Offenheit macht Neumann anschaulich, aber sie stört ihn nicht: Lieber befasst er sich damit, was man den Lesarten der alten Musik, insbesondere der griechischen Antike entnehmen kann für die Praxis. Schon die alten Musiktheoretiker, Pythagoras etwa, hätten viel nachgedacht, aber „ein bisschen vergessen, auf die Praxis zu schauen“. Zu einem Stück, über das seit 350 Jahren ohne Lösung gerätselt wird, merkte er an: „Ich finde die Melodie einfach nur schön.“ Schon damals habe man die Werke als Vorlage gesehen und die vielen Freiheiten genutzt.
Einiges lässt sich dennoch erschließen, Tigges und Neumann ließen mit Rohrflöten und Tambourin sowie Gesang Musik zum Schlachtenlärm erklingen. Henner Thoss las altgriechisch von zerschmetterten Schädeln, dazu erklang dramatisch das Summen von Wespen mit zwei Rohflöten und dem Tambourin.
„Die antike Musik ist nicht ganz tot und man kann sie wieder zum Leben erwecken“, so Neumann der Biologie studierte, sich aber intensiv mit Musik befasst und sie anschaulich wie auch in den musiktheoretischen Feinheiten darstellen konnte.
Weitere Veranstaltung des „Haus der Familie Münster“ in St. Bernhard befassen sich mit dem   Dialog  in der katholischen Kirche unter den Leitthemen „Wie ist der Stand heute?“ (9.2.) und „Deine linke Hand soll nicht wissen, was Deine Rechte tut“ (1.3.), jeweils 19.30 Uhr.

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