Neustart-Wohnungen für junge Leute, Wohnhilfen für Pflegebedürftige

Münster. Die Stadt verstärkt ihre Anstrengungen für wohnungslose Menschen. Vor allem die große Gruppe der alleinstehenden Wohnungslosen benötigt Chancen auf eigene Wohnungen und – je nach Alter und Lebenslage – auf Arbeit, Ausbildung, Betreuung und Pflege.
In der kalten Jahreszeit lenkt das Sozialamt den Blick aber auch wieder auf Menschen, die trotz frostiger Temperaturen im Freien schlafen. Wer bei Minusgraden Hilfebedürftige draußen übernachten sieht, sollte dem Haus der Wohnungslosenhilfe (Bahnhofstraße 62, Tel. 48 45 20) einen Hinweis geben. Dann werden Sozialarbeiter die Betroffenen zu überzeugen versuchen, doch einen Platz im Warmen aufzusuchen und gegebenenfalls medizinische Hilfe anzunehmen.

"Die Fachleute aus der Wohnungslosenhilfe rechnen bundesweit mit einem Anstieg der Wohnungslosigkeit. Es trifft vor allem Alleinstehende, darunter zunehmend mehr junge Menschen und Langzeitarbeitslose", berichtet Fachstellenleiter Herbert Berkemeier vom Sozialamt. Er hat zusammen mit Bernd Mülbrecht vom Haus der Wohnungslosenhilfe kürzlich an der Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Wohnungslosenhilfe in Leipzig teilgenommen. Die BAG sprach sich für ein "drastisches Umsteuern" aus, um Wohnungslosen und Verarmten wieder Zugang zu Wohnen, Gesundheit, Arbeit und Einkommen zu schaffen.

Das Sozialamt in Münster arbeitet präventiv, damit es möglichst gar nicht zur Wohnungslosigkeit kommt. Oftmals kann mit sozialarbeiterischer Unterstützung und unterschiedlichsten persönlichen und wirtschaftlichen Hilfen ein Wohnungsverlust verhindert werden. Von Wohnungslosigkeit bedrohte Familien bringt die Fachstelle Wohnungssicherung in städtischen Übergangswohnungen unter oder sorgt durch förmliche Einweisung dafür, dass sie in ihren Wohnungen bleiben können. Zurzeit gilt das für 194 Familien mit 562 Personen, darunter 232 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Von Wohnungslosigkeit betroffen sind in Münster aktuell 430 Alleinstehende, darunter etwa 15 Prozent Frauen. Von ihnen sind 350 in Einrichtungen und betreuten Wohnangeboten untergebracht. Weitere 70 sind (ohne eigenen Mietvertrag) bei Bekannten und Freunden untergekommen. Etwa zehn Personen leben zurzeit auf der Straße und entziehen sich jedem Angebot zur Unterbringung; diesem Personenkreis muss in eisigen Winternächten die besondere Aufmerksamkeit gelten.

Für alleinstehende Wohnungslose wurden zwei neue Angebote entwickelt. Nach dem Umbau der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche werden dort im Herbst 2012 acht Wohnungen für alte und unterstützungsbedürftige Wohnungslose angemietet. Diese erhalten hier bedarfsgerechte Pflege und soziale Betreuung – ein weiterer Baustein in Münsters Wohnungslosenhilfe. Träger des Angebots ist der "Förderverein zum Aufbau von Wohnhilfen für Wohnungslose".

Für junge Wohnungslose hat das Sozialamt in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter und der Diakonie zunächst fünf möblierte Kleinwohnungen zur Verfügung gestellt. Herbert Berkemeier: "Junge Menschen, die dort einziehen, sind schon mal weg von der Straße – und haben damit eine bessere Ausgangsposition, um selbst eine Wohnung anzumieten und eine Ausbildung oder Qualifizierung aufzunehmen. Bei diesem Neustart in die Zukunft werden sie von Sozialarbeitern unterstützt." Mit Erfolg. Die ersten Jugendlichen konnten in Ausbildungsverhältnisse vermittelt werden und haben eigenen Wohnraum gefunden. Die freie Wohnung kann jetzt wieder anderen jungen Wohnungslosen zur Verfügung gestellt werden.

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