Neun Denkmäler der Region mit Landesmitteln gefördert – Erbdrostenhof in Münster dabei

Ascheberg/Horstmar/Lengerich/ Warendorf/Drensteinfurt/Münster/Herten/Recklinghausen. Abteilungsleiter Ralf Weidmann hat gestern (29. Juni 2022) neun Förderbescheide in einer Gesamthöhe von 640.000 Euro aus dem Denkmalförderprogramm 2022 übergeben. Von der finanziellen Unterstützung profitierten Denkmäler in Horstmar, Lengerich, Warendorf, Drensteinfurt, Münster, Herten und Recklinghausen.

„Ich freue mich sehr, Ihnen heute Förderbescheide für neun tolle und wichtige Sanierungsprojekte im Regierungsbezirk persönlich übergeben zu dürfen. Denn indem wir unsere Denkmäler erhalten und pflegen, bewahren wir auch gleichzeitig unsere Geschichte und unsere Kultur“, sagte Abteilungsleiter Ralf Weidmann bei der Bescheidübergabe am Domplatz in Münster.

Ascheberg-Herbern – Haus Itlingen

Das Haus Itlingen in Ascheberg-Herbern erhält 15.000 Euro Förderung aus dem Denkmalförderprogramm 2022. Mit dem Geld sollen die Turmdächer und die Dachgaben saniert werden. Die Gesamtausgaben der Sanierung belaufen sich auf rund 48.000 Euro.

Das Denkmal wird derzeit als Wohnhaus genutzt. Das schlichte dreiflügelige Herrenhaus mit zwei Ecktürmen stammt zu weiten Teilen aus dem späten 17. Jahrhundert (Datum am Haus: 1692), allerdings birgt es vermutlich noch ältere Teile in sich. Der für das Münsterland typische umgräftete Herrensitz wirkt besonders durch die maßvolle Proportionierung seiner Bauglieder. Der westfälische Baumeister Johann Conrad Schlaun hat eine Neuordnung der Anlage umgesetzt. 

Horstmar – Fachwerkkotten

In Horstmar erhalten die Eheleute Dr. Corinna und Michael Edelmann für die Sanierung ihres Fachwerkkottens 40.000 Euro. Das Dach, die Windfedern, die Gauben und die Traufe sollen damit instandgesetzt werden. Die zuwendungsfähigen Gesamtkosten liegen bei rund 114.000 Euro.

Das Denkmal ist das letzte noch sichtbare Bauwerk der im 30-jährigem Krieg zerstörten Burg Horstmar. Derzeit dient das Gebäude als Wohnhaus der Eigentümer.

Das giebelseitig erschlossene Fachwerkgebäude mit neun Gebinden wurde um 1600 gebaut, die Dachkonstruktion ist aus dem 17. Jahrhundert. Nach der im Jahre 1635 erfolgten Zerstörung der Burg Horstmar wurde die Funktion des Hauses vom reinen Wirtschaftsgebäude geändert in ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Die Fachkonstruktion dokumentiert den Übergang von spätmittelalterlicher zu neuzeitlicher Zimmermannstechnik und zeigt die Entwicklung des Fachwerkbaus seit dem 17. Jahrhundert.

Lengerich – Rittergut Haus Vortlage

Mit 40.000 Euro aus dem Denkmalförderprogramm 2022 wird das Rittergut Haus Vortlage in Lengerich unterstützt. Im Zuge der Sanierung sollen die Fenster im Erd- und Obergeschoss, die Türanlagen, die Fassade am Haupthaus und die Dachentwässerung erneuert werden. Die Kosten für die Gesamtausgaben belaufen sich auf rund 124.000 Euro. Derzeit dient das Gebäude als Wohn- und Bildungsstätte.

Zum Thema.:  Inzidenz in NRW liegt bei 223,5

Das Rittergut Haus Vortlage besteht aus einem Hauptgebäude, einem direkt angeschlossenen Wirtschaftsgebäude älteren Ursprungs sowie einem Speicher. Es ist bedeutend für die Sozialgeschichte ab dem Spätmittelalter und ein Zeugnis fürs Wohnen und Wirtschaften des Adels und des emporstrebenden Bürgertums. 

Das im Kern alte Herrenhaus in seinem heutigen Erscheinungsbild ist vom Neubarockstil im Villentypus um 1900 bis 1910 mit weitgehend bewahrter historischer Innenaufteilung geprägt. Als Lehngut der Münsteraner Bischöfe wurde das Förderobjekt von der Adelsfamilie von Münster bewohnt. Zu späteren Eigentümern, die das um 1730 an den heutigen Standort verlegte Haus Vortlage bewohnten, gehören die Familien von Westerholt, von Grote und von Blomberg. 

Warendorf – Wohn- und Geschäftshaus in der Emsstraße

Die umfassende Sanierung des Fachwerkhauses in der Emsstraße der Warendorfer Altstadt wird mit 100.000 Euro gefördert. Das Denkmal wird seit Jahrzehnten als Wohn- und Geschäftshaus genutzt. Die Eheleute Althelmig wollen das Denkmal nun teilweise wieder selber für Wohnzwecken nutzen und das kleine Ladenlokal wiederbeleben.  Die Gesamtkosten für die Sanierung liegen bei rund 310.000 Euro.

Das Gebäude wurde um 1815 in Fachwerkbauweise errichtet. Das Gebäude liegt auf der Emsstraße und somit an der Hauptverbindung in Nord-Süd-Richtung in der Warendorfer Altstadt. Eine Vielzahl historischer Ausstattungsstücke im Inneren ist noch erhalten, allen voran das bis heute nahezu unveränderte, bauzeitliche Soldatenzimmer. 

Warendorf – Wohn- und Geschäftshaus in der Königstraße

Das Wohn- und Geschäftshaus in der Königstraße in Warendorf soll grundlegend saniert werden, um es erneut als Wohn- und Geschäftshaus genutzt werden. Dafür erhält der Besitzer Frank Vorwerk rund 100.000 Euro Förderung. Die zuwensungsfähigen Gesamtkosten für die umfassende Sanierung belaufen sich bei rund 550.000 Euro.

Bei dem Denkmal handelt sich um einen zweistöckigen Fachwerk-Giebelbau mit Fachwerkresten des 18. Jahrhunderts und einer massiven, verputzen Fassade von 1900. Der Schweifgiebel mit Muschelabschluss ergibt eine besondere Wirkung für das Straßenbild und eine städtebauliche Bedeutung.

Drensteinfurt – Vierständerhaus

Das Vierständerhaus in Drensteinfurt, das derzeit als Wohnhaus mit angrenzendem Wirtschaftsgebäude dient, soll mithilfe der Fördermittel aus dem Denkmalförderprogramm 2022 saniert werden. Dabei soll das Fachwerk sowie das Dach samt Dachkonstruktion aufgearbeitet werden. Den Fördermittelbescheid über 40.000 Euro nahmen Christa, Robert und Martin Große Wöstmann entgegen. Die gesamten zuwendungsfähigen Ausgaben belaufen sich auf circa 306.000 Euro.

Zum Thema.:  Inzidenz in NRW liegt bei 224

Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus stammt laut Inschrift im Sturzbalken aus dem Jahre 1677 und gehört zu den ältesten Vierständerfachwerkhäusern im Kreis Warendorf. Der Hof gehörte Mitte des 17. Jahrhunderts dem Obrigsten Johann Terstege und fiel nach einigen weiteren Hofpächtern 1821 in den Besitz von Heinrich Niesmann, dem Vorverfahren des heutigen Eigentümers. Von 1987 bis 1995 wurde das Fachwerkhaus vom jetzigen Erben Robert Große Wöstmann nach historischem Vorbild renoviert.

Münster – Erbdrostenhof

In Münster erhält der Erbdrostenhof in der Salzstraße eine Förderung in Höhe von 125.000 Euro. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL-BLB) möchte die Fassade und die Fenster sanieren. Weiterhin sollen die Ausstattung und sonstige Bauteile restauriert werden. Die zuwendungsfähigen Gesamtausgaben liegen bei 461.000 Euro.

Von den schlossartigen Adelshöfen, die in Münster vor allem im 18. Jahrhundert als Stadtresidenz für die auf dem Umfeld wohnenden Adelsfamilien errichtet wurden, ist der Erbdrostenhof der Prominenteste. Es handelt sich um ein barockes Gebäude, das 1753 bis 1757 von Johann Conrad Schlaun für den Erbdrosten Adolph Heidenreich von Droste-Vischering errichtet wurde. Derzeit dient das Denkmal als Verwaltungs- und Veranstaltungsgebäude des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL-BLB) sowie der Stadt Münster.

Herten – Alten Hof Herten

Den Förderbescheid für den Alten Hof Herten nahmen Zuwendungsempfänger Karin und Helmut Abel entgegen. Für die Sanierung der Fassade des Fachwerkhauses bekommt er 30.000 Euro aus dem Denkmalförderprogramm 2022. Die gesamten zuwendungsfähigen Ausgaben betragen rund 62.000 Euro.

Das Fachwerk-Bauernhaus wird derzeit zu Wohnzwecken und als freiberufliches Ingenieurbüro genutzt. Das Gebäude aus dem Baujahr 1783 ist eines der letzten noch bestehenden Fachwerkhäuser in Herten-Mitte. Die ursprüngliche Bauweise entspricht dem typischen „westfälischen Fachwerk-Bauernhof“ aus dem späten 18. Jahrhundert.

Recklinghausen – St.-Johannes-Kirche

Mit 150.000 Euro wird ein umfangreiches Projekt an der St.-Johannes-Kirche in Recklinghausen gefördert. Die Fördermittel sollen für die Sanierung der Dachflächen und Sockelbereiche der Kirche genutzt werden. Weiterhin sollen Gratsparren an Turmgiebeln der Außenfassade des historischen Turms sowie der Süd-Ost-Turm saniert werden (Turmfassaden und geschädigte Sockelbereiche inklusive Dachanschluss- und Dachklempnerarbeiten). Die gesamten zuwendungsfähigen Kosten für dieses Projekt belaufen sich auf 1.907.000 Euro. Die 1904 vom Recklinghäuser Architekten Lohmann errichtete Kirche stellt mit ihrem Kirchenschiff ein besonders typisches und eindrucksvolles Beispiel des neogotischen Kirchenbaustils dar.