Neujahrskonzert mit neuen Klängen- 30-12 lockt viele Gäste nach St. Sebastian

Neujahrskonzert mit neuen Klängen- 30-12 lockt viele Gäste nach St. Sebastian
Konzert in St. Sebastian in Amelsbüren mit Dietmar Thönnes (Blockflöte), Annette Weßler-Enselein (Flöte), Thomas Enselein (Violoncello), Elke Cernycev (Cembalo), Arntraud Knappe (Flöte). Foto: A. Hasenkamp.

Münster-Amelsbüren. Aus sechs wurden fünf, aus einem kein Fagott, aus dem Telemann-Doppel eines weniger – und doch ging anscheinend das Ziel von Annette Weßler-Enselein vom Ensemble „30-12“ in Erfüllung. Sie wünschte zum Konzert in St. Sebastian am Vorabend von Silvester „eine frohmachende und besinnliche Stunde.“ Diesmal mit teils anderen, für dieses Traditions-Kammerkonzert ungewohnten Klängen.
„Krankheitshalber“ hatten die Musiker umstellen müssen, die Besetzung und das Programm. Für Lennard Foremny (Fagott) und Uta Foremny (Flöte) sprang Arntraud Knappe mit ihrer Querflöte ein, dazu kamen Dietmar Thönnes (Blockflöte), Annette Weßler-Enselein (Flöte), Thomas Enselein (Violoncello) und Elke Cernycev, unter anderem am Cembalo.

Fast nur barock ging es zu, so ergab sich eine besondere Idee für das Neujahrsschlusskonzert 2021: die Fleiter-Orgel in St. Sebastian trat mitten im Programm mit einem Werk der Romantik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts hinzu, Felix Mendelssohn Bartholdys Sonate c-Moll op. 65 Nr. 2.

„Das ist ein schönes Instrument“, sagt Elke Cernycev über die Fleiter-Orgel in St. Sebastian. Eine Orgel in das Kammerkonzert einzubinden schaffe eine klangliche Abwechslung – noch dazu, weil hier Mendelssohn zu all‘ den Werken des Barock trete. Wobei alle Werke Sonaten seien. Die Idee kam von Annette Weßler-Enselein, und fand offensichtlich Elke Cernycevs Gefallen. Die langsamen Sätze dieser Sonate sind liedhaft und einfallsreich – auch insofern fügten sie sich in das von Tempo und Schwung geprägte Konzert.

Zu diesem Solo mit andrem Instrument und andrer Epoche kommt Variation im kammermusikalischen Teil. Ein Trio: Querflöte, Blockflöte, Cembalo – in Joseph Bodin de Boismortiers Sonate D-Dur op. 37/3 kommt jedes Instrument klanglich noch einmal klarer zur Geltung.

Fein spielen die Instrumentalisten, schön entfaltet sich auch der erste Satz von Johann Joachim Quantz‘ Sonate g-Moll, das dem Entfalten der Melodie ein „Allegro ma non tanto“ gönnt. Vivace, als munteres Zwitschern der Flöten, endet diese Sonate.

Zum Finale spielen die Fünf dann Telemann, die Tafelmusik II, eine späte höfische Tafelmusik von ausuferndem Reichtum an Gedanken. Reich ist der Applaus, das Konzert gut besucht. Zwei Verbeugungen, keine Zugabe, das „Ensemble 30-12“ zieht sich zurück. Man sei froh, hatte Weßler-Enselein zu Beginn gesagt, nach einer „Zwangspause“ wieder spielen zu können. Manche Besucher nutzen die optische „Zugabe“ zum Jahresschlusskonzert 2021, die Krippe.