Neuer Drucker in Münster gegautscht

Neuer Drucker in Münster gegautscht
Der "stinkige Geruch" ist abgespült: Thorsten Schwegmann entsteigt als "richtiger Schwartzkünstler" den Fluten, im Hintergrund filmt die neue Auszubildende Jasmin Schneevogt, "Gutenberg" alias Walter Stelljes freut sich mit seinem Sohn Thomas (r.) und dem Drucker Sebastian Nenn über den neuen Jünger Gutenbergs. Fotograf: Andreas Hasenkamp, Münster.

Münster-Wolbeck. „Ich habe heutigen Tages die ehrenvolle Aufgabe zu erfüllen, diesen kotz-erbärmlichen vermaldeiten Kornuten in unsere Zunft aufzunehmen“, spricht laut der Mann im historischen Gewand.

Es ist Walter Stelljes, der im Hof seiner Druckerei im Gewerbegebiet in Münster-Wolbeck zu Thorsten Schwegmann spricht – der hat seine Gesellenprüfung bestanden, schon 2014: als Medientechnologie mit Schwerpunkt Druck. Das hieß zu Gutenbergs Zeiten anders, aus denen der Text der Gautschrede stammt. Dem Kornuten, sprich Gesellenprüfling, schallt entgegen: „Er ist die Ausgeburt der Hölle und nicht wert, dass man ihn berühren tut, bevor er nicht gegautscht ist.“

Premiere: Gautschen mit Whirl-Pool

Dafür hat Thomas Stelljes, zweiter Lehrmeister Schwegmanns, einen imposanten Parcours aufgebaut. Der Kornut muss Fragen beantworten, und dabei „kann er nur verlieren“, freut sich Thomas Stelljes. Entweder, weiß er die Antwort nicht, oder er weiß sie – dann setzt es was, wegen „Klugscheißerei“. Zuerst nimmt Schwegmann Platz – doch auf dem Stuhl liegen wassergesättigte Kissen. Halb so schlimm, denn von hinten kommt ein Riesen-Eimer Wasser über seinen Kopf, entleert von seinen Kollegen Sebastian Nenn und Björn Below. Etwa zwanzig Gäste des Gautschens freuen sich mit, die ganze Belegschaft, Familie, Freunde. Über eine Treppe aus Paletten darf Schwegmann dann in die Höhe steigen. Doch in der Gautschrede heißt es: „Der durst’gen Seel‘ ein Stürtzbad gebet obendrauf! Das ist den Jüngern Gutenbergs die beste Tauf‘!“ Also hinab – in den Container für Papierabfälle, fast bis zum Rand gefüllt mit kühlstem Wasser, dem Kornuten zu Ehren angereichert mit reichlich Shampoo und Konfetti. Und es blubbert: „Das erste Gautschen mit Whirl-Pool!“ Thomas Stelljes vergisst nicht, den Kornuten ganz unter Wasser zu befördern. Das Gautschen sei korrekt verlaufen, bestätigte einer der Gäste, Dieter Firch, früher Leiter der Buchbinderei im Aschendorff-Verlag.

Bildungswege in den Beruf des „Druckers“

„Erbärmlich“ steht es nicht um Schwegmann – Stelljes hat ihn übernommen. Dem Realschul-Abschluss ließ Schwegmann nach einem Schnuppern an der Medizintechnik die Lehre bei Stelljes und das Adolph-Kolping-Berufskolleg folgen. Das kann mit den Jüngern Gutenbergs inzwischen nur noch eine Klasse füllen, früher waren es zwei. Schwegmann schätzt an der kleinen Druckerei, dass „jeden Tag andere Aufträge kommen“, es werde nicht eintönig. Eine Strichliste zählt 25 Sünden von „Toto“ auf: „Das ist nicht mal die Hälfte!“, ruft Thomas Stelljes vergnügt. Er schätzt seinen Mitarbeiter.

Nun nennt auch Thorsten Schwegmann einen Gautschbrief sein eigen.  Walter Stelljes (r.) hat den seinen auch kurz vor seinem Ruhestand noch sorgsam eingerahmt im Büro. Links im Bild Thomas Stelljes. Fotograf: Andreas Hasenkamp, Münster.
Nun nennt auch Thorsten Schwegmann einen Gautschbrief sein eigen. Walter Stelljes (r.) hat den seinen auch kurz vor seinem Ruhestand noch sorgsam eingerahmt im Büro. Links im Bild Thomas Stelljes. Fotograf: Andreas Hasenkamp, Münster.

Neue Auszubildende ist seit dem 1. August 2015 Jasmin Schneevogt. Die 20-Jährige hatte nach dem Abitur am Schlaun-Gymnasium ein Studium der Erziehungswissenschaft in Vechta aufgenommen, dann nach sechs Monaten Reisen zwei Praktika absolviert, eines bei Stelljes. „Das ist ein pfiffig‘ Mädchen“, sagt der Mann im Gutenberg-Kostüm. In drei Jahren dürfte wieder ein Gautschen anstehen.

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