Musik als reine Lebensfreude

Sendenhorst. Ein beeindruckendes Konzert boten am Mittwochabend zwei Cellisten an einem dafür ungewöhnlichen Ort. Die Französin Léonie Garmond und der Brasilianer Kayami Satomi Farias spielten in der Mitarbeiter-Cafeteria des St. Josef-Stifts in Sendenhorst.

Die Französin Léonie Garmond und der Brasilianer Kayami Satomi FariasDer Ort ist kein Zufall: Das Konzert organisierte neben dem Sendenhorster Freundeskreis für Musik, geleitet von Dr. Ute Heuermann, der Verein „Live Music Now Münsterland e.V.“ (LMN). Yehudi Menuhin gründete LMN 1977: Er wollte Musik auch zu den Menschen bringen, die etwa als Patienten schlecht zu normalen Konzerten kommen können. Der Verein organisiert daher kostenlose Konzerte in Krankenhäusern, Altersheimen und auch Gefängnissen. Seit 2005 gibt es den von Dr. Leopold von Ohnesorge geleiteten LMN Münsterland e.V. Ein Benefizkonzert  im Erbdrostenhof zu Münster erlaubt dem Verein, im ganzen Münsterland Konzerte von ausgewählten jungen Musikern mit angemessenem Honorar anbieten zu lassen, erläuterte von Ohnesorge.

Garmond und besonders Farias liessen in ihrer Musik die Lebensfreude sprühen und führten mit Witz und Charme auf Deutsch durch das Programm. Besonders Farias strahlte Begeisterung und Freude am Musizieren aus und lebte die Musik mit dem ganzen Körper. Beide spielten mit höchster Konzentration und boten präzises Zusammenspiel mit sehr starkem musikalischem Ausdruck. Mehrere Werke ragten aus dem Programm heraus. Bereits in der Sonate für zwei Violoncelli G-Dur von Jean Barrière beindruckten Ausdruck und das bis zum schließenden „Für Elise“ durchgehaltene Zusammenspiel. Viel Gefühlt legte Garmond in „Der Schwan“ aus Saint-Saens „Karneval der Tiere“, einem der wichtigsten Werke der Cello-Literatur. Wenn es ein bestes Stück in dem durchweg hochklassigen Konzert gab, dann vielleicht Paganinis „Variationen auf einer Saite“ nach einem Thema aus Rossinis Oper „Moses in Ägypten“. Garmond und Farias fesselten in dem eigentlich für Geige komponierten Werk mit überirdisch wirkenden Klängen. Aus der einfachen „Musette“ Bachs arrangierte Farias ein rasantes Duett mit farbenfrohen Tupfern. Ragtime-Einlagen wie Scott Joplins „The Entertainer“ verstärkten noch den Eindruck von Lebensfreude.

Dass Garmond und Farias sich in Münster trafen, wo sie an der Musikhochschule studieren, liegt an Professor Matias de Oliveira Pinto. Pinto lebt seit Jahrzehnten in Deutschland und lud Farias ein. Untereinander verständigen sich die beiden auf Spanisch – Garmond studierte zwei Jahre in Barcelona und Farias hatte eine Weile einen Professor aus Chile. Seit dem Herbst 2005 haben sich beide in Münster auch ein ansehnliches Niveau im Deutschen erarbeitet. Für den Rest findet sich im Musikstudium immer ein Weg, so Garmond. Sie studierte zuvor in Caen, machte ein Diplom in Paris, setzte ihr Studium dann in Spanien und nun in Münster fort.

Nach dem weiteren Abschluss haben die beiden unterschiedliche Pläne. Garmond zieht es in ein Orchester während Farias eher an Kammermusik und Solo-Auftritte denkt. Er ist schon heute international als Solist unterwegs.

Die nächsten Konzerte im St. Josef-Stift bieten am 9. Mai ein Gemshorn-Quartett aus Ahlen und am 16. Mai „Soloto“ mit Querflöte und Streichern.

     www.livemusic.de

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