Münstersche Lebenserinnerungen in einer Ausstellung

Münstersche Lebenserinnerungen in einer Ausstellung
Pool Balls mit ersten Graffiti, Juli 1977 Foto: Berthold Socha.

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Zuletzt aktualisiert 10. Juli 2021 (zuerst 9. Juli 2021).

Stadtmuseum: Retrospektive von Berthold Socha

Münster (SMS) Alte Fotos im neuen Gewand: Der Fotograf Berthold Socha hat mit seinen Bildern in und aus Münster ein solch umfangreiches Lebenswerk geschaffen, dass es jetzt nur ausschnittsweise in der großen Retrospektive „Auf Münster fixiert. Fotografien von Berthold Socha 1970-2020“ im Stadtmuseum der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Aufgrund der pandemischen Lage war der Besuch bislang nur wenigen Menschen vorbehalten. Nun hat sich die Situation aber geändert: Ab sofort stehen die Türen des Museums für eine spannende Zeitreise allen Gästen offen. 

Unter den Motiven befindet sich so manch skurriles, aber auch sehr münsterisches Motiv. Sei es das wuselige Markttreiben aus vergangenen Zeiten, das tägliche Leben auf dem Prinzipalmarkt oder münstersche Originale wie Götz Alsmann und Onkel Willi. Besondere Ereignisse dürfen darin ebenso wenig fehlen – sei es der Besuch von Papst Johannes Paul II. in Münster oder die ersten Graffitis auf den „Pool Balls“ am Aasee. Ein Rundgang durch das Werk Sochas ist zugleich ein Rundgang durch die Erinnerungen an das Leben in Münster. 

Von der Belichtung zum Bild

Da die Leica-Kamera Sochas ständiger Begleiter war, konnte er all diese Momente des Stadtlebens, die sonst unwiederbringlich verloren wären, auf Film festhalten. Doch was treibt einen Menschen an, ein solch umfangreiches Werk zu erschaffen? Die fotografische Geschichte Sochas beginnt in einem Zugabteil: Berthold Socha ist in Oberschlesien geboren und befindet sich 1945 als kleiner Junge mit seiner Mutter auf der Flucht. Sowjetische Soldaten durchsuchen die Gepäckstücke, nehmen der begeisterten Hobbyfotografin die Kamera ab. Sie finden Fotos und Negative, die sie kurzerhand bei voller Fahrt aus dem Fenster werfen. Erst später begreift Socha, dass dort nicht nur Papier, sondern Erinnerungen verloren gingen. Dass die Bilder, die im Zug aus dem Fenster flogen, einen Teil des Lebens seiner Mutter repräsentierten. Dieses Erlebnis treibt ihn an.

Während er aufwächst, lernt er die Arbeit in der Dunkelkammer mit Papieren und Chemikalien kennen. „Das waren meine ersten Dinge, die ich in Richtung Fotografie erlebte: Dass tatsächlich aus einer Belichtung ein Bild wird“, sagt Socha. Die Familie zieht 1955 nach Münster. Sein Onkel, mit dem er begeistert über Leica Kameras fachsimpelt, schenkt ihm eine neue Kamera von einem Leica-Ableger. Also startet auch er seinen Weg in und durch die Fotografie, erschafft in 50 Jahren ein Lebenswerk und überdies nach und nach eine kulturgeschichtliche Quelle von unschätzbarem historischen Wert.

Altes Münster – neu entdeckt

Im September 2019 vereinbarten Oberbürgermeister Markus Lewe und Berthold Socha, dass der gesamte Nachlass des Fotografen als Geschenk dem Stadtmuseum Münster übergeben wird. Und genau dort sind sie nun zu sehen: Beeindruckende Fotografien, individuelle Lebenserinnerungen – geteilt mit Vielen, Momente für die Ewigkeit.  

So führt „Auf Münster fixiert“ die Betrachtenden durch ein längst vergangenes Münster, das man zwar wiedererkennt, doch auf so vielfältige Weise auch ganz neu entdeckt. Die Ausstellung kann bis zum 1. August 2021 besucht werden. Dazu ist ein Bildband erhältlich. Der Eintritt ins Stadtmuseum ist frei.

Bildnachweise:
Fotos: Berthold Socha (Veröffentlichung mit dieser Pressemitteilung honorarfrei.) 
Portrait Berthold Socha: Uschi Socha