Mit Harfe und Orgel: Herausforderung des Synchronen

Mit Harfe und Orgel: Herausforderung des Synchronen

30. Dezember 2013 Aus Von Andreas Hasenkamp

Zuletzt aktualisiert 2. Januar 2023 (zuerst 30. Dezember 2013).

Schrama und Nowak spielen Damase, Granjany, Blanco, Saint-Saëns

Von Andreas Hasenkamp
Münster. Lang war die Schlange vor St. Lamberti für das Konzert mit Orgeln und Harfe. In der nicht alltäglichen und doch so naheliegenden, klangschönen Kombination spielten am Sonntagabend Tomasz A. Nowak und Godelieve Schrama, beide von der Hochschule für Musik Detmold.   Nowak spielte vor allem im ersten Teil die Chororgel nahe der Harfe, später die Hauptorgel.

Eine Herausforderung sei, sagte Schrama, trotz der Distanz zwischen der Orgel auf ihrer Empore und der meist im Altarbereich platzierten Harfe synchron zu spielen. Das gelang Schrama und Nowak hervorragend – die vielfachen Wechselgespräche der Instrumente und verschmelzende Übergänge stellten sie intensiv auf die Probe und schufen Räumlichkeit im Klang.
Speziell für Harfe und Orgel geschriebene Literatur gibt es, ob vom Zeitgenossen Jean-Michel Damase mit seiner „Rhapsodie de Noëls pour harpe et orgue“ oder Marcel Grandjanys „On an old Christmas Song“ als Arie im klassischen Stil. Aber vieles muss umgeschrieben werden. Das hatten Schrama und Nowak für diesen Abend auch bei Pedro José Blancos Erstem Konzert G-Dur für zwei Orgeln geleistet, das mit seinem Dialog von Pfeifen und Saiten einen roten Faden setzte. Von Saint-Saëns erklangen Scherzo, Cavatina und capriccio aus den „Six duos pour harmonium et piano“ op. 8 und die großartigen „Variations sur un Noël“ von Marcel Dupré in ihrem französischen Stil.
Das Duo ließ auch Soli Raum. Zart und träumerisch lässt Schrama auf ihrer in den USA gebauten Harfe Brittens Interlude aus A Ceremony of Carols er- und verklingen. Einen besonderen Klang beschert Nowak an der italienisch angelegten Chororgel bei Nicolas Lebéques Drei Weihnachtsliedern: Der zweite Satz nutzt im Satz „Or nous ditte Marie“ motivisch die kleinen, tief klingenden – italienischen – Tromboncini, um sie im folgenden Satz dezent einfließen zu lassen. 
Nach viel hoher Kunst ließ das Duo im Finale Klängen fürs Gemüt mehr Raum, wiederum virtuos ausgeführt. Da ging es im „On an old Christmas Song“ um die „Stille Nacht“, schließlich um den holden Knaben im lockigen Haar – der Registrant steuert zu Chororgel und Harfe noch ein Glöckchen aus der Hauptorgel bei. Der Applaus fiel verdient begeistert aus. Viele sahen sich die Harfe aus der Nähe an.

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