Mit der Kraft der Stimmen – „Eine Weihnachtsgeschichte“ Scrooge und Tiny Tim greifbar gemacht von Christoph Tiemann und Ex libris in Hiltrup

Charles Dickens Eine Weihnachtsgeschichte, erzählt von Christoph Tiemann und dem Theater ex libris.

Münster-Hiltrup. Einige der Gäste des Kulturbahnhofs kannten sie nicht, „Eine Weihnachtsgeschichte“ nach Charles Dickens. Die gab es am Freitagabend als Hörspiel, inszeniert von Christoph Tiemann und vier Sprechern des Theaters „ex libris“.
Die sind stark gefordert: Urs von Wulfen leiht seine Bass-Stimme mal Mr. Fezziwig und mal einem Knaben, Sarah Giese gibt den „Geist der vergangenen Weihnacht“ und die liebe Schwester des Scrooge, als der ein Knabe und ein Bruder im Waisenhaus war, Christoph Tiemann changiert zwischen einem grimmigen Ebenizer Scrooge und dem schwächlichen, lieben, kranken Tiny Tim, Alexander Rolfes beeindruckt als Familienvater Bob Cratchit und vor allem, als erste Kostprobe der Stimmverwandler, als Geist des verstorbenen Marley, und Markus von Hagen gibt sowohl den „Geist der gegenwärtigen Weihnacht“ als auch einen Geschäftsmann. Sie alle lassen ihre Gestalten greifbar werden, ihr Empfinden. Besonders die Reise Scrooges in seine Kindheit, Jugend und eine mögliche Zukunft. Am E-Piano untermalt das dramatische Geschehen Philipp Ritter.
Wäre das Stück in bewegten Bildern noch eindrücklicher als hier in Stimmen und Hintergrund-Bildern? Wer etwa den Trickfilm aus dem Hause Wald Disney von 2009 gesehen hat, wird eher sagen: Nein. Bei Tiemann und Co. beflügelt das Wort Fantasie und Gefühle, wo dieser Film es tricktechniktrunken gruseln lassen will.
Seit zwei Jahren bietet Tiemann das Werk mit dem Ex Libris-Team an, reist von Friesoythe und anderen Orten im Norden bis Duisburg. Häufig würden sie in den Pausen oder nach dem Ende von Gästen angesprochen, erzählt Urs von Wulfen, die Menschen seien sehr angerührt. Er betrachtet das Stück aus dem Jahre 1843 mit modernen Augen. Dass Scrooge dem kümmerlich bezahlten Angestellten für den einen freien Tag den Lohn kürzen will, erinnert ihn an verweigertes Weihnachtsgeld, und die geizige Missgunst an das Verhältnis von Nord und Süd im Weltmaßstab.
Viel Applaus ernteten Tiemann und seine Mitstreiter. Der letzte Applaus galt auf Anregung Tiemanns den Ehrenamtlichen des Kulturbahnhofs. Bei denen hatte Tiemann schon zu Beginn Eindruck gemacht: Der Künstler stellte sich an die Tür, die Gäste persönlich zu begrüßen.

 

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