Metzgerei Kolata schließt – Kunden nehmen Abschied

Viele persönliche Abschiede, Blumen und Grußkarten gab es am letzten Tag einer Institution der Marktallee. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Münster-Hiltrup. Abschiednehmen von einer Institution mit Ausnahme-Status, ja eigentlich zweien, hieß es am Samstag in der Metzgerei „Kolata“ von Renata und Bernd-Ulrich Loheide.
Mitunter weiß man nicht, wer wen tröstet im Laden an der Marktallee. Eine Frau bricht mitten im Satz ab, sie ist wohl den Tränen nah. Etliche verabschieden sich persönlich bei den Inhabern, aber auch bei den Angestellten. „Von vielen kommen schon die Kinder“, so bringt Renata Loheide die Verwurzelung der Metzgerei in Hiltrup auf den Punkt. Die Theke ist voll besetzt, auch mit einer Angestellten, die eigentlich krankgeschrieben ist, einer, die eigentlich den Mittagstisch versorgt, der aber am Samstag ohnehin geschlossen ist. Sie wollten diesen Tag nicht verpassen. Ebenfalls hinter der Theke emsig ist Sebastian Reinicke – der früher mal dort gearbeitet hat und jetzt seinen Meister macht. Einen gespickten Braten hat er für den besonderen Tag zubereitet, auch der ist um zehn Uhr verkauft. Das Angebot ist fast wie sonst, auch die Präsentation: „Da steckt auch am letzten Tag viel Herzblut drin“, sagt Renata Loheide, „man macht es mit Herz oder man lässt es.“ Die Kundin Bettina Fedders bringt einen Karton mit Primeln – für alle Beschäftigten; auch einige Grußkarten kann Metzgermeister Bernd-Ulrich Loheide in ein Regal stellen.

Kolata - mit Fleisch, Wurstwaren aus eigener Herstellung und "heißer Theke" eine Institution der Marktallee. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.
Kolata – mit Fleisch, Wurstwaren aus eigener Herstellung und “heißer Theke” eine Institution der Marktallee. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

„Dann muss ich jetzt nach Münster“, bedauert eine Frau das unfreiwillige Schließen der Metzgerei; andere verweisen auf die Hammer Straße und Rinkerode, Norbert Kriege verweist auf  Wolbeck. „Wir haben es noch gut,“ sagt eine Hiltruperin, „weil wir den Wochenmarkt haben“, einmal die Woche. Hiltrup mit etwa 30000 Einwohnern habe jetzt keinen Metzger mehr. Wolbeck hat zwei. Den Discounter-Angeboten mit ihrer „Fabrik-Ware“ sind viele Kolata-Kunden nicht sonderlich zugetan; auch in den Bahnhofs-Bereich zieht es sie nicht. Wissen wo das Fleisch herkommt, das ist manchen ein Anliegen. „Ich hasse diese großen Sachen“, sagt einer, von „Preisdrückerei“ beim Fleisch ist die Rede.
Noch eine weitere Lücke entsteht: Wo solle man jetzt so eine Mahlzeit aus bürgerlicher Küche in Hiltrup bekommen? In Hiltrup-Ost gebe es einen Imbiss, immerhin. Mit Kolata verschwinde auch eine rare Quelle für eine runde Mahlzeit gerade für ältere alleinstehende Männer, bedauern mehrere Hiltruper, unter ihnen Heinz Hülsbömer („ein herber Schlag ist das“) und Günter Pannott. Wolbeck hat mehrere Anlaufstellen für den Mittagstisch, vom Südzipfel bis in den Dorfkern.

Viele persönliche Abschiede, Blumen und Grußkarten gab es am letzten Tag einer Institution der Marktallee. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.
Viele persönliche Abschiede, Blumen und Grußkarten gab es am letzten Tag einer Institution der Marktallee. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.
Please follow and like us:

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*