„Leute wie du und ich“ im Kunsthaus Kannen

Reich an Symbolik sind Niessens Zeichnungen – er half gern mit, sie den Gästen zu entschlüsseln. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Münster-Amelsbüren. Sie ist kaum zu sehen, die Ausstellung: Die Gäste der Vernissage gingen am Sonntag im Kunsthaus Kannen ganz nah heran an die drei Reihen von Zeichnungen des holländischen Künstlers Huub Niessen: „Leute wie du und ich“ ist der Titel der Ausstellung mit ihren 24 Werken. Gern half Niessen, ein freundlicher, offener, fröhlicher Mensch mit, die Symbolwelt zu entschlüsseln, für alle, die mit Sigmund Freuds Psychoanalyse nicht so vertraut sind. So bedeute das Krokodil „Lust“.
Niessens Zeichnungen sind dem Genre des Cartoons ähnlich, erzählen Geschichten vom Ego und Lust, Liebe, Geld, das Freundschaft zerstört. Aufforderungen wie: „Sei fröhlich, sei niemand.“.
Teufel und eine Clowns-Schelle finden sich, mehrfach Schlüssel. Über einigen Gestalten fliegt ein Wesen und sagt „Ich bin frei“. Unter der Decke läuft ein schwarzer Hund: „Normal“ steht auf seinem Rücken. Auch Fische, Vögel, Pferde – der Psychoanalyse zufolge oft mit Kastrations-Ängsten verbunden – und Hunde bevölkern die Cartoons, vor allem jedoch menschenähnliche Wesen mit langen Spitzen Nasen, langen, bezahnten Schnäbeln oder Mäulern, aber normalen Beinen und Armen. Viele tragen gewissermaßen die Gehirnwindungen frei auf dem Schädel; im Innern bergen sie andere Gestalten, teils menschenähnlich, teils wie ein Vogel: „Ich bin nur ein Traum“. Träume tragen weit, will er wohl sagen: „Dreams have big wheels.“ Paradox der Vogel, auf dessen Rücken steht: „Flying high“ – er ist in eine Art Röhre eingesperrt. Das die Wörter alle aus dem Englischen sind, erklärt er aus der internationalen Ausstellungstätigkeit bis in die USA. Demnächst sind seine Werke in Berlin zu sehen, sagt Niessen.
Lisa Inckmann, Leiterin des Kunsthauses, hatte gemeinsam mit Niessen eingeführt.
Am Rande liegt Niessen daran, sich richtig eingeordnet zu sehen. Zwar habe er zehn Jahre an einer Depression gelitten, aber ein „Outsider“ sei er nicht, eher „ein Outsider unter Outsidern“. Eine Gemeinsamkeit gebe es schon – die allgegenwärtige Symbol-Geladenheit der Werke.

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