Leserbrief zur Lidl-Ansiedlung: „In wessen Konzept paßt der geplante Lidl-Standort?“

Zuletzt aktualisiert 9. November 2020.

Zweifel an der Stichhaltigkeit mancher Pro-Behauptungen zugunsten einer Lidl-Ansiedlung an der Hiltruper Straße hat die Wolbeckerin Christa Zurmühl. Ist ein solcher Discounter nötig? Was ist mit dem Verkehr? Was fördert wirklich die „Sicherung der Wohnstandortqualität“? Ist Lidl ein Discounter wie jeder andere? Das sind die Hauptfragen ihres Leserbriefs vom 28.7.2006, den das Portal ungekürzt veröffentlicht. Eine leicht gekürzte Fassung erschien in der Münsterschen Zeitung und in den Westfälischen Nachrichten.

„In wessen Konzept paßt der geplante Lidl-Standort?

Über die Hintergründe der forcierten Ansiedlung eines Lidl-Marktes an der Hiltruper Str. 22 bin ich echt ins Grübeln gekommen, weil mir ein solches Vorhaben nicht gut und sinnvoll erscheint. Zur Rechtfertigung wird ein „Einzelhandelskonzept des Rates“ angeführt  (vgl. Artikel  „Gutes Angebot an integriertem Standort“  WN Stadtteile vom 20. 7. 06 ).
Diese Begründung erweist sich meiner Ansicht nach als nicht stichhaltig und überzeugend.

1.) In einem Stadtteil mit 4 Supermärkten und einem Discounter gehört ein 2. Discounter nicht mehr zur „Grundversorgung“, schon gar nicht in engster Nachbarschaft mit 2 „Vollsortimentern“. Eine Häufung von Supermärkten belebt nicht den „Facheinzelhandel“, sondern vertreibt ihn, wie gerade Wolbeck mit seinen immer wieder leerstehenden Ladenräumen zeigt.

2.) Die Forderung des Einzelhandelskonzeptes, „Projekte sollen verträglich in die städtischen Strukturen integriert werden“, wird durch die Wahl dieses Standortes völlig missachtet. Die Ansiedlung eines Discounters mit starkem Aufkommen an Kunden, die mit dem Auto kommen, erscheint im Blick auf die Verkehrslage hier verantwortungslos. Gerade an diesem neuralgischen Punkt treffen aufeinander: Verkehr von und zu Schule und Kindergarten ( Fußgänger, Radfahrer, Autos), Kundenverkehr von Wiewel , der übliche Durchgangsverkehr durch Wolbeck, und das alles an einem Bahnübergang mit der Einmündung eines parallel zu den Schienen verlaufenden Fuß/Radweges.
Genauso unverantwortlich und un(v)erträglich erscheint mir, ein Schulgrundstück mit Sportanlage für einen Kundenparkplatz zu veräußern ( WN Stadtteile 18. 7. 06).

3.) Die „Sicherung der Wohnstandortqualität“ hängt meiner Erfahrung nach nicht von der Massierung von Einkaufszentren ab, sondern von der, wie ich es nennen möchte, ‚Begehbarkeit’ eines Stadtteils, wie ich mich dort bewegen kann, ungefährdet als Radfahrer, unbedrängt als Fußgänger, vielleicht mit Kinderwagen und kleinen Kindern, vielleicht mit Rollator. Ist das gewährleistet, wird ein Ort attraktiv und kann seine Reize präsentieren. Dann kann auch ‚shopping’ reizvoll sein. Wie weit wir davon entfernt sind, wird jedem im Blick auf die oft katastrophale Verkehrslage im Ortskern klar. Und jetzt will man frühere Versäumnisse, rechtzeitig die Durchsetzung einer Umgehungsstraße zu ‚forcieren’, noch toppen durch die Steigerung  des Autoverkehrs???
Wenn so viel gegen den geplanten Lidl-Standort spricht, frage ich mich : Wessen Konzept ist hier gemeint?? —Da fällt mir ein: Lidl natürlich, das brauchte zweifellos Unterstützung, weil sein Image so stark angekratzt  ist (s. Die Zeit Nr.29  13. 7. 06  S.50).
                                                                                                     Christa Zurmühl
48167 Münster, den 28.7.06
Von Holte-Str. 6l“

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Über Andreas Hasenkamp

Journalist, Online-Redakteur und Event-Fotograf in Münster.

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