Kurhaus Wolbeck: Zugewachsener Garten der Gesundheit

Kurhaus Wolbeck: Zugewachsener Garten der Gesundheit
Im Treppenhaus des ehemaligen Kurhauses. Foto: A. Hasenkamp.

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Zuletzt aktualisiert 6. November 2020 (zuerst 30. Oktober 2020).

Alfons Gernholt führte am Tag des Offenen Denkmals durch den Park des Kurhauses Wolbeck

Von Andrea Hasenkamp, 11.09.2011. Münster-Wolbeck. Da ist ein Gebäude verschwunden, dort die Fassade im unschicken 60er-Jahre-Stil verkleidet, Gräften versandet, Bäume nehmen die Sicht – doch ein Kenner findet manches Detail und macht den Blick frei. Und Alfons Gernholt hatte bei seiner Führung  „Insel der Gesundheit. Der Kurgarten Wolbeck“ auch viele alte Fotos und Postkarten mitgebracht. Gut 20 Gäste führte er auf dem großen Gelände, das nicht mehr als Kurhaus benutzt wird, sondern Mietshaus ist. Doch für die Gruppe tat sich die Tür am historischen, soliden Handlauf der Treppe auf und schon stand man im Treppenhaus – das weitgehend so aussieht wie anno dazumal im späten 19. Jahrhundert. Da ging es zum Salon, erläuterte Gernholt im einzigen der Gruppe zugänglichen Raum des Hauses, dort ging es zur Küche. Weitere Innenräume erschloss er über Fotos, ob von den Sälen oder vom Kneippraum der Männer. „Der Mann da mit dem Schlauch, das ist mein Vater“, verriet Gernholt auch gleich die Quelle seiner Kenntnis: er wuchs hier auf. Die Güsse gab es nur kalt – „kreischende Frauen sind mir noch in Erinnerung“.

Trend zum Kuren erkannt – Wasserheilanstalt aufgebaut

Das Kurhaus in Wolbeck: Alfons Gernholt erläutert mit alten Fotos und Plänen. Foto: A. Hasenkamp.
Das Kurhaus in Wolbeck: Alfons Gernholt erläutert mit alten Fotos und Plänen. Foto: A. Hasenkamp.

Der „alte Rat“ Sanitätsrat Dr. Wilhelm Lackmann hatte in den 1880er Jahren den Trend zum Kuren erkannt und das große Gelände der Familie zielstrebig genutzt, als Wasserheilanstalt. Er lag richtig, bald wurde erweitert, eine überdachte Brücke führte über die Angel hinweg. Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts stellten die Lackmanns den Betrieb dann ein – Italien lockte den Wirtschaftswunder-Bürger, das Gebäude war veraltet und gar zu spartanisch. Vom früheren Glanz und der Großzügigkeit der Anlage zeugt heute die Weite des Parks, doch Bäume verstellen die auf den Fotos noch erkennbare Weite des Blicks. Mit etwas Fantasie entsteht sie in den Köpfen wieder, zwischen Pavillon und Angel, Gräften, tatsächlich Teil der ehemaligen Befestigung der Stadt Wolbeck, und dem unter Denkmalschutz stehenden neogotischen Säulenpaar mit Obst spendenden Putten. Das Säulenpaar war Eingang zu „Elises Garten“, wie Illa Andreae es nannte, die schriftstellernde Tochter des Hauses Lackmann.

Gartenhaus im Park des Kurhauses in Wolbeck: Alfons Gernholt erläutert mit alten Fotos und Plänen. Foto: A. Hasenkamp.
Gartenhaus im Park des Kurhauses in Wolbeck: Alfons Gernholt erläutert mit alten Fotos und Plänen. Foto: A. Hasenkamp.

Der Schluss der Tour durch den Park des Kurhauses Wolbeck führte auf die Brücke am Illa-Andreae-Weg – die als baufällig eingestuft ist. Ob sie verfügbar bleibt, ist offen. Wenngleich Bürgermeister Markus Lewe, so Gernholt, in einem Brief mitgeteilt hat, sie sei für Wolbeck sehr wichtig.