18.07.2026

Kunstrasen-Popup 2026 bietet Vielfalt an Kunsthandwerk und Kunst

Horst Schlämmer verewigt in einem Rehgeweih, Skier als Schlüsselbrett - Brigitta Wandelt gehen die Ideen nicht aus.

Anbieter und Veranstalter erdulden in Wolbeck hitzebedingten Besucher-Mangel / Viel Raum für Gespräche

Münster-Wolbeck (agh). Kunst zum Kühlen gab es keine – sieht man von schattenspendenden Kopf-Bedeckungen ab oder von etwaigen Kühl-Effekten eines Paars Skier, umfunktioniert zum Schlüsselbrett.

Vielfältige Kunstideen rund um den Fußballplatz

Breit war das Angebot beim dritten Kunst- und Kunsthandwerk-Popup-Event „Kunstrasen“ auf der Bezirkssportanlage Südost. Es bot am Sonntag viel Anregung, ob von den Objekten oder durch die in Fülle möglichen Gespräche mit den Anbietern – die Besucher verteilen sich im weiten Rund um den Fußball-Platz. Da kann sich die Begeisterung der vielseitig tätigen Biologin übertragen, die mit „Vlora-Craft“ heimische Blüten in Amuletten zur Geltung bringt. Oder der kreative Umgang mit Obsoletem, mit dem Upcycling-Fan Brigitta Wandelt aus Rehgeweihen eine Erinnerung an den berühmten Lokalreporter „Horst Schlämmer“ schafft und aus allem eine Spende für Hilfe-zur-Selbsthilfe in Bangladesh. Und wie gelangt Malerei aus der Provinz Shanxi in China über eine Musikstudentin nach Wolbeck zum Kunstrasen-Popup 2026? Wenn Grazyna Stops aus Ringenberg eine alte Gucci-Krawatte mit Ohrschmuck kombiniert oder Kurz-Krawatten für den Hund, dann hat das mit der Cosplay-Liebe ihrer Tochter zu tun.

Neue Techniken und wachsendes Interesse

Die Veranstalter wollen für die nächste Ausgabe einiges ändern. Anders war jetzt schon vieles als in den Jahre 2024 und 2025. Die Zahl der interessierten Anbieter ist gewachsen – auch wenn am Sonntag sich etliche kurzfristig abmeldeten oder fernblieben. Während ein Kern aus Acrylmalerei, Schmuck und Genähtem bleibt, kommen 2026 moderne Techniken hinzu wie der 3D-Druck bei AS-3D-Manufaktur oder die ausgeweitete Mit-Mach-Meile von TobisNerdfactory Community mit Angeboten nicht zuletzt für Kinder. Zwei Anbieterinnen verknüpfen „Motion & Art“.

Viele beteiligten sich erneut, darunter HeimatWolbeck und Der kleine Bilderladen, für den die Organisatorin Anita Greve selbst steht oder K&K Kelbassa‘s Panoptikum. Auch Malerin Margret Voß ist zum dritten Mal dabei, diesmal auf doppelter Fläche.

Unkompliziert sei die Organisation beim Kunstrasen-Popup 2026, das war überall von den Anbietern zu hören. Wenigstens zwei Anbieter hatten sich erst vor wenigen Tagen zur Teilnahme entschlossen. Viel Zeit für den Aufbau, diesmal schon ab 7 Uhr, keine Hektik, gute Zufahrten – das kommt gut an.

Hitze sorgt für Absagen und Improvisation

Die Hitze führte zu 21 Absagen, dazu erschienen zur Enttäuschung von Greve einige ohne Absage nicht. Flexibel durften die Anbieter sich anders aufstellen. Beinahe abgesagt hätte … mit ihren Gemälden – aber es sei dann doch etwas weniger Hitze als am Samstag zu erwarten gewesen, sagt sie und sitzt entspannt mit Wasser und Ehemann unter ihrem Pagodenzelt in einem Meer von Malerei.

Kontakte, Verkäufe und individuelle Aufträge

Manche waren mit ersten Verkäufen zufrieden, andere zufrieden mit den geknüpften Kontakten, dem „netten Publikum“ oder individuellen Bestellungen. Etwa mit Epoxidharz und Olivenholz oder aber Muscheln – die Kombinationen seien unendlich. Deshalb wollten sie an ihrem Stand, so Heinrich Baummann vom „Fürstenwerk“, Anregungen geben und speziell für den Auftrag arbeiten. Sein Urteil: „Die Resonanz ist wirklich gut, die Orga klasse.“

Zwischen Hobby, Handwerk und Lebensunterhalt

Die Lage der Anbieter ist so unterschiedlich, wie die Herkunft – die Goldschmiede Wefringhaus aus Rodgau, die Ingenieurin aus Kalletal oder eine Neubürgerin aus Albersloh oder Wolbeck: Hier verdient jemand etwas dazu, da ist es nur ein Hobby, dort muss jemand seinen Lebensunterhalt bestreiten und auf die Wertschätzung des Publikums für solides Handwerk statt Billig-Produktion hoffen.

Neue Pläne trotz Besucher-Mangel

Greve ist nach hohem Werbe-Aufwand von den Besucherzahlen enttäuscht. Aber sie steht trotz vieler Arbeit und Ausgaben zu ihrem Format und schätzt u.a. die Gelegenheit zum Netzwerken. Sie will dafür ein Team aufbauen und ein mit dem Popup-Event verbundenes kleines, regelmäßiges Format.

Andreas Hasenkamp

Journalist und Event- sowie Portraitfotograf in Münster