Kulturkampf auf dem Schulhof: Institut für Ethnologie Münster begleitet Schulprojekt

Münster. Mal ist es ein zu kurzer Rock, mal das Kopftuch: Wenn sich Jugendliche an der Geschwister-Scholl-Realschule in Münster-Kinderhaus streiten, dann prallen häufig unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander. Das Projekt "Interkulturelle Streitschlichter – Interkulturelle Kompetenz alsSchlüsselqualifikation in der Ausbildung von Jugendlichen als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in der Stadtteilarbeit" soll nun dazu beitragen, dass Schüler andere kulturelle Standpunkte verstehen lernen und handfeste Auseinandersetzungen vermieden werden.

Das Institut für Ethnologie der Universität begleitet das auf
zweieinhalb Jahre angelegte Projekt wissenschaftlich. Finanziert wird es vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
"Wir haben immer wieder kulturell gelagerte Konflikte", erklärt Schulleiter Andreas Behnen. Rund ein Drittel seiner Schützlinge sindMigranten. Nicht nur Christen, sondern auch Muslime, Buddhisten und Hinduisten drücken in der Realschule die Bänke. Wenn es Streit zwischen ihnen gibt, dann liegt der Grund dafür häufig in
interkulturellen Missverständnissen. Für muslimische Jungen seien etwa Kränkungen der Mutter große Ehrverletzungen – und Anlassfür extreme Reaktionen. Mädchen stritten sich hingegen um zu freizügige Kleidung, so Behnen. "Für manche Konflikte braucht es einfach interkulturelle Kompetenz."

Realschule gefördert  vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Und die sollen die Kinder an der Realschule nun mit Hilfe der WWU Münster lernen: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fördert in dem Drittmittelprojekt die Ausbildung von so genannten"interkulturellen Streitschlichtern". Bis zum 31. Dezember 2009 beteiligt es sich mit rund 145.000 Euro. Hinzu kommen Eigenmittel weiterer Projektträger aus dem Stadtteil, etwa dem Begegnungszentrum Sprickmannstraße, dem "Wuddi" Kinderhaus und dem Verein "Ethnologie in Schule und Erwachsenenbildung e. V." (ESE).

Unterrichtseinheiten und Projekttagen zu anderen Kulturen und Religionen 

Die siebten Klassen der Geschwister-Scholl-Realschule setzen sich in verschiedenen Unterrichtseinheiten und Projekttagen intensiv mit
anderen Kulturen und Religionen auseinander. "In einer Klasse nehmen wir zum Beispiel gerade die indonesische Kultur anhand des Themas'Reis – mehr als ein Nahrungsmittel' durch", so Sabine Eylert, Koordinatorin in der Kinder- und Jugendbildung der ESE. In der achten Klasse durchlaufen interessierte Schüler Kurse der Streitschlichtungs-AG an der Schule. Sie sollen in den Jahrgangsstufenneun und zehn helfen, Konflikte auf dem Schulhof friedlich beizulegen.
Das Institut für Ethnologie evaluiert die Maßnahmen. Darüber hinaus beschäftigen sich Studierende in Seminaren mitinterkulturellem Lernen an Schulen und in der Erwachsenenbildung. Im Rahmen der Lehrveranstaltungen hospitieren sie zunächst in den Klassen und entwickeln dann selbstständig Unterrichtseinheiten, die
die interkulturelle Kompetenz der Kinder fördern.
Link: Institut für Ethnologie
(http://www.uni-muenster.de/Ethnologie/)

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