Kritik an Energiesparlampen steigt

Her mit Energiesparlampen? Forderungen nach sinnvollem Umgang mit Energie bedeuten für die gewöhnliche Glühlampe vor allem eines: ihr Aussterben. Doch mehren sich seit einigen Monaten die kritischen Stimmen zu Energiesparlampen – sie seien zu langsam hell, bleiben zu dunkel, sind zu teuer und zu giftig.
Gleich mehrere enthaltene Schadstoffe, vor allem das hochgiftige Quecksilber, sprechen gegen eine gute Umweltverträglichkeit. Das ARD-Verbrauchermagazin "Plusminus"befragte Experten  im „Prüfzentrum Technik“ in Wilhelmshaven zu den Vor- und Nachteilen von Energiesparlampen. Die Ergebnisse sind erschreckend und peinlich.

Schlechte Ergebnisse für Energiesparlampen

Die Energiesparlampen schneiden vor allem bei den Punkten Helligkeit und Elektrosmog schlecht ab. Die meisten brachten nur eine eingeschränkte Helligkeit. Messungen zum Elektrosmog ergaben Werte deutlich über dem Richtwert, der beispielsweise für Computermonitore vorgeschrieben ist. Noch höhere Belastungen sind zu befürchten, zerbricht eine Energiesparlampe. Eine Studie des Umweltbundesamts zeigte eine Belastung mit Quecksilber, die um das bis zu 20-fache über dem Richtwert lag. Experten raten deshalb, in Kinderzimmern nur Energiesparlampen mit Bruchschutz einzusetzen. Solche Lampen sind mit einer Kunststoff-Ummantelung oder anderen Schutzmaßnahmen gegen Zerbrechen gesichert.

Kritik an EU-Verbot von Glühlampen

"Plusminus" sprach zudem mit Ahmet Çakir vom „Ergonomic Institut Berlin“. Der Licht-Experte bemängelte vor allem, dass die EU ihre Bürger über entsprechende Gesetze zwinge, giftige Lampen zu kaufen. Er kritisierte zudem, dass die vielfach hervorgehobene Energieeffizienz von Energiesparlampen nicht nachvollziehbar sei. Berücksichtige man Betriebsbedingungen wie etwa die Umgebungstemperatur, schneide  die herkömmliche Glühlampe besser ab. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass dies im Prozess des Glühlampenverbots berücksichtigt worden ist", heißt es in Çakirs Studie zur Überprüfung des Verbots von Glühlampen. "Es gibt im Gegenteil Anzeichen dafür, dass auch honorige Umweltorganisationen solche Betrachtungen im Rahmen von Studien, die sie selbst in Auftrag gegeben haben, versucht haben, in Misskredit zu bringen."
 
Offenbar hatte z.B. die Umweltschutzorganisation Greenpeace International schon vor 20 Jahren eine Studie "pro Energiesparlampen" vorgelegt. Dabei hatte zuvor Prof. Klaus Stanjek eine ähnliche Studie für Greenpeace Deutschland präsentiert, die eher "Energieverschwendungslampen" als Ergebnis erbrachte. Stanjek zeigte sich im "Plusminus"-Beitrag erstaunt, dass die internationale Studie vor allem von Experten aus der Lampen-Industrie verfasst wurde. Und dieser Industriezweig profitiert natürlich stark von den gegenüber herkömmlichen Glühbirnen deutlich teureren Energiesparlampen.

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Keine Ökobilanz für Energiesparlampen

Bleibt noch der Stromspar-Vorteil. Tatsächlich verbrauchen Energiesparlampen nur etwa ein Fünftel der Energie von traditionellen Glühlampen. Çakir schrieb in seiner Studie: "Den Verdacht, dass die hohe Lichtausbeute und somit die Effizienz der Energiesparlampe auf vielerlei Art und Weise geschönten Werten beruht, könnte eine saubere Öko-Bilanz ausräumen." Doch eine Öko-Bilanz sei nirgendwo zu finden.

Çakirs Fazit: Außer den Herstellern könne niemand die Zahlen nachvollziehen, die als Beleg z.B. einer höheren Lebensdauer oder einer höheren Lichtausbeute von Energiesparlampen insbesondere von Politikern hervorgehoben werden. Auch der „Verbraucherzentrale Bundesverband“ fordert eine Aussetzung des Glühlampen-Verbots, bis alle Vor- und Nachteile von Energiesparlampen in einer Ökobilanz vorliegen.

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Über Andreas Hasenkamp 6456 Artikel
Journalist, Online-Redakteur und Event-Fotograf in Münster.

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