Krankenhauskommunikation in Deutschland und den Niederlanden im Vergleich

Münster. Was können deutsche und niederländische Krankenhäuser in puncto Kommunikation voneinander lernen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts des Zentrums für Niederlande-Studien der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Kommunikationsagentur "lege artis". Die Ergebnisse wurden jetzt auf einer Fachtagung im Haus der Niederlande in Münster vorgestellt. Der Kongress richtete sich in erster Linie an Kommunikationsverantwortliche in Krankenhäusern. Aber auch einige "Branchenfremde" zeigten sich interessiert an den Resultaten.

Kinder als Internet-Zielgruppe nur bei Krankenhäusern aus den Niederlanden

Im Fokus stand die Auswertung von Internet- und Social-Media-Auftritten aller Krankenhäuser 65 Kilometer westlich und östlich der deutsch-niederländischen Grenze. "Wir haben festgestellt, dass niederländische Krankenhäuser die verschiedenen Online-Verbreitungswege eher themenspezifisch gebrauchen. Ihre deutschen Pendants nutzen hingegen – sofern sie überhaupt soziale Medien bespielen, was nur bei einem geringen Teil der Fall ist – alle Kanäle für alle Informationen", berichtet Dr. Lisa Terfrüchte, Leiterin des Projekts am Zentrum für Niederlande-Studien. Den mit Abstand größten Unterschied machte das Forschungsteam in einem speziellen Feld aus: Fast die Hälfte der niederländischen Websites hat Angebote, die sich ausschließlich an Kinder richten. Die deutschen Kliniken legen auf diese Zielgruppe offenbar (noch) keinen Wert, wie die Ergebnisse der Untersuchung zeigen.

Social Media  & Krankenhäuser

Im Bereich Social Media stellten die Forscher auf niederländischer Seite eine deutlich höhere Aktivität fest. Während Facebook, Twitter und Co. in Deutschland häufig eher als eine Art notwendiges Übel angesehen werde, hätten niederländische Kliniken die Prinzipien von Social Media bereits umgesetzt, sagte Corinna Bischof, Geschäftsführerin der Agentur "lege artis". Denn nicht immer sei es sinnvoll, jeden Kanal zu bespielen, der zur Verfügung stehe. Es komme entscheidend darauf an, von den Inhalten her zu denken und dann eine Entscheidung für oder gegen ein Medium zu treffen.

Grundlage der Studie war eine Inhaltsanalyse der Websites und Social-Media-Kanäle von 238 deutschen und 49 niederländischen Krankenhäusern zwischen Mai und Juli 2014. Die Inhaltsanalyse war unter Mitarbeit von Studierenden des Zentrums für Niederlande-Studien und des Fachbereichs Kommunikationsmanagement der Hochschule Osnabrück durchgeführt und ausgewertet worden.

Podiumsdiskussion zur Kommunikationskultur

Die wesentlichen Unterschiede in der (Krankenhaus-) Kommunikationskultur beider Länder waren zugleich Thema einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung. "In den Niederlanden diskutieren wir, bis wir einen Konsens gefunden haben", verdeutlichte Prof. Dr. Jan Herre Kingma, ehemaliger Generalinspekteur der öffentlichen Gesundheit im niederländischen Ministerium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport, das gesellschaftsweite Phänomen "Overleg" (deutsch: "Beratschlagung"/"Überlegung") als Prinzip für die interne Kommunikation. "Auch in den Kommunikationsabteilungen deutscher Krankenhäuser findet langsam ein Paradigmenwechsel statt – weg von reiner Kommunikation hin zu mehr Marketing", bemerkte Dr. Mathias Brandstädter, Pressesprecher und Leiter Unternehmenskommunikation der Universitätsklinik Aachen. Beim Thema Transparenz im Gesundheitswesen zeigten sich erneut große Unterschiede zwischen den Nachbarn. Während die Niederländer sogar Sterberaten im Internet veröffentlichen, geben sich deutsche Kliniken spürbar zugeknöpfter. Mathias Brandstädter schränkte jedoch ein: "Transparenz ist kein Selbstzweck. Die Patienten müssen die Zahlen deuten können."

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