Kontroverse Diskussion von Theologen zu Reformideen für „Kirche der Armen“

Münster. Das Echo auf ihren „Zwischenruf“ zur Bischofskonferenz in Münster im Februar war groß – das wollten sie am Dienstag, dem 1. Juli 2014, mit einer Podiumsdiskussion aufnehmen. 15 Studierende der Katholisch-Theologischen Fakultät der WWU Münster hatten als „Studentische Initiative 'Gemeinsam Kirche werden'“ den 15-seitigen Zwischenruf verfasst.

 

Der Sekretär der Konferenz nahm ihn entgegen, so Jan Niklas Collet und Benedikt Kern gegenüber den WN, Weihbischof Stefan Zekorn habe sich „sehr darauf eingelassen“, mit den 15 zu diskutieren. Aus der ganzen Republik seien Reaktionen gekommen: Das E-Mail-Postfach sei voll gewesen, so Kern. „Überrascht aber auch bestärkt“ seien sie, so Collet, da auch Positives kam, wo sie Kritik erwartet hatten.
Näher an eine „Kirche der Armen“ soll der Weg führen, auch zu Mitentscheidung. Papiere zu überreichen genüge nicht, es müsse weitergehen, so der Student Lucas Bögge am Dienstag, als er fünf Theologen in seiner Fakultät begrüßte: die Professoren Michael Böhnke (Wuppertal) und Thomas Ruster (Dortmund) sowie aus Münster Professor Clemens Leonhard, Dr. Julia Enxing und Dr. Julia Lis als Moderatorin.
Die Diskussion verläuft erhellend, teils kontrovers, immer respektvoll, teils für den Nicht-Theologen anstrengend: Darauf sollte sich einstellen, wer Beteiligung fordert. Immer wieder bezogen sich die Diskutanten vor 50 aufmerksamen Teilnehmern auf das apostolische Schreiben Evangelii Gaudium von Papst Franziskus.
Existiert überhaupt eine horizontale und eine vertikale Kirchenspaltung? Ja, meinten die meisten. Es sei „eine totale Schiefstellung“, wenn „das Kirchenvolk auf das Wohlwollen des Bischofs angewiesen ist“, so Enxing. Leonhard warnte davor, die Existenz einer Spaltung gleich in der Wortwahl vorauszusetzen. Eine institutionalisierte Beteiligung fordern die Zwischenrufler, damit an Entscheidungsprozessen alle von ihren Folgen Betroffenen beteiligt werden: Das sei eine unglaubliche Forderung, so Ruster. Ein anderer Geist müsse in der Kirche einkehren, es dürfe nicht darum gehen, Prozeduren im Rahmen bestehender Ämter zu optimieren. Die Kirche müsse der Gesellschaft nachziehen und sich funktional ausdifferenzieren.
Man solle nicht „theologisch vernebeln“, so Leonhard: Aufgaben sollten im Vordergrund stehen, Armut und Ökologie.
Neue Strukturen werde er zu seinen Lebzeiten nicht erleben, meinte Leonhard. Böhnke und Ruster widersprachen: doch, die Erosion sei zu stark.

 

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