„Körperskulpturen“ eröffnet im Gallitzin-Haus

„Körperskulpturen“ eröffnet im Gallitzin-Haus

Kunstkurse des Gymnasiums Wolbeck stellen aus in Angelmodde

Münster-Angelmodde -agh-. Wenn Resultate schülerischer Kunst-Kurse außerhalb ausgestellt und zudem bei einer Vernissage gut besucht werden, ist das Zeichen einer Wertschätzung. Noch dazu sprach am Sonntag im Gallitzin-Haus zur Einführung in die Dimensionen der Werke eine Vertreterin der Bezirksregierung, Eva Glätzer, Dezernentin in der Schul- und Fachaufsicht, obendrein prädestiniert für „Körperskulpturen“ durch ihre Lehramts-Fächer Kunst und Biologie. Alles zusammen kann die Träger des ausstellenden Hauses, die Heimatfreunde Angelmodde, nur freuen. Der Verein Heimatfreunde Angelmodde, der mit seinem Kurator Hans-Georg Dornhege jetzt erneut Werke von Schülern ins Gallitzin-Haus geholt hat, wird auch zukünftig weiter in die Gesellschaft ausgreifen und sie zu sich holen. Doch am Sonntagnachmittag standen ganz die aktuellen Werke im Zentrum des Vortrags und vieler Gespräche mit den Gästen, darunter Verwandte und Lehrkräfte wie die Kunst-Lehrerinnen der drei beteiligten Q2-Kurse des Gymnasiums Wolbeck, Gabriele Krafeld als Kuratorin, Annika Berghammer und Jutta Everwin, und Direktorin Dr. Désirée Bourger.
Glätzer lenkte den Blick auch auf mit den Objekten verbundene Fotos sowie Skizzen. Man sei zum Umdenken „gefordert in seinen Sehgewohnheiten“, gab sie mit in die Reise zu den Objekten, die Körperteile verlängern oder Zwischenräume füllen. Wie mag man darin leben? Kunst wird hier schnell zur Frage an die Betrachter, lädt zum Wechsel der Perspektive ein.
Bei einigen der Objekte gewinnt ihr Gedanke durch eine Inszenierung in einem Foto an Deutlichkeit und erweitert seine Komplexität. Auch das brachte Glätzer in Worte. Der übergroße Kragen um Hals und Kopf, mit seinem symmetrischen Muster, wird im Foto zum Element einer Stehlampe, in deren – imaginiertem – Licht eine Person liest: Was? Und ist das haltende Element unter dem Kragen nicht eine Person? Die dadurch autonomieraubend eingeschränkt ist auf eine zugewiesene einzige Funktion? Könnte sie sich nicht in den zweiten Sessel setzen? Ein anderes Objekt erinnert an ein Korsett – umfasst aber auch die Arme. Was schon im Stehen einschränkt, die geschlossenen Augen erklärt – an freies Fortbewegen oder Hinsetzen ist kaum zu denken, da die Arme gehindert sind, Ungleichgewichte auszugleichen oder den Körper zu stützen. Der nähere Blick auf dieses Arm-Korsett – wie auf alle anderen Objekte – zeigt eine weitere Dimension. Die Elemente, fast durchgehend aus Verpackungs-Karton, waren, wie die Schülerin Karla Bartmann , zu verbinden nur durch genähte Fäden. So gesellte sich für die Zweier-Gruppen der Schüler in der Umsetzung ein vielen unvertrautes handwerkliches Element, das Nähen, zur Kreation neuer Ideen für Körperskulpturen, die erweitern und einschränken – wofür die drei Kurse eigene Ideen zu erfinden waren. „Nicht alle Erweiterungen müssen Sinn ergeben“, stellte Bartmann fest. Einzusetzen waren gefundene Materialien, geformt und verbunden, ohne selbst weiter bearbeitet zu werden etwa durch Färbung. Inspirieren lassen konnten sich die Schüler durch Werke von Rebeccca Horn. Deren „Horn“ ließ sich im Objekt „Tunnelblick“ wiederentdecken, zugleich eine „Krücke“ für Konzentration.

Zum Thema.:  Körperskulpturen: Erweiterung als Einschränkung?

Glätzer würdigte das Ambiente des Gallitzin-Hauses. Gern sahen Engelbert Honkomp als Vorsitzender und Dornhege, die Erweiterung von Schule in ihr Haus. Die Werke hier ausstellen zu können sei eine „große Würdigung“, so Krafeld, und sie kämen „gut zur Geltung“. Für Bartmann war es etwas Besonderes, auch andere Leute die Objekte sehen zu lassen, man fühle sich wertgeschätzt – „nicht nur durch eine Note“. Der Förderverein des Gymnasiums unterstützte das Projekt. Geöffnet hat das Gallitzin-Haus samstags und sonntags von 16 bis 18 Uhr.