Klezmer reißt mit

Als Hintergrund für das Foto wünschte sich einer der Musiker des mit so viel Klangfarben wirkenden Ensembles die Fenster der Christuskirche: Igor Mazritsky, Vadim Baev, Michael Meier-Etienne und Dimitri Schenker. Foto: A. Hasenkamp.

Münster-Wolbeck. Zu Klezmer geladen hatte der Verein KulturVorOrt Wolbeck am Freitag, und zwar mit Kölner Ensemble „The Klezmer Tunes“.
Igor Mazritsky spielte das Instrument, das lange das maßgebende Solo-Instrument des Klezmer war, die Violine, Vadim Baev betastete virtuos das Akkordeon, die Kontrabass-Töne jonglierte Michael Meier-Etienne und die Klarinette, neues maßgebendes Solo-Instrument, jubilierte mit Dimitri Schenker. In Wolbeck waren diese vier Klezmorim das Ensemble „The Klezmer Tunes“; bei anderen Gelegenheiten steht ein Gitarrist an der Stelle des Kontrabassisten.
Schenker gab mit sehr schneller Zunge den Moderator und erklärte, dass Klezmer seinen Ursprung in jüdische Volksmusik in Osteuropa hat, in die USA gelangte und von dort nach Westeuropa. Viele Formen hat Klezmer, kann Jazziges umarmen wie auch Bossa Nova und einen „Jiddischen Tango“, ist zu 99 Prozent in Moll gehalten und doch fröhlich und beschwingt: „Keine Beerdigung ohne Weinen, keine Hochzeit ohne Klezmer.“
Da passt das eröffnende Stück: „Shalom / Let’s Be Happy“ – das auch schon verrät, wie vielfältig interpretierbar das bekannte Wort ist. Das Repertoire der Klezmer Tunes reicht von Di Michaje (Freude) über den langsamen Tanz (Hora) bis zu Odessa Bulgar. Aus Odessa stammt auch das Pflichtstück jüdischer Hochzeiten, erzählt Schenker, das „7:40 PM“. Die vier Virtuosen sind bestens aufeinander eingestimmt, wie es auf nötig ist beim rasanten Wechsel von Miteinander der Stimmen und Solo-Ausflügen, beim fliegenden Wechsel der Stimmungen.
Klezmer, das ist in erster Linie instrumentale Musik – doch wenn die Ballade „Der Rebe Elimelekh“ erzählt wird, der Rabbi nach dem Sabbat seine Musiker zusammenruft, greift Schenker zum Stimmband und singt, bis zum: „Gib mir Ruhe, ist genug!“. Das Publikum genießt es, dass Jiddische zu hören. Und wenn das Quartett die Melodie von „Bei mir bist du schejn“ mit eigenen Texten in Deutsch und Englisch ausgekleidet, singt auch der Geiger mit.

Exzellent aufeinander eingestellt: Igor Mazritsky und Vadim Baev,Foto: A. Hasenkamp.

Das Publikum im fast ausverkauften Saal der Christuskirche in Wolbeck ist nicht nur aufmerksam, es geht mit, macht mit als Pauke des Rebe Elimelekh. So gibt das Quartett gern eine Zugabe.

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