18.07.2026

Klaviertrio “Pathétique” in der Christuskirche

Starker Ausdruck und sehr gute Abstimmung gehörten zu den Stärken des Trio Pathétique beim Konzert in Wolbeck. Foto: A. Hasenkamp.

Klänge aus Romantik und Moderne / Viel Klavier, wenig Trio

Münster-Wolbeck (agh). Die Energie, die Präzision im Solo oder Trio, der Ausdruck – was davon den Besuchern des Konzerts des Klavier-Trios „Pathétique“ am meisten imponiert hat, war am Freitagabend in der Christuskirche nicht festzustellen.

Den Temperaturen zum Trotz brillierte das Trio von Asami Yoshihara aus Japan, Klavier, Cannelle González aus Venezuela, Violine und Burcu Uysal aus der Türkei, Violoncello, der Hitze zum Trotz waren viele Gäste gekommen, die Kirche dreiviertelvoll.

Moderne statt reiner Romantik

„Faszination Romantik“ kündigte das Programm des Trios an, gleich das erste Klaviertrio gehört zur Moderne. Schostakowitsch distanzierte sich stilistisch von der Romantik, persiflierte sie oft. Tiefe Gefühle allerdings bergen seine Werke, allemal das 2. Trio e-Moll op. 67. Der Komponist hatte erfahren, was die Wehrmacht in Polen anrichtete, die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts flossen ein in das Werk von 1943/44, hörbar gerade im Finale mit seinen Klezmer-inspirierten Tanz-Themen. Sein Biograf Ivan Martinov hielt es für „das allertragischste“ des Russen. Beeindruckt von der künstlerischen Leistung des Trios ging man in die Pause.

Ein Stück erfrischende Energie gaben die Zuhörer den Musikerinnen zurück – durch immer wieder kräftigen Applaus. Die hohe Leistung trotz nicht optimaler Umstände übertrug sich auch in der Pause auf die Gäste, zeigte sich durch angeregte Gespräche bei viel Wasser.

Was hinter den Werken von Rachmaninoff, Schostakowitsch, Tschaikowsky, Skrjabin und Franck steckt, das zu erzählen nahm dem Trio aus drei Kontinenten Professor Eberhard Hüppe ab, Vorsitzender des das Konzert veranstaltenden Vereins KulturVorOrt Wolbeck.

 Solistische Brillanz und Ensembleklang

Drei Werke bestritt die Pianistin solo, das verlieh dem Konzert eine gewisse Unwucht. Jedes Mal wusste Yoshihara von ihrem hohen Niveau zu überzeugen. Rachmaninoffs 2. Sonate für Klavier b-Moll op. 36 fordert, schnelle, drängende Wechsel zu meistern, technisch wie emotional – Yoshihara spielt es wie befreit. Impressionistische Klänge verlangt Skrjabins „Fantaisie pour Piano“ op. 28 ohne feste Gliederung – diese schwebende und schwankende Melodik hält Yoshihara zusammen, es kann seinen mystischen Charakter entfalten. César Francks Trio concertant fis-Moll op. 1 Nr. 1 fordert das Trio erneut, klangliche Balance zu wahren, wenn die Melodie-Linien etwa der Violine in die wogenden Akkord-Brechungen des Flügels einzubetten sind – eine Gemeinschafts-Leistung in Präzision und Ausdruck in einem hochklassigen Konzert vor dankbarem Publikum.

Ausblick auf das nächste Konzert: Oboe in St. Nikolaus

Am 16. Juli spielt ein hochkarätiger Oboist mit dem Deutschen Kammerorchester Berlin in der Kirche St. Nikolaus. Es ist eine Kooperation zwischen dem Verein und der GWK mit „Summerwinds“.

Andreas Hasenkamp

Journalist und Event- sowie Portraitfotograf in Münster