Karin-Hatzel-Quartett brilliert mit Vadim Neselovsky

Teilen heißt kümmern!

Karin Hatzel am Alt-SaxophonSendenhorst-Albersloh. „Wir legen den rhythmischen Boden, auf dem Vadim dann schwimmen kann“ – so definierte Pianist Volker Schlingmann die Rollenverteilung beim Doppelkonzert von Karin-Hatzel-Quartett und Vadim Neselovsky.

Romanze mit Jazz und Klassik
Das war sicher zu bescheiden. Denn das Quartett bestritt im ersten Teil am Sonntagabend in Haus Siekmann ein anspruchsvolles und schönes Programm. Die Auswahl konzentrierte sich auf den Komponisten Bobby Watson: „Cross Roads“ machte den Anfang bei diesen schwierigen Stücken.
Wer die Klasse von Schlagzeuger Mathias Rumpf nicht schon daraus entnommen hatte, dass er trotz Zurückhaltung in der Lautstärke eine starke Dynamik aus dem Handgelenk schüttelte, der konnte das in Watsons „Country Corn Flakes“ spüren, als Rumpf ein Tremolo zauberte. Da hatte Volker Schlingmann am Flügel schon manchen Spontan-Applaus für sein feines Spiel kassiert. Was „Lemon Cello“ wohl meinen mag, war auch den Musikern nicht bekannt. Was Karin Hatzel nicht davon abhielt, es mit ihrem Alt-Saxophon auszudrücken. Auch Uli Bärs Kontrabass konnte seine Solo-Qualitäten zeigen.
„Sofort ins Herz geschlossen“ hatte Hatzel einst das Stück „Stars Fell On Alabama“ – dieses verzaubernd romantische Werk, von Swing geprägt, spielte sie mit Pianist Schlingmann; die anderen hatten Pause. Dafür waren sie beim den ersten Teil schließenden „Segment“ von Charlie Parker gefragt.
Hervorgegangen ist die Zusammenstellung des Quartetts aus Uli Bärs ABC-Bigband, die mit etwa acht Musikern und Kinder Kinder-Jazz-Konzerte erarbeitet und bundesweit präsentiert. Die Vier vom Karin-Hatzel-Quartett haben schon mit zahlreichen namhaften Größen des Jazz zusammen gespielt.
War schon das Programm des Quartetts außergewöhnlich, so legte der in den USA lebende Neselovsky noch eins drauf. Oder zwei. Wie musikalisch er ist, zeigte der Pianist und Komponoist mehrfach im Umgang mit dem Blas-Instrument Melodika. Die linke Hand spielt Klavier, die rechte die Tastatur der Melodika – und parallel kann er noch den Computer einspannen, wenn er zum Tango-Rhythmus eine Klang-Wanderung malt zwischen Drinnen und Draußen, Vergangenheit und Zukunft. Auch die Weihnachts-Meditation profitierte vom Computer. Dass der äußerst expressive, überschießende Energie in die Tasten katapultierende Pianist da und dort noch die Stimme einsetzt, ist nur konsequent. Ohnehin hätte er am liebsten ein Kammerorchester mitgebracht. Die Streicher sollte ein Keyboard fernsteuern, da streikte leider die Technik.
Nach dem Tango Bach und Tschaikowsky einfließen zu lassen, damit hat Neselovsky keine Schwierigkeiten. Bach habe schließlich Tausende Hits geschrieben. Er sei modern und aktuell, man solle damit arbeiten. Und spielte eine Bach G-Moll-Invention. Warum es eigentlich keine Bach-Klingeltöne für Handys gebe? Dass man heute zehn Melodien von Aguilera kenne, von Mozart eher nur eine – das sei ein Problem. Auch Tschaikowsky verarbeitete er – einen Symphonie-Teil spielte er im Bossa Nova-Stil.
Es muss nicht immer Chopin sein, wenn es um Etuden geht – erstmals präsentierte Neselovsky eine eigene Etüde. Die Eigenkompositionen prägen eine unaufgeregte Dynamik, klare Stimmführung, ihre lang angelegte starke Durchkomponiertheit, feine Disharmonien, wo sie etwas zu sagen haben – hier erzählt ein Könner Geschichten.
Zum Schluss der Jazz Romance flogen Neselovsky und das Quartett noch gemeinsam mit Peterchen zum Mond. Da spielte er dann noch mal die Melodika. Alle fünf nahmen viel Applaus mit und hinterließen eine Hommage an Publikum und Akustik.

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Das Neujahrskonzert am 4. Januar ist ausverkauft, teilte Jürgen Krass vom Förderverein Haus Siekmann mit.